Das Programm des Vorarlberg Museums für das Jahr 2026

In einer Pressekonferenz im Dezember zog der Direktor des Vorarlberg Museums, Michael Kasper, Bilanz über das laufende Jahr und stellte den Programmschwerpunkt „Erinnern!” für das Jahr 2026 vor.

Das Vorarlberg Museum versteht Erinnerungskultur als lebendigen Prozess. Geschichte wird nicht nur bewahrt, sondern auch befragt – gemeinsam, kritisch und in zahlreichen Veranstaltungen sowie drei Ausstellungen: „Baustelle Erinnerung”, „Hitler entsorgen” und „Lukas Birk: Topografie der Erinnerung” sowie „Delphina und drei Deserteure”. In einer Zeit gesellschaftlicher Spannungen wird das Nachdenken über die Vergangenheit zu einer Zukunftsaufgabe für eine wache, demokratische Gesellschaft. Im Februar eröffnet außerdem ein neuer Begegnungsort im 4. Stock – die Ghörige Stube* – mit freiem Eintritt.

Sonderausstellungen

„Baustelle Erinnerung, ‚Hitler entsorgen‘ – Arbeiten am belasteten Erbe“

Wie gehen wir heute mit der NS-Vergangenheit um? Die Ausstellung zeigt, wie tief Ideologie und Vereinnahmung in Kunst und Volkskultur verankert waren – und wie vieles nach 1945 weiterwirkte. Dokumente und Objekte machen bisher wenig beachtete Aspekte der Vorarlberger Kulturgeschichte sichtbar. Ein Schwerpunkt liegt auf NS-Gegenständen aus privatem Besitz, die bis heute in Haushalten auftauchen und Fragen nach Umgang, Herkunft und Bedeutung aufwerfen. „Baustelle Erinnerung“ lädt dazu ein, diese Objekte kritisch zu betrachten und über eine wachsame Erinnerungskultur ins Gespräch zu kommen. Die Ausstellung „Hitler entsorgen” wurde vom Haus der Geschichte Österreich übernommen.

9. Mai 2026 – 29. August 2027
Vernissage: 8. Mai 2026, 17:00 Uhr

Der atlantische Traum - Franz Plunder – Bootsbauer, Bildhauer, Abenteurer

Der 1891 in Bregenz geborene Franz Plunder war ein ausgebildeter und mehrfach ausgezeichneter Bildhauer. Schlagzeilen machte er jedoch 1923 mit einem anderen Projekt: Er überquerte mit einem selbstgebauten Segelboot, der „Sowitasgoht V“, den Atlantik. Von da an pendelte er nicht nur zwischen den beiden Berufen Bildhauer und Bootsbauer, sondern auch zwischen Bregenz und den USA. Die Ausstellung widmet sich dieser faszinierenden Persönlichkeit, in deren Biografie sich auch einige mysteriöse Episoden finden. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Bis zum 6. Januar 2027

Tuten & Blasen. Blasmusik in Vorarlberg

Wenn in Vorarlberg ein Fest stattfindet, ist die Blasmusik nicht weit. Kaum ein Empfang, ein rundes Jubiläum oder eine größere Feier in den Dörfern und Städten, die nicht von einer solchen Musikkapelle begleitet wird. Rund 6.000 Musiker:innen spielen in Vorarlberg in 129 Formationen, treffen sich regelmäßig zu Proben, bereiten sich auf Wettbewerbe vor und spielen an Wochenenden bei den unterschiedlichsten Anlässen. Die Ausstellung erzählt von Menschen, die die Blasmusik im Land geprägt haben und sich heute noch dafür einsetzen, dass diese Tradition lebendig bleibt. In Zusammenarbeit mit dem Vorarlberger Blasmusikerverband.
Bis zum 29. März 2026

Ghörige Stube*

Schmökern, spielen, surfen, sich treffen, ins Gespräch kommen … Fühlen Sie sich in der Stube des Vorarlberg Museums wie zu Hause! Und das „ghörig“! „Ghörig“ hat im Vorarlbergischen viele Bedeutungen. Für die Stube bedeutet es: offen, vielfältig, verbindend – im Zuhören, Mitreden und Zusammen-Sein. Ob Sie eine Pause vom Museumsrundgang oder vom Alltag brauchen – die Ghörige Stube*, der neue Raum im vierten Stock, ist ab dem 7. Februar geöffnet. Das aktuelle Stubenprogramm finden Sie auf vorarlbergmuseum.at/veranstaltungen. Der Eintritt ist frei!

ab dem 7. Februar 2026
Stubenfest zur Eröffnung am 9. April 2026

Ausstellungen im Atrium

1525 – Siegessäule für eine Niederlage

500 Jahre nach dem Bauernkrieg erinnert die Installation an Aufstand und Unterwerfung, an Forderungen nach Gerechtigkeit und an eine gewaltsame Niederschlagung. Im Zentrum steht Marko Lehankas „Bauernsäule Remix 19” im Dialog mit Albrecht Dürers Entwurf einer „Siegessäule für die Besiegten”. Dokumente und Erzählungen aus Vorarlberg – von Beschwerden über die Leibeigenschaft bis zur Legende der „Henkeychen“ – geben der Erinnerung regionale Gestalt. Es ist eine Auseinandersetzung mit Geschichte, Kunst und Macht. In Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Bregenz.

