Die Kunst Halle Sankt Gallen präsentiert die erste institutionelle Einzelausstellung des Künstlers in der Schweiz. Die Kunst von Porritt umfasst Zeichnungen, Skulpturen und räumliche Installationen.
Unter dem Titel „One Thing After Another (Drawings 2005–2025)” zeigt die Ausstellung erstmals eine Auswahl seines zeichnerischen Schaffens der letzten zwanzig Jahre. Die ausgestellten Werke reichen von spontanen Tuschezeichnungen bis zu komplexen Blättern, die intensiv mit Wachsstift bearbeitet wurden.
„Was tun wir hier? Und warum sollte uns das kümmern?” Sam Porritts Werk ist geprägt von einem Interesse für konzeptuelle und gesellschaftliche Problemstellungen, die er im Akt des Zeichnens umkreist. Im Zentrum steht dabei ein feines Gespür für die Widersprüche menschlicher Existenz. In seiner nahezu täglichen Zeichenpraxis verarbeitet Porritt Alltagsbeobachtungen, Anekdoten oder Schlagzeilen, die seine Aufmerksamkeit erregen. Dabei ist die Zeichnung für ihn aber weit mehr als eine bloße Abbildung der Realität. Im Versuch einer unmittelbaren Verbindung von Hand, Auge und Verstand wird sie zu einem Feld für Experimente, einem Bindeglied zwischen Individuum und Umwelt, einer Verkörperung reiner Information. Spontanität und Geschwindigkeit, aber auch Wiederholung spielen hierbei eine entscheidende Rolle: Zur Absicht gesellt sich der Zufall – ein Entwurf ist immer auch ein Wurf.
Die Ausstellung macht die andauernde Entwicklung dieser gestalterischen Prozesse bei Porritt sichtbar. Zeichnung für Zeichnung führt er uns durch zwanzig Jahre intensive Arbeit und eröffnet vielfältige, zuweilen unerwartete Bezüge. Über ihren retrospektiven Ansatz hinaus funktioniert die Ausstellung selbst als räumliche Installation: Mit der simplen wie fundamentalen Geste einer Linie, die sich durch den gesamten Ausstellungsraum zieht, bringt Porritt ausgewählte Einzelwerke in ein gezieltes Verhältnis mit dem übergeordneten Kosmos verschiedener Serien und Schaffensphasen – von den ersten Versuchen über schwarz-weiße Charakterköpfe bis hin zu farbig vibrierenden Mustern.
Es sind die elementarsten Mittel der Zeichnung selbst – Linie, Farbe und Form –, die bei Porritt zu den Hauptprotagonist:innen seiner künstlerischen Untersuchungen werden. Immer wieder bringt er diese bewusst ins Kippen und lässt Neues entstehen. Aus einem abstrakten Gewirr aus Markierungen kristallisiert sich plötzlich ein Gesicht heraus, eine gekringelte Linie verwandelt sich in Maschendraht und ein Titel fügt einem Motiv eine überraschende Sinnebene hinzu. Auf spielerische und oft humorvolle Weise führt Porritt so vor, wie minimale Andeutungen und reduzierte Gesten größere Zusammenhänge spinnen können – und wie sich Bedeutung schließlich immer im Auge der Betrachtenden formt.
Sam Porritt (*1979 in London) lebt und arbeitet in Zürich.
Sam Porritt
„One Thing After Another (Drawings 2005–2025)”
Bis 15. Februar 2026