17. Juli 2007 - 4:08 / Bühne / Musiktheater 

Ein alternder Schriftsteller flieht, verzweifelt auf Inspiration hoffend, nach Venedig und verliebt sich in den Knaben Tadzio: "Tod in Venedig", die letzte Oper des britischen Komponisten Benjamin Britten (1913-1976) wird im Sommer 2007 vom 18. Juli bis 5. August als Oper im Bregenzer Festspielhaus zu erleben sein.

Uraufgeführt am 16. Juni 1973 im Rahmen des Aldeburgh Festivals, orientiert sich der Handlungsablauf von Tod in Venedig an der 1912 erschienenen, gleichnamigen Novelle von Thomas Mann. Mit deren Hauptfigur, dem Schriftsteller Gustav von Aschenbach, der von seinem Wohnort München nach Venedig flieht, sich seiner schwindenden Lebenskraft bewusst und verzweifelt auf Inspiration hoffend, hat sich Benjamin Britten mit großer Wahrscheinlichkeit stark identifiziert.

In seltsamen Tagträumen gefangen verbringt Gustav von Aschenbach die Urlaubstage in Venedig rastlos zwischen Hotel und Strand und verlebt die Stunden mit dem Beobachten der übrigen Gäste. Als er sich in den 12-jährigen polnischen Knaben Tadzio verliebt, beginnt Aschenbach, die Grenzen seiner bisherigen Welt zu überschreiten. Er glaubt, in Tadzio die Möglichkeiten vollkommener Form zu erkennen, um die er als Schriftsteller sein Leben lang gekämpft hat.

Thomas Manns Novelle weist zahlreiche dramatische Motive auf, die sich auch in Benjamin Brittens Leben und Arbeit wieder finden: Die Oper Tod in Venedig erscheint damit auch als ein Versuch Brittens, selbst eine bewusste Zusammenfassung seines Lebenswerks zu schaffen. Darüber hinaus ist Tod in Venedig aber auch ein Tribut an die Stimme und die Fähigkeiten von Brittens langjährigem Partner, dem Tenor Peter Pears, dem das Werk auch gewidmet ist.

Obwohl die Musik von Tod in Venedig eher zurückhaltend und ihre Strukturen eher sparsam sind, wird das Werk dennoch von einer sehr markanten und bewegenden Atmosphäre beherrscht. Die Nicht-Beziehung zwischen Aschenbach und Tadzio unterstreicht Britten, indem er alle Personen rund um Tadzio als Tänzer ohne Gesangspart erscheinen lässt, begleitet von gleissend-farbenfrohen Schlagwerk-Klängen, die die offensichtliche Entrücktheit Tadzios noch verstärken.

Sehr erfreut zeigt sich Intendant David Pountney auch über die Zusammenarbeit mit dem Aldeburgh Festival, das bereits im Sommer 2004 Festspiel-Koproduktionspartner für Sir Harrison Birtwistles "The Io Passion" war. Er sei stolz darauf, dass Tod in Venedig eine Koproduktion mit dem Aldeburgh Festival ist. Schließlich habe Britten dieses Festival selbst gegründet - es sei durchdrungen von seiner Musik, seiner Kultur und seiner Tradition.

Tradition bedeute dabei aber keineswegs Versteinerung, so Pountney weiter. Die Mitwirkung des japanischen Schauspielers und Starregisseurs Yoshi Oida werde der Produktion einen großen Input an künstlerischer Innovation verleihen. Oida sei selbst ein Veteran seines Berufs und werde sich diesem Projekt mit einer ähnlichen autobiographischen Sensibilität nähern. Mit seinem ästhetischen Gespür werde er Brittens bewegende Beschreibung des Endspiels eines Künstlers zum Leben erwecken.

Die musikalische Leitung von Tod in Venedig liegt bei dem aus England stammenden Dirigenten Paul Daniel, das Bühnenbild stammt vom Niederländer Tom Schenk, der bereits mehrere Male mit Oida zusammengearbeitet hat. Die Kostüme entwirft der Brite Richard Hudson, für die Choreographie zeichnet die Deutsche Daniela Kurz verantwortlich.


Tod in Venedig von Benjamin Britten
Premiere: 18. Juli 2007 - 19.30 Uhr

Weitere Aufführungen:
22. und 29. Juli, 11.00 Uhr
4. August, 14.00 Uhr
5. August, 11.00 Uhr

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Yoshi Oida, © Pascal Victor
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Benjamin Britten
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Tod in Venedig, © Bregenzer Festspiele