Das komplexe Verhältnis von Tier und Mensch

Mit der Ausstellung „Animalia. Von Tieren und Menschen” untersucht die Heidi Horten Collection dieses Verhältnis. Der aus der Biologie entlehnte Begriff „Animalia” dient dabei als Leitgedanke einer kritischen Auseinandersetzung mit dem menschlichen Umgang mit Tieren, die sich in über 100 Kunstwerken aus dem 20. und 21. Jahrhundert widerspiegelt.

Abgeleitet von „anima”, dem lateinischen Wort für Atem oder Seele, umfasst der vom Naturforscher Carl von Linné (1707–1778) geprägte Begriff „Animalia” Mensch und Tier gleichermaßen. Im Kontrast zu diesem Modell der Gleichrangigkeit ist der Umgang des Menschen mit dem Tier jedoch von einer deutlichen Hierarchie geprägt.

Als vermeintlicher „Höhepunkt der Evolution“ und Wesen der Vernunft, das sich über die tierische Welt erhebt, weist der Mensch dem Tier ambivalente Rollen zu. Künstlerische Repräsentationen, die diese unterschiedlichen Zuschreibungen sichtbar machen, sagen dabei viel über den Menschen selbst aus; sie erlauben Rückschlüsse auf sein Selbstverständnis und seine Methoden der Projektion. So ist der Mensch in jedem Bild des Tieres präsent – selbst dann, wenn er nicht Teil der Darstellung ist.

Die Ausstellung geht der Frage nach, welche sozialen, gesellschaftlichen und historischen Strukturen in den Darstellungen von Tieren eingeschrieben sind. Sie spannen den Bogen von der Idee des „besten Freundes des Menschen“ über die Vermenschlichung und Verdinglichung des Tiers bis hin zu seiner Ausbeutung. Gleichzeitig erlaubt die Ausstellung einen Ausblick auf „Animalien“ als gedankliches Experiment, das über eine gemeinsame biologische Kategorie hinausgeht und Tiere als Mitgeschöpfe und Mitakteure in einem gemeinsamen Lebensmodell denkt.

Die Künstler:innen der Ausstellung sind: Karel Appel, Cory Arcangel, Miquel Barceló, Georg Baselitz, Dominika Bednarsky, Cosima von Bonin, Rembrandt Bugatti, Marc Chagall, George Condo, Mark Dion, Jean Dufy, Gerhart Frankl, Helene Funke, Matthias Garff, August Gaul, Gelatin, Lena Henke, Damien Hirst, Edgar Honetschläger, Hörner/Antlfinger, Anna Jermolaewa, Birgit Jürgenssen, Sanna Kannisto, Gülsün Karamustafa, Erika Giovanna Klien, Stanislaw Kubicki, François-Xavier Lalanne, Maria Lassnig, Fernand Léger, Roy Lichtenstein, Angelika Loderer, Constantin Luser, Franz Marc, Sarah Morris, Alois Mosbacher, Ulrike Müller, Meret Oppenheim, Michèle Pagel, Yan Pei-Ming, Pablo Picasso, Lili Reynaud-Dewar, Germaine Richier, Corinne L. Rusch, Kristof Santy, Anne Speier, Margherita Spiluttini, Curt Stenvert, Melanie Thoeni, Philipp Timischl, Wilhelm Trübner, Not Vital, Kay Walkowiak und Andy Warhol.

Animalia. Von Tieren und Menschen
27. März–30. August 2026