Claudia Hart – Muster und Politik

„Patterns & Politics“ ist die erste museale Retrospektive der US-amerikanischen Medienkünstlerin Claudia Hart.

Seit den frühen 1990er-Jahren konstruiert sie komplexe Szenarien in virtuellen 3-D-Räumen, in denen mathematische Strukturen, naturwissenschaftliche Modelle und die visuelle Rhetorik der Konsumgesellschaft abstrahiert und miteinander verschmolzen werden. So entstehen dichte, mythologisch aufgeladene Welten, in denen virtuelle Körper, Ornament und algorithmische Prozesse untrennbar ineinandergreifen. Ein simuliertes Auge – die virtuelle Kamera – nimmt diese Welten auf. Die resultierenden Rendersequenzen bilden die Grundlage für Harts Filme, Installationen, Pigmentdrucke, Rapid-Prototype-Skulpturen, Quilts, Augmented-Reality-Tapeten und Gemälde. So entsteht ein Bildkosmos, in dem wissenschaftliche Denkformen, historische Narrative und Fragen nach Wahrnehmung, Körper, Identität, Aufmerksamkeit und Macht ineinandergreifen.

Immer wieder richtet Hart den Blick auf gesellschaftlich Verdrängtes, beispielsweise wenn sie vergessene Künstlerinnen des frühen 20. Jahrhunderts in den sogenannten „Ghost Paintings“ ehrt. Dafür rekonstruiert sie deren Gemälde vollständig in 3D und trägt sie als UV-Pigmentdruck auf Holzplatten auf. Diese durchlaufen anschließend einen mehrschichtigen Prozess aus abwechselndem Übermalen und Sandstrahlen – technologische Werkzeuge werden so zu malerischen Mitteln. Zugleich überführt sie klassische Stillleben alter Meister in virtuelle Szenen, rekonstruiert sie in 3D und lässt sie in vorgerenderten Sequenzen schichtweise zerfallen, bis aus dem repräsentativen Arrangement eine digitale Ruine wird. Diese Bildstrategie macht die brüchigen Hierarchien des Kunstkanons ebenso sichtbar wie dessen Leerstellen und Mechanismen des Vergessens.

In ihrem Werk tritt Claudia Hart bewusst mit zeitgenössischen Künstlerinnen und Aktivistinnen in den Dialog. Indem sie deren Beiträge als Datenströme in ihre Simulationen integriert, macht sie deutlich, wie stark die visuelle Kultur nach wie vor von Ausgrenzung geprägt ist. Zu sehen sind großformatige, immersive Projektionen sowie skulpturale und malerische Arbeiten. Die AR-Tapeten lassen sich mit dem eigenen Smartphone scannen, um zusätzliche Bildebenen zu aktivieren.

„Patterns & Politics” verdichtet Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunftsszenarien zu einem vielschichtigen Bildraum und lädt Besucher:innen ein, den virtuellen Raum als Skulptur zu erfassen und ornamentale Strukturen als politische Textur neu zu lesen.

Claudia Hart
Patterns & Politics
Bis zum 8. Februar 2026