Die Miniaturen-Ausstellung „Momente der Zeit” im Kunst Museum Winterthur, Reinhart am Stadtgarten, widmet sich dem Vanitas-Gedanken im Porträt und zeigt, wie Kunst flüchtige Augenblicke in bleibende Erinnerung verwandelt.
In einer sich ständig verändernden Welt halten Künstler:innen Momente der Zeit fest und schaffen damit Dauerhaftes. Das Bleibende in der Vergänglichkeit – im Lateinischen „Vanitas” (Vergänglichkeit, Eitelkeit) – findet auch in der Gattung des Porträts seinen Ausdruck. Im Bildnis wird ein einzelner Moment zu etwas Zeitlosem, zu einer Form des kulturellen Gedächtnisses. Das Abbild ist Zeugnis der Inszenierung des Modells ebenso wie der künstlerischen Interpretation und manifestiert die emotionale Nähe zwischen Maler, Modell und Besitzer. Es markiert die Anwesenheit einer Person, die doch abwesend ist. Ein unbewegtes Werk vermittelt etwas Lebendiges und Veränderliches: die bildlich festgehaltene Schönheit, die vergeht. Das sichtbare Äußere verdeutlicht ebenso das unsichtbare Innere.
Die Ausstellung „Momente der Zeit” thematisiert in ausgewählten Miniaturen den Vanitas-Gedanken. Das Paradoxon macht das Porträt dabei zum idealen Medium, um über Zeit und Erinnerung zu reflektieren. Melancholie, Sehnsucht und Todesnähe deuten auf die Zerbrechlichkeit des Lebens hin. Geschmückte Modelle stehen einerseits für Schönheit und Anziehungskraft, andererseits aber auch für Eitelkeit und Endlichkeit. Halten die Modelle Blumen oder Früchte in den Händen, verweisen diese direkt auf ihre eigene Kurzlebigkeit, ihre besondere Symbolik und sogar auf den bildhaft nicht zu vermittelnden Duft. Gleiches gilt für die anschauliche Vorführung von Musikinstrumenten, deren Klänge sich rasch verflüchtigen, sowie für Skulpturen, die nicht lebendig sind. Briefe, Musiknoten und Bücher sind Produkte menschlicher Beziehungen und stehen für die verklungenen Stimmen ihrer Schöpfer, die vergänglich sind.
Einen besonderen Akzent setzt das zweiteilige Werk „Sigrid” (1930/2009) der Künstlerin Karin Sander (* 1957). Es zeigt dieselbe Person als Kind – entnommen aus einem Pathé-Film von 1930 – und als alte Frau, jeweils mit einem Ball spielend. Das Werk verbindet das Readymade der Moderne mit der klassischen Vanitas-Idee im Miniaturporträt.
Momente der Zeit
Miniaturen-Ausstellung
bis 2.8.2026