Das Bundesamt für Kultur in der Schweiz würdigt das Werk der Schriftstellerin Corinne Desarzens mit der höchsten Auszeichnung für Literatur in der Schweiz. Der Spezialpreis Übersetzung geht in diesem Jahr an Christian Viredaz. Sieben Werke, die im vergangenen Literaturjahr erschienen sind, werden mit einem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet.
Der Schweizer Grand Prix Literatur geht an die französisch-schweizerische Schriftstellerin und Journalistin Corinne Desarzens (* 1952 in Sète, Frankreich; lebt in Onnens, VD). Sie hat Russisch studiert und ist fasziniert von Sprachen. Sie schreibt Romane, Kurzgeschichten und Reiseberichte, darunter „Un roi” (Grasset, 2011) und „L’Italie, c’est toujours bien” (La Baconnière, 2018). 2021 wurde sie für „La lune bouge lentement, mais elle traverse la ville” (La Baconnière, 2020) mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet. Für „Un Noël avec Winston” (La Baconnière, 2022) erhielt sie den Prix Michel-Dentan. In ihrem neuesten Buch „Le petit cheval tatar” (La Baconnière, 2025) spürt sie dem symbolträchtigsten unserer Sinne, dem Sehsinn, nach. Dabei untersucht sie anhand von Wissenschaft, Kunst und Geschichte die unerschöpflichen Spielereien und Kunstgriffe des Blicks.
Seit dreißig Jahren erfindet Corinne Desarzens die Autobiografie neu, indem sie ausschweifend erzählt und dabei auf zahlreiche Anekdoten, unnützes Wissen und Zitate zurückgreift. Das Ich verschwindet, damit die Welt in Fragmenten aufleuchten kann. Die kurz- und altersweitsichtige Schriftstellerin hat das Verschwommene zu ihrem Stilmittel gemacht, um das Wesentliche zu erkennen. Für die Originalität ihres Blicks, ihre umfassende Neugier, das Funkeln ihres Stils und das unerwartete Glück, das sie uns beim Lesen immer wieder schenkt, wird Corinne Desarzens mit dem Schweizer Grand Prix Literatur ausgezeichnet.
Der Spezialpreis Übersetzung 2026 geht an Christian Viredaz
Christian Viredaz (geboren 1955 in Oron-le-Châtel, lebt in Les Rasses, VD) hat Sprachen und Literatur in Cambridge, Perugia und Lausanne studiert. Als Journalist, Literaturkritiker, Dichter und Übersetzer hat er dem französischsprachigen Publikum zahlreiche Tessiner und italienische Autorinnen und Autoren wie Giorgio und Giovanni Orelli, Remo Fasani, Plinio Martini, Alberto Nessi, Piero Bianconi, Fabio Pusterla und Dubravko Pušek nähergebracht. Seine Vorliebe für die italienische Sprache hindert ihn nicht daran, auch deutschsprachige Autor:innen wie Francesco Micieli oder Franz Hohler zu übersetzen.
Er ist auch mit der neuen Generation eng verbunden und widmet sich den Werken von Dichterinnen und Dichtern wie Pietro Montorfani, Lia Galli oder Mercure Martini, dessen Texte der Slam-Poetry nahestehen. Er begleitet Übersetzer:innen bei ihren ersten Arbeiten und ist in der Schweizer Übersetzungslandschaft sehr präsent, sei es an Fachtagungen oder Literaturveranstaltungen, wo er den Austausch und die Weitergabe pflegt.
Schweizer Literaturpreise
Neben dem Schweizer Grand Prix Literatur und dem Spezialpreis Übersetzung hat die Eidgenössische Jury für Literatur die folgenden, 2025 erschienenen Werke mit einem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet:
- Martina Clavadetscher (* 1979 in Zug, lebt in Brunnen), Die Schrecken der anderen, C. H. Beck.
- Begoña Feijoo Fariña (* 1977 in Spanien, lebt in Poschiavo), Come onde di passaggio, Gabriele Capelli Editore.
– Asa Hendry (* 1999 in Val Lumnezia, lebt in Gießen und in Graubünden), Archiv, Chasa Editura Rumantscha
- Jonas Lüscher (* 1976 in Schlieren, lebt in München), Verzauberte Vorbestimmung, Carl Hanser Verlag
- Sandro Marcacci (* 1963 in Neuenburg, lebt in Chézard-Saint-Martin), Me taire, Éditions d’en bas
- Nora Osagiobare (* 1992 in Zürich, lebt in Zürich), Daily Soap, Kein & Aber
– Antoine Rubin (* 1990 in Saint-Imier, lebt in Biel), Calcaires, Éditions La Veilleuse
Das Bundesamt für Kultur vergibt jedes Jahr die Schweizer Literaturpreise. Der Schweizer Grand Prix Literatur zeichnet das Gesamtwerk einer Autorin oder eines Autors aus. Der Spezialpreis Übersetzung wird im Wechsel mit dem Spezialpreis Vermittlung alle zwei Jahre vergeben. Zusätzlich zu diesen mit je 40.000 Franken dotierten Auszeichnungen werden jährlich Preise für im vergangenen Jahr erschienene Einzelwerke ausgeschrieben, die mit 25.000 Franken dotiert sind.