Installation bis zum 22. Februar 2026

Der Ring - Rauminstallation von Roland Adlassnigg zur Tanzperformance „Perfect Match“ von Silvia Salzmann

Ein Boxring im Atrium des Museums? Er dient als Kulisse für das interdisziplinäre Tanzprojekt „Perfect Match” von Silvia Salzmann über häusliche Gewalt. Die Performance zeigt, wie schnell Beziehungen kippen, vertraute Räume brüchig werden können und wie schwer es ist, Partnerschaften zu beenden. Die Bühne ist instabil, von vornherein unfair. In diesem fragilen Setting treffen Tanz und Livemusik körperlich intensiv aufeinander. Möbel rutschen, wanken und kippen. Balance geht verloren. Nähe wird gefährlich. Eine Beziehung zerfällt. Ein Projekt von Silvia Salzmann in Zusammenarbeit mit dem ifs-Gewaltpräventionsprojekt „StoP“ und Nikola Furtenbach. (Aufführungen am 6. und 27. März, siehe auch Veranstaltungsreihe „Klartext im Ring“)

6. März – 29. März 2026

Lukas Birk: „Topografie der Erinnerung”

Zehn persönliche Geschichten machen den Zweiten Weltkrieg als weltumspannendes Ereignis begreifbar. Eine indische Krankenschwester, ein kenianischer Feldkoch, ein japanischer Soldat, eine philippinische Guerillaführerin oder eine von Stalin deportierte Krimtatarin – sie alle erzählen in der Ich-Form von Krieg, Verlust und Hoffnung. Ihre Stimmen verbinden sich durch Fotografien, Karten, Archivmaterialien und Tonaufnahmen zu einer vielschichtigen Erzählung. Die Ausstellung zeigt, wie Menschen in verschiedenen Erdteilen den Zweiten Weltkrieg erlebt und erinnert haben – jenseits europäischer Perspektiven und vertrauter Erinnerungskulturen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

18. April – 5. Juli 2026, Vernissage: 17. April 2026, 17 Uhr

Delphina und drei Deserteure - Familiäres Erinnern an Menschlichkeit und Mut in einer unmenschlichen Zeit

Auf einem abgelegenen Hof im Großen Walsertal wuchs Delphina Burtscher auf. 1944 unterstützte die 18-Jährige heimlich ihre desertierten Brüder Willi und Leonhard sowie ihren Verlobten Martin, die sich im Wald versteckt hielten. Dann der Verrat eines Nachbarn: Delphina wurde kurz vor der Entbindung ihres ersten Kindes inhaftiert, Willi und Martin hingerichtet, Leonhard entkam. Die Ausstellung rückt Delphina ins Zentrum: Familiäre Erinnerungsobjekte, eine fotografische Spurensuche, historische Dokumente und Stimmen aus der Gegenwart werfen auch grundsätzliche Fragen auf. Was bewegte Deserteure? Was leisteten Frauen wie Delphina damals? Und wie erinnern sich ihre Enkelinnen heute an ihr „Omile“? Begleitend erscheint ein Graphic Novel.

18. Juli 2026 – 8. Februar 2027, Vernissage: 17. Juli 2026, 17:00 Uhr

Weitere Ausstellungen

Zeitfenster – Einblick in Vorarlbergs Vergangenheit

Wie lebten die Bewohner:innen Vorarlbergs in früheren Jahrhunderten? Im zweiten Obergeschoss öffnen sich Zeitfenster und geben Einblicke in die Geschichte Vorarlbergs. In der Ausstellung „Gedankenwelten” (noch bis zum 20. September) geht es um Rituale, moralische Grundsätze und religiöse Vorstellungen, mit denen sich die Menschen Unerklärliches zu erklären versucht haben. Die ab dem 3. Oktober gezeigte Ausstellung „Von Ort zu Ort“ befasst sich mit Gütertausch, Handel und Zahlungsmitteln.

Weltstadt oder so? Brigantium im 1. Jahrhundert n. Chr.

Ein Forum, das so groß wie ein Fußballfeld war, eine Therme und ein Handwerker- und Händlerquartier am Bregenzer Tschermakgarten – die öffentlichen und privaten Bauten im Brigantium des 1. Jahrhunderts n. Chr. beflügeln die Fantasie. War Bregenz zur Römerzeit eine Stadt? Vieles deutet darauf hin, aber ein eindeutiger Beweis fehlt. Wie kann man sich das Leben in Brigantium vorstellen? Die Ausstellung lädt auf Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse und archäologischer Funde dazu ein, gut informiert über das antike Bregenz, seine Bewohner:innen und Besucher:innen zu spekulieren.

Buchstäblich Vorarlberg. Einblicke in die Sammlung

Die Sammlung des Vorarlberg Museums umfasst rund 180.000 Objekte aus den Bereichen Archäologie, Kunst, Alltagskultur und Geschichte. Alphabetisch geordnet präsentiert die Ausstellung Bedeutsames und (zumindest auf den ersten Blick) weniger Bedeutsames aus diesem reichen Bestand. Den Anfang machen unter "A" wie Angelica Stiche der Künstlerin Angelika Kauffmann. Der Münzschatz von Sonderberg – "Z" wie Zahla – bildet den Abschluss der Ausstellung. Dazwischen finden sich unter anderem Schnapsgläser, Schwertknäufe, "Das kleine Ich bin Ich", die Nachlässe von Fritz Krcal und Kundeyt Şurdum, Priestergewänder und Herbarien.