Die Ausstellung im Unteren Belvedere in Wien präsentiert erstmals das Werk der deutsch-amerikanischen Künstlerin und Designerin Anni Albers in Österreich. Von den Anfängen am Bauhaus über ihre einflussreiche Tätigkeit am Black Mountain College bis hin zur theoretischen Auseinandersetzung wird Albers’ facettenreiches Schaffen zwischen Kunst und Design, Handwerk, Lehre und Theorieproduktion beleuchtet.
Anni Albers (1899–1994) begann in den 1920er-Jahren am Bauhaus mit ihrem kreativen und experimentellen Schaffen. 1933 emigrierte sie in die USA und etablierte sich dort als vielseitige Künstlerin. Sie entwickelte komplexe Webstrukturen und verwendete neuartige Fasern. Neben Bildwebereien, die als autonome Kunstwerke zu betrachten sind, widmete sie sich der Herstellung neuer Textilien für Gebäude und Innenräume, sogenannter „nützlicher Objekte“. Albers betrachtete das Weben als die fortschrittlichste Form des modernen architektonischen Denkens. Aufgrund ihres tiefgreifenden Verständnisses des Materials und seiner Anwendungen ist Albers’ Arbeit hochaktuell und relevant im Hinblick auf heutige Herausforderungen in den Bereichen Energie und materielle Ressourcen.
Die Ausstellung präsentiert anhand von zahlreichen Werken aus allen Schaffensperioden – beginnend mit den Anfängen am innovativen Bauhaus in Weimar, Dessau und Berlin über die Zeit am legendären Black Mountain College bis in die 1980er-Jahre – ihre facettenreiche Karriere zwischen Textilem und Architektur, Weben und Bauen, Vergangenheit und Gegenwart. Sie umfasst sowohl Materialstudien, Textilmuster und Entwürfe als auch Bildgewebe, großformatige Raumteiler, Teppiche, Vorhangstoffe und theoretische Schriften.
Anni Albers (1899–1994) war eine der einflussreichsten Textilkünstlerinnen und Designerinnen des 20. Jahrhunderts. 1899 in Berlin geboren, führte sie ihr Entschluss, eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen, 1922 an das Bauhaus in Weimar. Ihre frühe Ausbildung in der Weberei prägte ihr Handwerk, ihre Kunst und ihre Lebenseinstellung. Für ihren experimentellen Umgang mit neuen Materialien und ihre Beherrschung der strukturellen Möglichkeiten von Textilien erhielt sie 1930 ihr Bauhaus-Diplom. In den Jahren 1931/32 war sie stellvertretende Leiterin der Werkstatt. Um langlebige Werke zu schaffen, war es Albers wichtig, dem Material große Aufmerksamkeit zu schenken und sich vom Faden leiten zu lassen.
Nach der Zwangsschließung der Schule im Jahr 1933 wanderte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Bauhaus-Künstler und -Lehrer Josef Albers, in die Vereinigten Staaten aus. Dort wurde ihr Werk in bedeutenden Ausstellungen gefeiert, darunter die erste Einzelpräsentation einer Textilkünstlerin im New Yorker Museum of Modern Art im Jahr 1949.
Am Black Mountain College, einer progressiven Hochschule, entwickelte Anni Albers einen innovativen Lehrplan, der traditionelle Handwebtechniken mit moderner Kunst und Industriedesign verband.
Albers' Überzeugung, dass eine Verbindung zwischen Textilien und Architektur besteht, beruhte auf ihrer Erkenntnis, dass Textilien sowohl Gebrauchsgegenstände als auch eigenständige Kunstwerke sein können. Ihre Überzeugung, dass Materialien sowohl in der Textilkunst als auch im Design eine zentrale Rolle spielen, veranlasste sie, mit einer Vielzahl ungewöhnlicher Fasern zu experimentieren, um starke und zugleich subtile Webmuster und Stoffe zu kreieren. Ihre einflussreiche Publikation „On Weaving”, die 1965 erschien, gilt bis heute als grundlegendes Werk zu diesem Thema. Anni Albers hat das Textildesign maßgeblich geprägt und dessen Anerkennung als ernstzunehmende Kunstform gefördert. Ihr Werk beeinflusst bis heute Künstler:innen, Designer:innen und Architekt:innen weltweit.
Die Ausstellung wurde vom Zentrum Paul Klee in Bern und von der Josef and Anni Albers Foundation in Bethany, Connecticut, in Zusammenarbeit mit dem Belvedere in Wien organisiert.
Anni Albers. Constructing Textiles
30. April bis 16. August 2026