Clemens Tremmel - "Ungestüm"

Der Künstler selbst hat seiner Ausstellung im Konstanzer Kunstverein den Titel "Ungestüm" gegeben. Eindringlich und impulsiv erarbeitet er seine Landschaftsmalerei in Öl mit altmeisterlich anmutender Technik. Ein sinnliches Begreifen von Natur und Landschaft steht für ihn am Anfang. Ähnlich wie die Landschaftsmaler der Romantik treibt es ihn nach draußen unter den freien Himmel. Immer wieder ist er auf langen Wanderungen und ausgedehnten Reisen zu Orten unterwegs, die ihn anziehen. Nicht selten sind es wilde, unzugängliche Gegenden, deren Präsenz ihn tief berührt.

Doch so ungestüm-stürmisch dieser künstlerische Zugang erscheinen mag, Clemens Tremmel unterlegt seinen Ausstellungstitel noch in ganz anderer Weise. Seine Landschaften, die er auf teils großformatige Aluminiumtafeln setzt, verharren nicht in naturnahen Schönheiten. Vielmehr werden sie heftigen, schnell vollzogenen Eingriffen unterzogen: Kratzspuren und wilde Lineaturen legen den metallenen Bildgrund frei, reflektieren das Licht und spiegeln den Bildraum – und zeigen und machen die Ferne, Schroffheit, aber auch Verletzlichkeit der dargestellten Landschaft eindrücklich sichtbar und fühlbar.

So sehr Tremmel die Kunstauffassungen der deutschen Romantik teilt – deren leidenschaftliche Verbundenheit mit der Natur, der wilden, unberührten Landschaft, deren zu Dramatik steigerbare Schönheit und Erhabenheit – so sehr erscheint er auch als ein Maler, der die Begrenztheiten und Brüche des gegenwärtigen Naturerlebens in seiner künstlerischen Verarbeitung nicht ignoriert, sondern kompromisslos und ungestüm äußert: „Ein Bild ohne Fehler interessiert mich nicht! Es muss erkämpft worden sein! Man muss den Prozess sehen, die Atmosphäre riechen und das Material schmecken können!”

Clemens Tremmel (* 1988) wurde 2013 mit dem Caspar-David-Friedrich-Preis ausgezeichnet. Er lebt und arbeitet in Leipzig.

Ungestüm
Clemens Tremmel
Bis 28. September 2025