Christoph Hefti – surreale, farbenprächtige Bilderwelten

Das Museum für Gestaltung Zürich widmet dem Schweizer Textilgestalter Christoph Hefti erstmals eine umfassende Einzelausstellung und lädt ein in einen Kosmos zwischen Design, Kunst und Handwerk.

Christoph Hefti (* 1967) zählt zu den herausragenden Schweizer Textildesignern der Gegenwart. In seiner unverkennbaren Gestaltungssprache verbinden sich ungewöhnliche Erzählstrukturen mit handwerklicher Präzision. Geheimnisvolle Motive, markante Formen, intensive Farben und unterschiedliche Materialien verdichten sich zu eigenständigen Kompositionen.

Nach vielen Jahren in der internationalen Modebranche – unter anderem für Häuser wie Dries Van Noten, Balenciaga, Lanvin oder Acne Studios – entwickelte Hefti eine eigenständige Praxis, in deren Zentrum der Teppich steht. Dieses Medium erlaubt es ihm, Material, Funktion, Form und Bild vollständig selbst zu bestimmen und als eigenständiges Werk zu denken.

Die Ausstellung zeigt das multidisziplinäre Œuvre von Christoph Hefti – von handgeknüpften Teppichen und Textilprints über Keramik und Möbel bis hin zu Kostümen und performativen Arbeiten. Materialien, Techniken und Ausdrucksformen greifen ineinander und zeigen die große Bandbreite seiner gestalterischen Praxis.

In seinen Teppichen begegnen sich Tierwesen, Masken, Augen und mysteriös-traumartige Landschaften. Geschichten bilden dabei den Ausgangspunkt seiner Arbeiten, entwickeln sich im Prozess kontinuierlich weiter und der Interpretationsspielraum bleibt bewusst offen. „Ich beginne mit einer Geschichte. Teppiche, Garne und Materialien ergänzen sie und geben ihr Form. Diese Geschichte ist zentral für meinen Entwurfsprozess – sie zu erzählen, ist der Motor meines Designs“, so der Textildesigner.

Hefti arbeitet intuitiv und prozessorientiert. Seine Entwürfe entstehen aus freien Zeichnungen und visuellen Notizen, ohne dass er zuvor eine Bildrecherche durchführt. Im Dialog zwischen Vorstellung, Material und Technik entwickeln sich diese Ideen zu vielschichtigen Kompositionen. Materialien wie Seide, Wolle oder lange Garnstrukturen verstärken die Wirkung der Szenen und verleihen den Teppichen eine besondere räumliche Präsenz.

Die Teppiche entstehen in enger Zusammenarbeit mit Produzent:innen in Nepal. Sie werden in traditioneller Handarbeit mit dem tibetischen Knoten gefertigt. Dabei arbeiten mehrere Knüpfer:innen gleichzeitig an vertikalen Webstühlen. Ein Teppich wächst dabei rund zehn Zentimeter pro Tag und Person. Christoph Hefti arbeitet seit 2015 mit dem Schweizer Fair-Trade-Label STEP zusammen. STEP setzt sich für faire Arbeitsbedingungen und nachhaltige Produktionsprozesse in der Textil- und Teppichherstellung ein.

Die Ausstellung macht den Entstehungsprozess sichtbar. Skizzen, Musterkarten und ein eigens für die Ausstellung produzierter Film veranschaulichen die Entwicklung der Teppiche von der Idee bis zur Produktion in Nepal. Eine Audiostation ergänzt die Präsentation mit Erzählungen des Gestalters zu einzelnen Werken.

Die Szenografie schafft einen räumlichen Parcours, der Heftis Arbeitsweise und seine gestalterischen Ideen aufgreift. Die Besucher:innen bewegen sich durch vielschichtige Bild- und Raumzustände, in denen sich Objekt, Motiv und Erzählung überlagern.

Christoph Hefti – The Missing Cat und andere textile Storys
10. Juli 2026–3. Januar 2027
Kuratorin: Nora Wüthrich, Museum für Gestaltung Zürich