Das Frühwerk von Hans Fischli

Der Schweizer Künstler, Architekt und Bauhausschüler Hans Fischli (1909–1989) steht im Zentrum einer thematischen Präsentation im Rahmen der Dauerausstellung „Kosmos Klee” im Zentrum Paul Klee. Ausgehend von einer Serie zarter Papierarbeiten sowie von drei Architekturprojekten aus den bewegten 1930er- und 1940er-Jahren nimmt die Fokus-Ausstellung Fischlis Frühwerk in den Blick. Einige der ausgestellten Zeichnungen sind während einer dreimonatigen Haftstrafe im Bezirksgefängnis Meilen entstanden.

Nach einer Bauzeichnerlehre in Zürich studierte Hans Fischli ab 1928 am Bauhaus in Dessau, wo er den Unterricht von Paul Klee, Josef Albers, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer besuchte. Im Anschluss an seine Ausbildung arbeitete Fischli als Bauzeichner und Architekt in der Schweiz. Daneben widmete er sich als Künstler für einige Jahre beinahe ausschließlich dem Medium der Zeichnung. Im Schatten des Ersten Weltkriegs und des aufkommenden Nationalsozialismus in Deutschland entstand ab Ende der 1920er-Jahre eine umfangreiche Serie zarter Farbstift- und Tuschezeichnungen. Die Fokus-Ausstellung zeigt Zeichnungen aus den Werkgruppen „Zellengebilde”, „Celerina” und „Montana” und wirft Fragen zum historischen und diskursiven Kontext der Schweizer Moderne auf.

„Ich komme erst gar nicht, um mich von euch prüfen zu lassen, ob ihr mich wollt oder ob ihr mich brauchen könnt oder nicht. Das führte zu drei Monaten Isolationshaft, die für mich enorm wichtig waren, weil ich endlich einmal nichts anderes machen konnte als zu zeichnen.” Hans Fischli im Interview, 11. April 1986

Im Sommer 1930 verbüßte Fischli wegen Dienstverweigerung eine dreimonatige Haftstrafe im Bezirksgefängnis Meilen im Kanton Zürich. Während dieser Zeit entstand die nummerierte Werkgruppe „Zellengebilde”, deren Titel auf den Entstehungsort in der Gefängniszelle verweist. In seiner Zelle standen Fischli nur bescheidene Mittel zur Verfügung. Auf kleinem Format schuf er filigrane, organische Formen und Figuren mit Tusche und Bleistift, teilweise auch mit sanfter Aquarell- oder Farbstiftkolorierung. Während einige Gebilde menschliche Züge erkennen lassen, scheinen andere Tiere, Pflanzen oder Fabelwesen darzustellen. Das Träumerische dieser Fantasiebilder unterscheidet sich von der Auffassung einer konstruktiven Moderne, die nach objektiven, rationalen Prinzipien in der Abstraktion strebt.

Über das bildnerische Frühwerk hinaus stellt die Fokus-Ausstellung drei ausgewählte Architekturprojekte Fischlis vor, die die bewegte politische Zeit der 1930er- und 1940er-Jahre widerspiegeln. Dazu gehört auch ein bisher kaum beachtetes Frühwerk: Ab 1936 entwarf er unter zunehmend widrigen Umständen ein Atelierwohnhaus im Schwarzwald (Deutschland) für seinen Freund und ehemaligen Lehrer am Bauhaus, Oskar Schlemmer. Nachdem die Reichsversicherung ihren Baukredit zurückgezogen hatte, wurde das Projekt zu einem Zeugnis des Bauens am Existenzminimum. Die Fokus-Ausstellung zeigt Fischli darüber hinaus als Architekt im Dienste der Gesellschaft. Beispiele hierfür sind seine Tätigkeit als Ausstellungsarchitekt für die Wanderausstellung Kriegsgefangen (1945) des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz oder der Bau des Kinderdorfes für Kriegswaisen La Rasa in Norditalien (1949/50).

Fokus. Hans Fischli (1909–1989)
bis 3. Mai 2026