In der Reihe „Seitenwagen”, der Förderplattform für junge Kunstschaffende unter 30 Jahren, präsentiert Céline Meier mit dem Titel „Fragments of Places” eine neue Rauminstallation im Kunst(Zeug)Haus in Rapperswil.
Céline Meier war acht Jahre alt, als ihre Familie innerhalb des Dorfes Eschen, in dem sie aufgewachsen ist, auf einen Hügel mit dem Straßennamen „Goldene Boos-Gasse” umzog. Von Beginn an faszinierte sie dieser Name. Ihre Mutter erzählte ihr die Sage der Goldenen Boos: Eine Frau aus dem Dorf Eschen in Liechtenstein trug eine große Truhe auf dem Rücken. Darin versteckte sie ein kleines Männlein. Immer, wenn sie in einem Wirtshaus übernachtete und die Truhe in ein Zimmer stellte, stieg das Männlein nachts heimlich heraus und stahl Wertsachen. Jahre später lernte Céline Meier die Geschichte von Barbara Erni kennen, auf welcher die Sage der Goldenen Boos basiert.
Maria Barbara Erni (* 15. Februar 1743 in Altenstadt bei Feldkirch; † 26. Februar 1785 in Eschen) war eine Vagantin und Diebin. Sie wurde am 26. Februar 1785 als letzte Person im Fürstentum Liechtenstein in Eschen vor einer großen Menschenmenge mit dem Schwert hingerichtet. Unter anderem wurde auf eine Begnadigung verzichtet, weil seit fünfzig Jahren keine Hinrichtung mehr erfolgt war. Die öffentlich inszenierte Exekution Ernys sollte vor allem eine abschreckende Wirkung haben und wurde gemäß Quellen von „etlich tausend in- und ausländischen Zuschauern” begleitet.
Céline Meier zeigt in der Rauminstallation Fotografien, eine Videoarbeit und Gedichte.
Ausgehend von der Sage der „Goldenen Boos” und der historischen Figur Barbara Erni beschäftigt sich die Künstlerin (*2000 in Eschen, Liechtenstein; lebt und arbeitet in Luzern) mit dem Güediga-Hügel – einem historischen Ort, an dem sich Erinnerung, Schuld und öffentliche Zuschreibung verdichten. Ihre neue Installation spannt mittels Fotografie, Text und Videoessay einen Bogen von der letzten Hinrichtung in Liechtenstein bis zu heutigen „Shitstorms”, die vermeintliches Fehlverhalten in den sozialen Medien öffentlich brandmarken. Es ist eine künstlerische Reflexion über Sichtbarkeit, Macht und kollektive Urteile.
Céline Meier. Fragments of Places
Bis zum 2. August 2026