Comics haben sich längst als eigenständige künstlerische Sprache etabliert – weit über ihren Ursprung als Unterhaltungsmedium hinaus. In ihrer Sommerausstellung zeigt die Galerie Gugging, wie eng die Verbindung zwischen Comics und Art Brut ist: unmittelbar, individuell und von großer formaler Kraft. „Comics Brut” versammelt Arbeiten von Basel Al-Bazzaz, Manuel Griebler, Hannes Lehner und dem zentralafrikanischen Künstler Didier Kassaï.
In einer Zeit, in der Comics zunehmend in die zeitgenössische Kunst Einzug halten, widmet sich die Galerie Gugging dem Dialog zwischen Comic und Art Brut. Was auf den ersten Blick als unterschiedliche Bildwelten erscheint, erweist sich bei näherem Hinsehen als überraschend verwandt – in seiner unmittelbaren Ausdruckskraft, der seriellen Erzählweise und seiner eigenständigen formalen Sprache.
In der Ausstellung werden zwei Kunstformen gezeigt, die ursprünglich beide als Gegenbewegung zur etablierten Kunst entstanden sind. Allen vier ausgestellten Künstlern ist ihr autodidaktischer Zugang sowie das Arbeiten in Serien gemeinsam, in denen sich Motive wiederholen, verdichten und weiterentwickeln. Häufig steht eine zentrale Figur im Mittelpunkt, die – ähnlich wie im Comic – als Träger von Narration und Bedeutung fungiert. Gleichzeitig zeigen die Arbeiten, wie unterschiedlich sich diese Prinzipien ausformulieren können: zwischen Verdichtung und Reduktion, zwischen Erinnerung und Erfindung, zwischen persönlicher Bildwelt und popkultureller Referenz.
Die Ausstellung versammelt Arbeiten von Didier Kassaï, Basel Al-Bazzaz, Manuel Griebler und Hannes Lehner – allesamt Künstler, deren Zugänge unterschiedlicher kaum sein könnten und die dennoch in ihrer Bildsprache überraschende Gemeinsamkeiten aufweisen.
Zu sehen sind die detailreichen Zeichnungen des Gugginger Künstlers Manuel Griebler, der seit 2016 im Haus der Künstler lebt und arbeitet. In seinen Arbeiten tauchen Figuren aus bekannten Serien wie „The Simpsons” oder „Futurama” in einem dichten, nahezu obsessiven „Meer aus Köpfen” auf. Popkulturelle Referenzen werden hier nicht einfach übernommen, sondern in Grieblers eigenständige, unverkennbare und komplexe Bildwelt überführt, die sich zwischen Erinnerung, Aneignung und Transformation bewegt.
Hannes Lehner nähert sich der Popkultur aus einer anderen Perspektive. Seine von Star Trek inspirierten Arbeiten entstehen frei aus der Erinnerung heraus – ohne Vorlage, ohne direkte Referenz. Die bekannten Bildwelten werden dabei neu gedacht, fragmentiert und in seine ganz persönliche visuelle Sprache übersetzt.
Mit Didier Kassaï und Basel Al-Bazzaz treten zwei künstlerische Positionen in Dialog, die trotz unterschiedlicher kultureller Kontexte eine erstaunliche Nähe entwickeln. Kassaï, 1974 in Sibut in der Zentralafrikanischen Republik geboren, lebt und arbeitet in Bangui. Seine Arbeiten, die gesellschaftliche Wirklichkeiten reflektieren, haben ihn weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht. Im Rahmen dieser Ausstellung ist er erstmals in Österreich zu sehen.
Al-Bazzaz wurde 1973 in Bagdad geboren und lebt seit 1990 in Österreich. Beide Künstler arbeiten mit bekleideten Tierfiguren, die menschliche Eigenschaften annehmen und als Träger von Geschichte, gesellschaftlichen Strukturen und kollektiver Identität fungieren. Während Kassa diese Bildsprache nutzt, um soziale Realitäten in Zentralafrika sichtbar zu machen, entwickelt Al-Bazzaz eine eigene, formal reduzierte und zugleich elegante Interpretation dieses Motivs. In der Gegenüberstellung wird deutlich, wie ähnlich visuelle Strukturen entstehen können – über Kontinente hinweg und jenseits kultureller Grenzen. So entsteht ein spannungsreiches Zusammenspiel unterschiedlicher künstlerischer Positionen, das diese besondere Nähe auf eindrucksvolle Weise erfahrbar macht.
Comics brut
bis 13. September 2026