5. Januar 2020 - 5:48 / Ausstellung / Geschichte 
27. November 2019 8. November 2020

Das Jüdische Museum Wien präsentiert die Lebensgeschichte der Hollywood-Ikone und genialen Erfinderin Hedy Lamarr. Die Ausstellung im Museum Judenplatz zeigt die facettenreiche Biographie und setzt einen besonderen Schwerpunkt auf ihre Lebensjahre in Wien und Berlin.

Hedy Lamarr zählte zu den strahlenden Hollywood-Stars. Lange Zeit unbekannt blieb jedoch, dass sie die Erfinderin des »Frequenzsprungverfahrens war, auf dem Mobilfunk, Bluetooth und Wlan basieren. 1914 als Hedwig Kiesler in Wien geboren, wurde die Tochter eines jüdischen Bankdirektors aus dem Wiener Nobelbezirk Döbling von Max Reinhardt für das Theater entdeckt. 1933 avancierte sie durch eine Nacktszene im Film Ekstase zum internationalen Star. Im selben Jahr heiratete Hedwig Kiesler den einflussreichen Munitionsfabrikanten und Waffenhändler Fritz Mandl. Vor seinem herrischen Wesen und seiner Eifersucht flüchtete sie 1937 nach Hollywood. Auf Anraten von Filmmogul Louis B. Mayer wurde ihr Name in Hedy Lamarr geändert. Gleich ihr erster Spielfilm Algiers machte sie weltberühmt. Nach dem Kriegseintritt der USA engagierte sie sich im Kampf gegen die Nazis, zu dem auch ihre mit dem Komponisten George Antheil ausgearbeitete Funkfernsteuerung für Torpedos beitragen sollte. Sie galt als schönste Frau der Welt und war insgesamt sechs Mal verheiratet. In späteren Jahren fiel die Diva durch Schönheitsoperationen und Ladendiebstahl auf und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Seit 2018 verleiht die Stadt Wien den Hedy-Lamarr-Preis an innovative Wissenschaftlerinnen. Hedy Lamarr starb 2000 und ist in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.

Von Hedy Kiesler zu Hedy Lamarr

Schon im Alter von knapp 16 Jahren gelang es Hedy Kiesler, zum ersten Mal in einem Spielfilm auf der Kinoleinwand zu erscheinen. Bald nach ihrem Filmdebüt verließ sie die Schule und widmete sich ganz der Schauspielerei. Max Reinhardt, der zu ihren Förderern gezählt wird, soll sie das "schönste Mädchen der Welt" genannt haben. In den Illustrierten wurde sie bereits als der kommende junge Schauspielstar gefeiert.

Ihre erste Hauptrolle verkörperte Hedy Kiesler im tschechoslowakischen Spielfilm Ekstase, 1933. Durch eine nur wenige Sekunden dauernde Nacktszene sowie die Darstellung eines Orgasmus wurde die künstlerisch höchst avancierte Produktion zum "Skandalfilm", mit dem ihr der Durchbruch in Europa gelang.

Im gleichen Jahr heiratete sie den um 13 Jahre älteren, reichen Munitionsfabrikaten und Waffenhändler Fritz Mandl. Er umgab seine junge Frau mit Reichtum, verbot ihr aber die Schauspielerei und hütete sie eifersüchtig. Mehrmals soll sie erfolglos versucht haben, ihrem besitzergreifenden Ehemann zu entkommen. Im September 1937 gelang ihr die Flucht aus ihrer Ehe.

Im August 1937 befanden sich die ehemalige Schauspielerin Hedy Mandl-Kiesler und der Hollywood-Filmproduzent Louis B. Mayer von Metro-Goldwyn-Mayer bei den Salzburger Festspielen. Ihn führten seine Geschäfte von Salzburg weiter nach England. Hedy folgte Mayer in der Hoffnung auf einen Vertrag, der sie nach Hollywood bringen sollte. Sie ging aufs Ganze und bestieg den Luxusdampfer Normandie, auf dem Mayer in die Vereinigten Staaten zurückfuhr. Während der Reise gelang es ihr nicht nur, einen guten Vertrag mit MGM auszuhandeln, sie erhielt auch einen neuen Künstlernamen: Hedy Lamarr.

