Collection de l’Art Brut in Lausanne feiert 50-jähriges Bestehen

Der Begriff „Art Brut” entstand Mitte des 20. Jahrhunderts, als der Maler Jean Dubuffet (1901–1985) neben seiner eigenen künstlerischen Tätigkeit begann, Werke von Autodidakten zu sammeln, die am Rande des offiziellen Kunstbetriebs in der Schweiz entstanden waren.

Während seiner Reise in die Schweiz im Jahr 1945, bei der er insbesondere Sammlungen in Anstalten und ethnografischen Museen, psychiatrischen Kliniken und Gefängnissen besuchte, drängte sich ihm der Begriff „Art Brut” auf. „Art Brut” bezeichnete er als „Werke, die ohne jeglichen Einfluss traditioneller Künste entstanden sind und gleichzeitig die tiefsten Schichten des menschlichen Wesens ansprechen”.

Im Laufe seiner Überlegungen und angesichts seiner fruchtbaren Entdeckungen in der Schweiz, dann in Frankreich und vor allem in anderen europäischen Ländern legte Dubuffet, der erste Sammler und Exeget der Art Brut, deren Grundprinzipien fest.

1971 vermachte er seine Sammlung der Stadt Lausanne, woraufhin im Februar 1976 die Collection de l'Art Brut gegründet wurde.
Seitdem wurde diese städtische Museumseinrichtung durch zahlreiche Ankäufe und Schenkungen bereichert und umfasst heute eine große Vielfalt an Werken, darunter Zeichnungen und Gemälde, Skulpturen und Assemblagen, Fotografien und Textilkunstwerke.
Die international renommierte Museumseinrichtung ist bekannt für den Reichtum und die Vielfalt ihrer Sammlungen sowie für ihren einzigartigen historischen Wert. Es ist auch das weltweit erste öffentliche Museum, das sich ausschließlich der Erforschung, Konservierung und Präsentation von Werken der Art Brut widmet.

Der erste Teil der Jubiläumsausstellung präsentiert bis zum 27. September eine breite Palette vielfältiger Werke, darunter Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen, Stickereien, Schriften und Assemblagen, die ausschließlich aus den Sammlungen des Museums in Lausanne stammen. Einige Werke stammen aus dem historischen Kernbestand, den wir dem französischen Künstler Jean Dubuffet verdanken. Andere Werke sind zeitgenössisch und wurden zwischen 1976, dem Jahr der Eröffnung, und 2026 in die Sammlung aufgenommen.
Allerdings stammen sie alle von Schweizer Art-Brut-Künstlerinnen und -Künstlern oder von solchen, die in der Schweiz tätig waren.

Mit der Schweiz als Leitmotiv sollen diese Ausstellung und die dazugehörige Publikation, die unter anderem ein unveröffentlichtes Typoskript von Dubuffet über seine Reise im Jahr 1945 enthält, an die engen und dauerhaften Verbindungen zwischen dem Künstler und der Schweiz erinnern. Diese Verbindungen waren mit ein Grund dafür, dass Dubuffet seine Sammlung von Art Brut der Stadt Lausanne schenkte, um deren Fortbestand und öffentliche Präsentation zu gewährleisten.

Die zweite Ausstellung vom 27. November 2026 bis zum 25. April 2027 im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums ist dem deutschschweizerischen Art-Brut-Künstler Armand Schulthess (1901–1972) gewidmet.
Der ehemalige Angestellte der Schweizerischen Eidgenossenschaft in Bern schuf im Tessin ein weitläufiges Umfeld, das heute vollständig verschwunden ist.
Es bestand aus einer Vielzahl von Objekten und Installationen aus wiederverwerteten Metallteilen und -platten, die mit Inschriften versehen waren und enzyklopädisches Wissen, insbesondere aus den Bereichen Wissenschaft und Philosophie, zusammenfassten.
Dieses Umfeld wird anhand von über 300 Exponaten dargestellt, die vor ihrer Zerstörung im Jahr 2024 gerettet und anschließend vom Museum erworben wurden, wodurch sich der bereits bestehende Bestand erheblich vergrößerte.
Die Exponate stehen im Dialog mit großformatigen Fotografien von Hans-Ulrich Schlumpf. Dieser dokumentierte und verewigte das monumentale Werk, bevor es zerstört wurde.

Jubiläumsausstellung Art Brut in der Schweiz

Erster Teil: Von den Anfängen der Sammlung bis heute (bis 27. September 2026)

Zweiter Teil: Das Universum von Armand Schulthess, 27. November 2026 – 25. April 2027