9. Juni 2011 - 2:22 / Ausstellung / Archiv 
27. März 2011 13. Juni 2011

Der 41-jährige Maler Jonas Burgert zählt zu den großen Neuentdeckungen der deutschen Kunstszene. Er malt in Lebensgröße mystische Szenarien, die sowohl über existenzialistische Befindlichkeiten berichten wie auch beeindruckende kulturgeschichtliche Zeugnisse darstellen. Das zentrale Thema in der Malerei von Burgert ist die Figuration, die er facettenreich in Mythen, in die Groteske und das Fantastische integriert. Die minutiös konzipierten Bildkompositionen erinnern an epische Bühnenbilder, die zum Spiegel spannungsreicher zwischenmenschlicher Beziehungen werden. Seine großformatigen Leinwände verdichten sich dabei zu sensiblen Ich-Porträts und sind von emotionaler Eindringlichkeit.

In exotischen Kostümen und dramatischen Lichtsetzungen begegnen uns Könige, Schamanen, Amazonen, Magier, Dämonen, Kinder sowie Krieger, Jäger und Sammler, die sich mit zeitgenössischen Lebenswelten vermischen. Der Bildraum steigert sich zu einer großen Erzählung, deren Protagonisten die Allegorien der menschlichen Existenz wiedergeben: Melancholie, Liebe, Tod und Gerechtigkeit. Die Figurendarstellungen agieren wie zeitlose Weltenwanderer, die den Betrachter in ihren Bann ziehen und einen Dialog zwischen einer urbanen und einer archaischen Welt ausloten. Die Kunsthalle Krems zeigt gemeinsam mit der Kunsthalle Tübingen die erste institutionelle Personale des Malers, die einen Querschnitt seiner seit 2005 entstandenen Arbeiten zeigt.

So einen "Lebendversuch" zu unternehmen bedeutet, etwas unter den realen Bedingungen des Lebens in Betracht zu ziehen. Der Ausstellungstitel verweist auf einen Kerngedanken von Jonas Burgerts Arbeit. Die Bilderzählungen des Berliner Malers erscheinen zwar fremdartig und rätselhaft, doch ihr emotionaler Subtext vermittelt sich unmittelbar. Burgert versteht es, die Spuren des Malakts auf oft übergroßen Leinwänden zu körperlich erlebbaren Menschendarstellungen von großer Eindringlichkeit zu verdichten. Eigentümliche Charaktere wie Krieger, Bettler, Schamanen oder Harlekins bevölkern seine bühnenartigen Bildräume. Bisweilen haben sich Besucher in Alltagskleidung eingeschlichen, die darum ringen, das Geschehen zu begreifen. Bedeutungsgeladene Attribute wie Zielscheiben, Skelette oder Lorbeerkränze, aber auch disproportionale Größenverhältnisse und grelle Farben rufen den Eindruck mythischer Tiefe und metaphysischer Transzendenz hervor. Die großen Menschheitsfragen nach dem Sinn von Leben, Liebe, Leid und Tod werden berührt, finden jedoch keine Antwort oder Beruhigung.

Letztlich geht die Bilderzählung in einer höchst präzise durchkonstruierten und mit größter handwerklicher Raffinesse ausgestalteten Komposition auf. Seinen fleckigen und triefenden Farbauftrag lässt Burgert immer wieder nahtlos übergehen in die Darstellung von Farbspuren und Farbtöpfen. Damit macht er die Malerei zum Thema der Malerei, und zugleich gelingt ihm die Schaffung einer Symbolwelt von höchster Suggestionskraft. Sein hohes handwerkliches Vermögen, seine Suche nach authentischen Ausdrucksformen und seine Bildfindungsgabe machen Burgert zu einem der eigenständigsten deutschen Maler. Schon heute genießt er internationale Beachtung. Seine Werke sind in bedeutenden Sammlungen, etwa der Sammlung Falckenberg, der SØR Rusche Sammlung, The Rubell Family Collection, der Kunsthalle Hamburg, der Sammlung Olbricht und der Logan Collection vertreten.

Mitten in seinem rasanten Entwicklungsprozess widmet die Kunsthalle Krems in Kooperation mit der Kunsthalle Tübingen dem 41-jährigen Künstler seine erste institutionalle Personale. Rund 30 Bilder von 20 internationalen Leihgebern wurden dafür zusammengetragen. In Vorbereitung auf die Ausstellung in Krems hat Jonas Burgert eines seiner größten Werke, ein vier mal sieben Meter großes Bild, exklusiv für die Schau in der Kunsthalle Krems angefertigt.

Katalog: "Jonas Burgert. Lebendversuch". Köln, Verlag derBuchhandlung Walther König, 2010, hrsg. von Daniel J. Schreiber und Hans-Peter Wipplinger, mit Beiträgen von den Herausgebern und Karin Pernegger sowie einem umfassenden Werkverzeichnis. Preis: EUR 22,80.

Jonas Burgert. Lebendversuch
27. März bis 13. Juni 2011

Kunsthalle Krems
Franz-Zeller-Platz 3
A - 3500 Krems-Stein

T: 0043 (0)2732 9080-10
F: 0043 (0)2732 9080-11
E: office@kunsthalle.at
W: http://www.kunsthalle.at/

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Selten Nachts, 2010. Privatsammlung; © Jonas Burgert, 2011
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Kopf gegen Stille, 2006. Sammlung Annette und Andreas Urban; © Jonas Burgert, 2011
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Gift gegen Zeit, 2009. Privatsammlung, Berlin; © Jonas Burgert, 2011
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Sand brennt Blatt, 2010. Privatsammlung, München; © Jonas Burgert, 2011