9. April 2009 - 3:59 / Ausstellung / Archiv 
15. November 2008 13. April 2009

Erstmals zeigt eine Ausstellung den Gesamtbestand von 44 Werken Egon Schieles aus der Sammlung des Landes Niederösterreich. Begonnen hat die Sammlungstätigkeit in den 1950er Jahren, also zu einer Zeit, da diese Werke noch bezahlbar waren. Der Sammlungsschwerpunkt liegt auf Werken, die vor 1910 entstanden sind und umfasst somit das Frühwerk des Künstlers, seine Kinder-, Jugend-, Akademiezeichnungen und erste Meisterwerke.

Eine wesentliche Rolle in der Entwicklung Schieles dürfte sein Mittelschullehrer Ludwig Karl Strauch gespielt haben, der sein zeichnerisches Talent erkannt hatte. In der Ausstellung sind zwei Porträts zu sehen. Im Jahr 1906 trat er in die Akademie der bildenden Künste ein, um sie bald wieder zu verlassen. Ein Schlüsselwerk stellt das expressive Bild "Mutter mit Kind (Madonna)" von 1908 dar sowie die im selben Jahr entstandenen "Sonnenblumen". Die "Madonna" zeigt bereits die für Schiele so signifikanten verkrampften Hände. Das wahrscheinlich bedeutendste Werk in der Sammlung überhaupt ist die "Zerfallende Mühle", ein Hauptwerk des Expressionismus.

Egon Schiele (1890-1918) kommt als Sohn eines Eisenbahners in Tulln zur Welt, besucht die Gymnasien Krems und Klosterneuburg, wo er den Schulunterricht durch Zeichnen stört. Aufnahme an die Akademie der bildenden Künste Wien, die er nach heftigen Kontroversen mit seinem Lehrer Christian Griepenkerl verlässt, Gründung der "Neukunstgruppe". Sein weiteres Werden vollzieht sich außerhalb der Akademie, um 1910 erreicht er seine künstlerische Eigenständigkeit. Übersiedlung nach Krumau (1911), über Wien nach Neulengbach, wo über ihn wegen des unhaltbaren Vorwurfs der Verführung Minderjähriger einige Zeit Untersuchungshaft verhängt wird. Teilnahme am Weltkrieg als Schreiber, 1918 stirbt er an der spanischen Grippe.

Egon Schiele – Das Werden eines Künstlers
Aus den Sammlungen des NÖ Landesmuseums
15. November 2008 bis 13. April 2009

Niederösterreichisches Landesmuseum
Kulturbezirk 5
A - 3109 St. Pölten

T: 0043 (0)2742 908090-100
F: 0043 (0)2742 908099
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Boote im Hafen von Triest, 1908. Öl, Bleistift / Karton, 29 x 21 cm. NÖLM, St. Pölten, Inv.-Nr. 1915 (1955 von Ludwig Karl Strauch / Klosterneuburg angekauft)
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Zerfallende Mühle, 1916. Öl / Leinen, 110 x 140 cm. NÖLM, St. Pölten, Inv.-Nr. 2043 (ex Slg. Gustav Nebehay/Wien; Fritz Lang / Berlin; 1955 von Wolfgang Gurlitt/Bad Aussee angekauft)
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Sonnenblumen, 1908. Öl / Karton, 44 x 32,4 cm. NÖLM, St. Pölten, Inv.-Nr. 7107 (ex Slg. Hans Massmann; Rudolf Hafner; 1968 von Karoline Hafner-Scholz / Wien angekauft)
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Weiblicher Akt, 1913. Schwarze Kreide, Aquarell / Papier, 44 x 32 cm. NÖLM, St. Pölten, Inv.-Nr. 1974 (1955 von Dr. Rudolf Leopold / Bad Hall angekauft)