12. Juni 2007 - 9:15 / Walter Gasperi / Filmriss
logo filmriss

Ein alternder Chansonnier verliebt sich in eine junge Immobilienmaklerin. – Kein Film der großen Momente, sondern der kleinen Gesten und Details, teilweise so sentimental wie die Schlager, die der großartige Gérard Depardieu singt.

Seine beste Zeit hat der Sänger Alain Moreau (Gérard Depardieu) wohl schon hinter sich. Den großen Durchbruch hat er nie geschafft. Jetzt spielt der Mittfünfziger mit seinem Orchester bei Tanzveranstaltungen für allein stehende ältere Damen. Aber Alain liebt seine sentimentalen Chansons und auch sein Publikum. Er ist kein abgebrühter Profi, freut sich über jedes Autogramm, um das er gebeten wird, und begegnet seinen älteren weiblichen Fans mit Wärme.

Nicht ins Publikum so einer Veranstaltung passt die rund 30 Jahre jüngere Marion (Cécile de France) und hinreißend inszeniert Xavier Giannoli den Blickkontakt zwischen Alain und Marion, in dem das Aufflackern einer Liebe auf den ersten Blick sofort spürbar ist. Alain macht sich an Marion heran, sie weist ihn ab, verbringt dann doch die Nacht mit ihm, verschwindet am Morgen aber heimlich. Offensichtlich war es ihr peinlich, doch Alain lässt nicht locker und nähert sich unter dem Vorwand er suche ein Haus wieder der jungen Immobilienmaklerin.

Liebevoll blickt Xavier Giannoli auf das Milieu, siedelt seinen Film sorgfältig in der französischen Provinz an und findet in den erloschenen Vulkanen der Auvergne ein schönes Bild für die erkalteten Gefühle. Gegenpol zum Sänger, der Gefühle verkauft, an den Inhalt seiner Lieder aber auch wirklich glaubt, stellt die Maklerin dar, die mit Sachwerten handelt. Und dem Alter steht natürlich die Jugend gegenüber, seiner Lebenskrise, ihr Schmerz über eine gescheiterte Beziehung und ihre Sorge um den sechsjährigen Sohn, der sich ihr entzieht.

Eine Palette der Gefühle von der Eifersucht Alains auf Marions jungen Chef Bruno über die Eifersucht von Alains Ex-Frau und Managerin Michelle auf Marion, wobei sie aber Alain so sehr liebt, dass sie ihn doch unterstützt, bis zur Beziehung Michelles zu Daniel, die heiraten wollen, wird so vorgeführt. Diffus hat das alles mit dem Leben zu tun, scheint nah an den alltäglichen Gefühlen und Sorgen der Menschen ist in Wirklichkeit aber doch eine weichgespülte und gesüsste Version der Realität – denn wirklich weh tun will dieser Film niemand. Deshalb bohrt Giannoli auch nicht nach, deckt keine Abgründe auf, erschüttert nicht, sondern lässt seinen Liebesfilm zumindest andeutungsweise in ein Happy End münden.

Bis zu diesem Ende zieht sich »Chanson d´Amour« aber doch, denn Giannoli versteht es nicht die Story wirklich weiter zu treiben und bleibt in der Beschreibung stecken. Um Leerlauf zu verhindern greift er immer wieder – und allzu oft – zu Chansons. Wie diese Schnulzen, in denen sich immer wieder die Gefühle der Figuren spiegeln, allerdings präsentiert werden, das hat dann doch wieder Stil und Eleganz. Mit viel Gespür werden die Tanzlokale und die leeren Wohnungen ins Bild gerückt, wird durch Glitzern und Funkeln eine Atmosphäre des Glanzes aufgebaut, wobei gleichzeitig aber auch das Schäbige und Billige dahinter spürbar bleibt.

Getragen wird diese sanfte und mit typisch französischer Leichtigkeit inszenierte verführerische Aufforderung zum Lebensgenuss von Gérard Depardieu. Förmlich auf dem Leib geschnitten ist ihm die Rolle des alternden Chansonniers. Ohne sich selbstgefällig in den Vordergrund zu spielen, beherrscht er diese zärtliche Petitesse und die junge Cécile de France muss neben dem physisch ungemein präsenten Altstar zwangsläufig blass wirken.

Die Meinung von Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. (red)



289-289chanson.jpg