Die raumgreifende, vergängliche Installation aus recycelter Erde, gebrauchtem Holz und Duftessenz, die Delcy Morelos in der Lokremise in St. Gallen erschaffen hat, lässt den Besucher nicht nur einen Ort betrachten, sondern ihn mit allen Sinnen erleben.
Mit wenigen Materialien und einer nahezu schwarzen, monochromen Farbgebung schafft sie ein intensives Ambiente, in dem Sehen, Riechen und Bewegen zu gleichwertigen Formen der Wahrnehmung zusammenwirken.
Morelos’ Praxis ist radikal auf Material, Raum und Präsenz fokussiert. Aus einer Weltanschauung der Andenregion heraus und im Dialog mit Minimal Art und Konzeptkunst entwickelt sie eine eigenständige Sprache zwischen Zeichnung, Malerei, Skulptur und Installation. Naturmaterialien sind dabei Träger von Zeit, Prozess und Vergänglichkeit.
Im Zentrum der Ausstellung entfaltet sich ein weitläufiges Feld aus Erdhügeln und bemalten Holzlatten, die gestapelt, geschichtet oder lose gehäuft sind wie Ackerland, Topografie oder archäologische Spuren. Wände und Säulen sind mit Erdschichten überzogen, schmale Wege führen durch eine verdichtete Atmosphäre, in der Naturverbundenheit, indigene Spiritualität und koloniales Erbe ineinandergreifen. So wird unser entfremdetes Verhältnis zur Natur sinnlich erfahrbar – still, konzentriert und letztlich politisch.
Delcy Morelos wurde 1967 in Tierralta in der Region Córdoba in Kolumbien geboren. Sie lebt und arbeitet in Bogotá.
Delcy Morelos
Las formas de la sombra (Die Formen des Schattens)
Bis zum 12. Juli 2026