Dan Flavin: „Untitled (For Ksenija)”

Im Jahr 1994 wurde der Kunstbau der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München eröffnet. Er wurde vom Architekturbüro Uwe Kiessler + Partner entworfen. Mit der unterirdischen Ausstellungshalle, die in ihren Ausmaßen dem darunterliegenden U-Bahnhof entspricht, erhielt das Lenbachhaus eine neue Dimension für die Präsentation von Kunst.

Anlässlich der Eröffnung schuf Dan Flavin (1933–1996) eine seiner letzten „Situationen“. Als „Situationen” bezeichnete Flavin für einen bestimmten Ort geschaffene Arbeiten, bei denen der Fokus auf dem Lichtraum und der Wahrnehmung liegt.

Kein Werk ist so eng mit dem Kunstbau verbunden wie „Untitled (For Ksenija)”. Dieses Spätwerk bekräftigt Flavins fortwährende künstlerische Auseinandersetzung im Spannungsfeld von Lichtkunst und Architektur. Flavin transformiert den Ausstellungsraum, indem er ihn als Erfahrungsraum illuminiert. Elektrisches Licht, Farbe, Raum sowie die Körper und Sinne der Besucher:innen treten dabei in eine untrennbare, diffundierende Wechselwirkung.

Als bedeutender Vertreter der Minimal Art, einer Kunstrichtung, die industriell gefertigte Materialien einbezieht und den persönlichen Ausdruck radikal reduziert, wandte sich Flavin bewusst von den illusionistischen Bildwelten der Malerei, dem gestischen Ausdruck des abstrakten Expressionismus und der figurativen Sprache der Pop-Art ab. Seine Werke beziehen sich stets auf ihre räumliche Umgebung, wodurch die Wahrnehmung der Betrachter:innen und ihr Verhältnis zum Raum integrale Bestandteile der Arbeit werden.

Nach Anfängen in der Malerei arbeitete Dan Flavin ab Mitte der 1960er Jahre ausschließlich mit normierten, handelsüblichen Leuchtstofflampen, die er in variierenden Arrangements als künstlerisches Material einsetzte. Seine minimalistischen Bleistiftzeichnungen dienten fortan als präzise konzeptuelle Grundlagen für diese Installationen.

Am 8. März 1994 erreichte das Lenbachhaus ein Fax aus dem Dan Flavin Studio in New York, das eine solche zeichnerische Minimalstudie enthält. Sie hält sowohl das Konzept als auch die spezifischen Vorgaben für die Installation der Leuchtstofflampen an der Beleuchtungsschiene des Kunstbaus fest und dokumentiert somit die künstlerische Konzeption des Werks. Flavin entwickelte diese Zeichnungen zu operablen Strukturen, die sich für jede Ausstellung als neues, eigenständiges Modell realisieren ließen.

Entlang der vier architektonisch definierten Beleuchtungsschienen des Kunstbaus sind farbige Leuchtstofflampen installiert. Ihre physische Präsenz tritt zugunsten eines Erfahrungsraums zurück, der vollständig durch das Licht bestimmt wird. Dieses bringt nicht nur die Architektur zum Leuchten, sondern beeinflusst auch die Selbstwahrnehmung der Besucher:innen tief: Bewegung, Lichtanpassung und Farbwahrnehmung werden zu Elementen einer ästhetischen Erfahrung, die zur Reflexion über Raum, Körper und Wahrnehmung anregt.

Heiner und Philippa Friedrich schenkten dem Lenbachhaus „Untitled (For Ksenija)” zum Andenken an ihre Eltern Erika und Harald Friedrich sowie Dominique und John de Menil. Die Installation ist fest in der Sammlung verankert und wird im Sinne der Stifter:innen nun zum zehnten Mal gezeigt.

Dan Flavin
Untitled (For Ksenija)
15. August bis 30. November 2025
Kuratiert von Johannes Michael Stanislaus