Das Kunstmuseum Winterthur zeigt in der Ausstellung "Tout est lumière" in der Villa Flora französische Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts. Auf dem Weg an die Côte d’Azur begegnet man Gemälden, Zeichnungen und Aquarellen der Künstlerfreunde des Hauses. Eine Hommage an die Maler um Cézanne, van Gogh und Matisse sowie an das Kunstsammlerpaar Hahnloser, die das Licht des Südens nach Winterthur brachten.
Die Ausstellung lässt die Besucher:innen in sonnendurchflutete Landschaften eintauchen, die unweigerlich an Ferien und Sommer denken lassen. Sie vereint Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen von Paul Cézanne, Vincent van Gogh, Pierre Bonnard, Henri Matisse und anderen Künstlern, die es seit der Mitte des 19. Jahrhunderts aus den grauen Städten an die französische Mittelmeerküste zog. An der Riviera entdeckten sie die bislang kaum gemalte maritime Natur und fanden zu neuen Ausdrucksformen, um sich von alten Traditionen zu lösen und im Licht des Südens den Aufbruch in die Moderne voranzutreiben.
1888 reiste van Gogh in Richtung Mittelmeer und blieb in Arles hängen, wo er seinen Traum verwirklichen wollte: ein „Atelier des Südens” als Künstlerkolonie zu gründen. Die Idee scheiterte, doch es entstanden unzählige Gemälde gleißender Landschaften, mit denen er sich in die Kunstgeschichte einschrieb. Für ihn waren das Licht und die Farben des Südens Befreiung und Offenbarung zugleich – sie ließen ihn ohne Regeln zu beachten malen: „Im Süden werden die Sinne geschärft. Die Hände werden wendiger, das Auge aufmerksamer und das Denken klarer.” Auch Cézanne zog es nach seinem Pariser Aufenthalt zurück in die Heimat, wo er sich fortan der mediterranen Landschaft widmete. Darin gelang ihm der Übergang vom Impressionismus zu einer flächig organisierten Darstellung „parallel zur Natur”. Damit war ein Wandel angezeigt, der die Kunst des 20. Jahrhunderts bestimmen sollte. Wie etwas gemalt ist, wurde nun wichtiger als was gemalt ist. Diesem Motto folgten die jüngeren Künstler, um im Licht des Südens ihre Sinne zu schärfen und ihre Kunst weiterzuentwickeln. Bonnard zog es nach Le Cannet, Matisse nach Nizza und Manguin nach Saint-Tropez. Und auch das Sammlerehepaar Hedy und Arthur Hahnloser fand im milden Klima ein zweites Zuhause. Ab 1923 verbrachten sie die Wintermonate in Cannes, wo sie in regem Austausch mit ihren Künstlerfreunden standen.
„Tout est lumière” ist eine Hommage an das Licht des Südens – an die Künstler, die darin ihre Freiheit fanden, und an Hedy und Arthur Hahnloser, die dieses Leuchten in ihrer Sammlung weitertrugen.
„Tout est lumière”
Cézanne, van Gogh, Matisse und die Maler des Südens
bis 30.08.2026
Kunst Museum Winterthur, Villa Flora, Tösstalstraße 44, 8400 Winterthur