Das Leben - eine Farbpalette

In seinem Buch „Hockney - Eine Biografie in Bildern“ wagt der Autor und Illustrator Simon Elliott einen unkonventionellen Ansatz. Er porträtiert das Leben des britischen Malers, Grafikers, Bühnenbildners und Fotografen David Hockney, der am 11. Juni dieses Jahres im Alter von knapp 89 Jahren in London verstorben ist, nicht in Form eines klassischen Textromans oder einer traditionellen Comic-Biografie, sondern in einer lebendigen Graphic Novel, die Hockneys künstlerische Evolution widerspiegelt. Die Lebensgeschichte wird primär durch die sequenzielle Abfolge von Bildern und Illustrationen getragen.

 

 David Hockney Hockney wird oft als ein führender Vertreter der Pop-Art nahestehender Kunst bezeichnet, verfügt allerdings über ein eigenständiges künstlerisches Profil. Seine Werke erzielen auf Auktionen astronomische Preise. So erlangte sein Bild „Porträt of an Artist (Pool with Two Figures)“ (1972) bei einer Versteigerung bei Christie’s am 15. November 2018 einen Verkaufspreis von 90,3 Millionen US-Dollar. Bis 2019 war es das teuerste auf einer Auktion jemals versteigerte Bild eines lebenden Künstlers weltweit.

Die Publikation, die 226 Seiten stark ist und mit einem auffälligen Hardcover ausgestattet ist, das den Künstler von hinten beim Malen einer bunten Landschaft zeigt, zeichnet Hockneys Lebensweg chronologisch nach. Es beginnt in seiner Heimatstadt Bradford während der Nachkriegszeit und beleuchtet seinen künstlerischen Durchbruch am Londoner Royal College of Art. Ein zentraler Wendepunkt, der auch im Buch atmosphärisch dicht eingefangen wird, ist Hockneys Umsiedlung nach Los Angeles in den 1960er-Jahren. Die ikonischen Pool-Bilder und das sonnige Licht Kaliforniens prägten nicht nur sein Werk, sondern auch seine persönliche Entwicklung als offen homosexueller Künstler. Elliott gelingt es, diese Transformation mit kurzen Textblöcken, Anekdoten und ganzseitigen Illustrationen greifbar zu machen.

Das visuell beeindruckendste Element des Buches ist seine Entstehungstechnik: Simon Elliott hat das gesamte Werk selbst auf einem iPad gezeichnet. Dies kann als direkte und wertschätzende Hommage an David Hockney ausgelegt werden, der in seiner malerischen Spätphase selbst intensiv mit digitalen Medien und iPad-Zeichnungen experimentiert hatte. Elliotts Stil erinnert an Hockneys unverkennbare Farbpalette und zeichnet sich durch leuchtende Töne, fließende Formen und eine hohe visuelle Energie aus. Auf klassische Sprechblasen und Comic-Panels wird verzichtet; stattdessen wechseln sich großflächige Illustrationen mit prägnanten, umrahmten Texten ab, was dem Buch den Charakter eines illustrierten Tagebuchs verleiht.

Simon Elliotts „Hockney - Eine Biografie in Bildern“ ist weit mehr als eine reine Nacherzählung von Lebensdaten. Obwohl der Untertitel das Werk explizit als Graphic Novel ausweist, bricht Elliott mit klassischen Genremustern: Durch den Verzicht auf traditionelle Panels und Sprechblasen bewegt sich das Buch an der Schnittstelle zu einem illustrierten biografischen Tagebuch. Es ist eine fröhliche, tiefgründige und visuell mitreißende Hommage an die Schaffenskraft und den Optimismus des britischen Künstlers. Mit der Wahl des Mediums – dem digitalen Zeichnen auf dem iPad – schlägt Elliott eine brückenbildende Verbindung zwischen dem Leben des Meisters und der eigenen künstlerischen Umsetzung, die den Leser dazu einlädt, die Welt durch Hockneys farbenfrohe Brille zu sehen. Das Buch funktioniert wie ein kunstvoll illustriertes Sachbuch, bei dem ganzseitige oder auch doppelseitige Bilder von dokumentarischen Textblöcken (Fakten und Anekdoten) begleitet werden. Durch die konsequent durchgehende Gestaltung von Simon Elliott erhält die Publikation auch einen klaren, individuellen Autorencharakter.

Simon Elliott: „Hockney - Eine Biografie in Bildern“
Midas Verlag, Zürich 

226 Seiten, Hardcover
ISBN 978 3 03876 296 6 
Preis 28,00 Euro