„Connection Machine“ – visionäre KI aus den 1980er-Jahren

Wie wurde KI gedacht, bevor es das Internet gab? Und was können wir von diesen Konzepten heute lernen? Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Parallelrechners „Connection Machine“ (CM) würdigt das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe dessen Beitrag zur heutigen KI- und Supercomputing-Landschaft. Ein Exemplar des Modells CM-2 ist im Foyer des ZKM ausgestellt.

Die Connection Machine gilt als technologische Pionierleistung, die ihrer Zeit um 20 bis 30 Jahre voraus war. Sie wurde von der Frage inspiriert, wie Intelligenz im menschlichen Gehirn durch die komplex vernetzte, parallele Verarbeitung von Informationen entsteht.

„Rückblickend betrachtet hätten wir niemals damit begonnen, wenn wir gewusst hätten, wie kompliziert das Projekt werden würde“, so beschreibt der US-amerikanische Computeringenieur W. Daniel „Danny“ Hillis die Entstehung der Connection Machine. Mit seiner Firma Thinking Machines Corporation (TMC) entwickelte er zwischen 1983 und 1994 gemeinsam mit einem interdisziplinären Team drei Versionen der CM. Das erste Modell, die CM-1, war mit 65.000 Prozessoren der erste kommerzielle Supercomputer mit massiv paralleler Architektur und wurde vor genau 40 Jahren auf den Markt gebracht.

Die Connection Machine ist nicht nur ein technologischer Durchbruch, sondern auch ein einzigartiges Designobjekt. Unter der Leitung von Tamiko Thiel bei Thinking Machines wurde ihr abstraktes, unsichtbares Innenleben in eine symbolische Form übersetzt. Zusammen mit dem Nobelpreisträger und Physiker Richard Feynman entstand das ikonische „Cube-of-Cubes“-Motiv. Die mattschwarze Hülle mit über 4.000 roten LEDs machte die parallelen Prozesse der Connection Machine sichtbar und erzeugte so das Bild eines lebendigen elektronischen Gehirns.

Im Foyer des ZKM ist ein originales Exemplar des Modells CM-2 aus der Sammlung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zu sehen, wo es auch rekonstruiert wurde. Anders als bei der Originalversion hat das Publikum vor Ort die Möglichkeit, die LEDs der Connection Machine selbst zu verändern und so mit ihr zu interagieren.

Das visuelle Design der Maschine ist dabei ebenso bemerkenswert wie ihre technische Leistung. Prof. Dr. Michael Beigl, Professor für Pervasive Computing Systems/TecO am KIT, beschreibt sie wie folgt: „Die CM-2 hat eindrucksvoll gezeigt, wie gestalterisches Design die inneren Abläufe eines Computers sichtbar und verständlich machen kann. Ihre ikonische, oft als ‚elektronisches Gehirn‘ bezeichnete Architektur übersetzte abstrakte Konzepte wie massive Parallelität in eine räumlich erfahrbare Form und prägte damit sowohl das wissenschaftliche Denken als auch die öffentliche Wahrnehmung von Rechenprozessen. Heutige KI-Systeme, insbesondere große Sprachmodelle, verfügen bislang über keine vergleichbar anschaulichen Darstellungen ihrer inneren Funktionsweisen. Die CM-2 dient daher bis heute als Referenz dafür, wie Visualisierung zwischen technischer Komplexität und breiter Verständlichkeit vermitteln kann.“

Installation
Connection Machine CM-2
Der Traum von einem elektronischen Gehirn
bis 2. August 2026