Die Gruppenausstellung „Containers Love Disorder” vereint sieben in der Schweiz aktive Kunstschaffende und Kollektive, die sich mit Strategien des Einordnens und Verortens auseinandersetzen. Gezeigt werden Arbeiten von Michèle Graf & Selina Grüter, Dominic Michel, Mathis Pfäffli, Matthias Sohr, Kelly Tissot, Paulo Wirz sowie das kollaborative Projekt „La Bibliothèque des ReadyMades”, das 2023 von Anaïs Wenger initiiert wurde.
Wie der Titel nahelegt, basiert die Idee der Ausstellung auf dem Container als Sinnbild und Modell für gesellschaftliche Organisation. Konkret funktionieren die normierten Metallgehäuse als Grundvoraussetzung für eine effizienzgesteigerte, globale Warenzirkulation. Bildlich gesprochen schaffen Container Räume, weisen Dingen ihren Platz zu und wirken als Moderatoren für Relationen und Handlungen. In diesem Sinne kann auch eine Institution, beispielsweise eine Kunsthalle, als Container verstanden werden. für Kunst, für Netzwerke, für Diskurs. Der Versuch, im Feld der Kunst Einordnungen vorzunehmen, geht stets mit Fragen nach Autorität, Situierung und Dynamiken des Ein- und Ausschlusses einher. Die eingeladenen Künstler:innen reflektieren die Produktions- und Zugangsbedingungen von Kunst und reagieren in Form von Skulpturen oder installativen Eingriffen auf die räumlichen und kontextuellen Gegebenheiten der Kunsthalle.
Anhand unterschiedlicher Schwerpunkte und Ansätze untersuchen die ausgestellten Arbeiten das Verhältnis zwischen Menschen und Infrastrukturen. Dabei zeichnen sie die Einflüsse ökonomischer Kreisläufe auf unser Denken und Handeln nach, schärfen den Blick für technisierte Umgebungen oder widmen sich Geschichten und Ritualen, die sich in Alltagsgegenstände einschreiben. Sammelnd, aufzeichnend, recycelnd und aneignend treten diese Künstler:innen einer Welt des Überflusses gegenüber und wenden sich entschieden deren Restposten, Aussonderungen und Nebenschauplätzen zu.
„Containers Love Disorder” geht von der Prämisse aus, dass jeder Ordnung, jedem System eine entropische Kraft innewohnt. „Unordnung” deutet hierbei nicht einfach nur auf eine energetische Verausgabung oder Auflösung hin, sondern umfasst auch Potenziale des Widerstands, des Aufbruchs und der Neuanordnung. Die scheinbare Gegensätzlichkeit von Ordnung und Unordnung kann sich sogar als leidenschaftliche Beziehung entpuppen, als Sehnsucht nach Chaos und Andersheit. Das Einordnen kann dabei auch als Einladung verstanden werden, Muster zu erkennen, Grenzen zu verschieben und die Leerstellen zwischen den Dingen zu erforschen. „Containers Love Disorder” möchte sich solchen Überlegungen künstlerisch zuwenden und (un-)geordneten Verhältnissen einen ästhetischen Kommentar widmen.
„Containers Love Disorder”
7.3.–31.5.2026