6. März 2014 - 4:30 / Walter Gasperi / DVD Tipp
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Eine Frau zwischen Gier nach Leben und der Sicherheit einer Ehe. – Fritz Langs 1952 gedrehte Verfilmung von Clifford Odets Theaterstück ist ein klassisches Melodram mit Barbara Stanwyck in einer Paraderolle. Bei Schroeder Media ist "Clash By Night – Vor dem neuen Tag" auf DVD erschienen.

Der Beginn ist dokumentarisch, zeigt die Einfahrt von Fischerbooten in den Hafen und die Verarbeitung der Fische vom Netz bis zur fertigen Konserve. – Wenn man will, kann man darin eine Metapher für den Weg des Menschen sehen von der Freiheit zur Normierung und gesellschaftlichen Einengung. - Denn um diese Themen kreist dieses Melodram.

Nach zehn Jahren kehrt Mae Doyle (Barbara Stanwyck) in ihre Heimatstadt zurück. Sie hat das kalifornische Monterey, wohin Fritz Lang die Handlung des 1941 erschienenen Stücks von Staten Island verlegte, verlassen, um ein erfülltes Leben und damit ihr Glück zu finden und nicht in der Kleinstadt zu verkümmern. Wie Lars von Triers Joe in "Nymph()maniac" hat sie sich eben auch mehr als alle anderen vom Sonnenuntergang erwartet.

In diesem Freiheitsstreben ist diese Mae eine typische Frau des amerikanischen Melodrams der 1950er Jahre. Ein Jahr nach "Clash By Night" wird Stanwyck in Douglas Sirks "All I Desire" eine ähnliche Rolle spielen.

Doch Maes Träume zerplatzten. Zynisch und verbittert erklärt sie ihre Rückkehr mit dem Satz: "Home is where you come to, when you run out of places." Bald umwirbt der gutmütige, aber auch langweilige Fischer Jerry (Paul Douglas) Mae. Diese liebt ihn zwar nicht, heiratet ihn dennoch, bietet er ihr doch Sicherheit.

Mit einem Schnitt springt Lang von der Hochzeit zur Geburt eines Kindes. Nicht leidenschaftlich, aber doch solide schein die Ehe, bis durch den Kinovorführer Earl (Robert Ryan), den Mae über Jerry kennenlernt, ihre Sehnsucht nach mehr Leben und dem Ausbruch aus der bürgerlichen Enge wieder geweckt wird. Und so steht sie zwischen Entscheidung für Selbstverwirklichung oder der Übernahme der Verantwortung für Mann und Kind.

Wie bedrohlich diese selbstständige Frau auf andere Männer wirkt, zeigt Lang an Maes Bruder Joe (Keith Andes). Er fürchtet eine Vorbildwirkung seiner Schwester und hat Angst, dass seine Freundin Peggy (Marylin Monroe) ihn früher oder später sitzen lassen könnte. Überall sichtbar werden dabei auch patriarchale Verhältnisse, die durch das neu gewonnene Selbstbewusstsein der Frauen, das aus ihrem Arbeitseinsatz an der Heimatfront während des Zweiten Weltkriegs zu erklären ist, erschüttert werden.

Flüssig und rund inszenierte Lang dieses Melodram, kann auf sein starkes Ensemble vertrauen. Trotz Dialoglastigkeit lässt der gebürtige Wiener im ersten Teil durch zahlreiche Schauplatzwechsel vergessen, dass es sich hier um die Adaption eines Theaterstücks handelt. Statischer wird es allerdings in der zweiten Hälfte, die großteils in Jerrys und Maes Haus spielt.

An Sprachversionen verfügt die bei Schroeder Media erschienene DVD über die englische Originalfassung und die deutsche Synchronfassung, aber über keine Untertitel. Die Extras beschränken sich auf den Trailer zum Film sowie einen Audiokommentar von US-Regisseur Peter Bogdanovich. Dieser hat zwar keine deutschen Untertitel, ist aber in sehr klarem Englisch gehalten, vor allem aber sehr profund und mit Ausschnitten aus einem Interview Bogdanovichs mit Fritz Lang garniert.

Trailer zu "Clash by Night"



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