Lady Bluetooth

Hedy Lamarr kann als Hobby-Erfinderin bezeichnet werden. Sie erfand sowohl kleine Helfer als auch komplexe Waffensysteme. Für ihren Freund Howard Hughes entwarf sie einen Flugzeugrumpf, der Schnelligkeit mit guten Flugeigenschaften vereinte. Mit George Antheil erfand sie eine störungssichere Funkfernsteuerung für Torpedos, die sie sich patentieren ließen, um sie der US-Navy zu schenken. Das dafür entwickelte Frequenzsprungverfahren gilt heute als Vorläufer für Drahtlostechnologien wie Bluetooth und Mobilfunk. Ihr Patent verschwand damals in den Schubladen und blieb für viele Jahre ungenutzt.

Eine Wienerin bleibt eine Wienerin

Neben ihren filmischen Rollen, spielte Hedy Lamarr häufig verschiedene Rollen in ihrem Privatleben. Von der ersten Rolle als höhere Tochter einer gutsituierten, assimilierten jüdischen Familie in Wien-Döbling, zur Schauspiel-Ikone, schönste Frau der Welt, Hausfrau, Ehefrau, Mutter, Unternehmerin, Erfinderin bis hin zur Rolle der verletzlichen Diva, der Zurückgezogenen und aus österreichischer Perspektive besonders interessanten Rolle, der der Österreicherin bzw. Wienerin.

In zahlreichen Interviews sprach Hedy Lamarr davon, dass Wien ihre eigentliche Heimat sei und sie sich nicht als Amerikanerin, sondern als Österreicherin betrachtete. Tatsächlich kam sie aber nach ihrer Emigration 1937 nur noch ein einziges Mal in das Land ihrer Geburt zurück: Im Sommer 1955. Das österreichische Medienecho auf ihren Besuch zeigt, dass man stolz auf den aus Wien gebürtigen Weltstar war, und gerne hob man hervor, wie sehr sie immer noch eine Wienerin war. Auch, wenn sie in Interviews immer wieder davon sprach, wiederkommen zu wollen, so tat sie es doch nie wieder.

Lady Bluetooth. Hedy Lamarr
27. November 2019 bis 8. November 2020 (verlängert)
Kuratorin: Andrea Winklbauer

Jüdisches Museum Wien
Dorotheergasse 11
A - 1010 Wien

T: 0043 (0)1 53504-31
F: 0043 (0)1 53504-24
E: info@jmw.at
W: http://www.jmw.at/

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Hedwig Kiesler, Salzburg, um 1935 © Anthony Loder Archive
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Szene aus "Samson und Deliah", Paramount Pictures, 1949 © Anthony Loder Archive
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Hedwig Kiesler, Wien, um 1933 © Anthony Loder Archive, Foto: Edith Glogau
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Hedwig Kiesler in Wien, um 1922 © Anthony Loder Archive, Foto: Grete Kolliner
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Hedwig Kiesler, Österreich, um 1930 © Anthony Loder Archive
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Hedwig und ihre Mutter Gertrude Kiesler, um 1933 © Anthony Loder Archive
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Hedy Lamarr bei ihrer Ankunft in New York, 4. Oktober 1937 © Anthony Loder Archive
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Hedy Lamarr in "I take this Woman", Foto von Laszlo Willinger, MGM 1940 © Jüdisches Museum Wien
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Hedy Lamarr, U.S.A., um 1938 © Anthony Loder Archive
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Hedy Lamarr und ihre Dänische Dogge, USA, 1939 © Anthony Loder Archive
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Hedy Lamarr macht Werbung für Maybelline, Zeitschriftenseite, um 1940 © Anthony Loder Archive
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