18. Juni 2022 - 7:43 / Ausstellung / Malerei / Zeichnung 
3. Juni 2022 4. September 2022

Das Werk der in New York lebenden britischen Künstlerin Cecily Brown zählt zu den aufregendsten malerischen Positionen der internationalen Gegenwartsszene.

Charakteristisch für ihr unverkennbares (Euvre ist ein Crossover von klassischen Sujets der Kunstgeschichte und Themen der Alltagskultur - eine souveräne, leichthändige Verquickung von High und Low unserer Lebenswelten. Mit ungeheurer Kraft fallen ihre Bildwelten auf den Betrachter ein. Eingetaucht in ein Fluidum farblüsterner Verläufe werden malerisch informelle Auslassungen mit simultan sich ereignenden Motivfacetten verwebt, die auf der Netzhaut des Betrachters wiederkehrende kaleidoskopartig pulsierende Nachbilder erzeugen.

Weniger bekannt ist Cecily Browns umfangreiches graphisches Werk. Vielfach nähert sich Brown mittels der Zeichnung einzelnen Bildmotiven oder Werkgruppen an oder überdenkt sie zeichnerisch. Im Verlauf erster intensiven Gespräche im zurückliegenden Jahr war die Künstlerin sofort davon begeistert, sich mit den historischen Sammlungsbeständen eines renommierten graphischen Museums auseinanderzusetzen und sich in einem Ausstellungsprojekt auf Augenhöhe anzunähern. Selten zuvor hat sich Cecily Brown, die aufgrund ihrer klassischen akademischen Ausbildung eine starke Affinität zur traditionsreichen Graphik hat, so intensiv mit einem musealen Sammlungsbestand beschäftigt.

In der Staatlichen Graphischen Sammlung München präsentiert sie nun neben einzelnen Gemälden aus den letzten Jahren neu geschaffene Werke. Die Impulse hierfür reichen von Bosch und Bruegel über Cezanne bis hin zu Michelangelo.

Ein Fokus bildet Cecily Browns Auseinandersetzung mit Leda mit dam Schwan, einer rätselhaften Grisaille des jungen Franz Marc aus dem Jahr 1907, die Cecily Brown im Studiensaal des Münchner Kabinetts in ihren Bann gezogen hat. Mit geradezu euphorischem Schaffensdrang hat die Künstlerin in kürzester Zeit eine Suite von neun Zeichnungen und acht Gemälden nach Franz Marcs Komposition geschaffen. Beeindruckend ist, wie sich Marcs Vorlage unter ihrer Hand von Bild zu Bild verwandelt und immer wieder neu entsteht. Ein Verfahren, das in ihrem Werklauf wiederholt Verwendung gefunden hat, um sich einen Sujet von allen Blickwinkeln her anzunähern.

Cecily Brown verließ als junge Malerin zu Beginn der 1990er-Jahre London in Richtung New York. Es war eine Zeit, in der die Malerei geradezu ausgedient zu haben schien. In den darauffolgenden Jahren gelang es ihr mit einer unbeschwerten Leichtigkeit, im Melting Pot New York eine furiose und zugleich tiefsinnige Malerei zu entwickeln, die ästhetisch bis heute in den Bezügen zwischen der alten und neuen Welt zu changieren scheint - sie machen ihre künstlerische Handschrift aus.

Cecily Brown
Bis 4. September 2022
Kurator: Dr. Michael Hering, Direktor Staatliche Graphische Sammlung München

Pinakothek der Moderne
Kunstareal, Barer Str. 40
D - 80799 München

W: http://www.pinakothek.de/

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  •  3. Juni 2022 4. September 2022 /
Paul Cézanne (1839–1906), Les Beigneurs, Die Badenden, undatiert Farblithographie 415 x 513 mm © Staatliche Graphische Sammlung München
Paul Cézanne (1839–1906), Les Beigneurs, Die Badenden, undatiert Farblithographie 415 x 513 mm © Staatliche Graphische Sammlung München
Cecily Brown Untitled (after Cézanne), 2021 Gouache, Aquarell und Tusche auf Büttenpapier 300 x 400 mm © Cecily Brown, Foto: Genevieve Hanson
Cecily Brown Untitled (after Cézanne), 2021 Gouache, Aquarell und Tusche auf Büttenpapier 300 x 400 mm © Cecily Brown, Foto: Genevieve Hanson
Cecily Brown, The Lady and the Swan 6, 2022, Öl auf Leinwand, 78,7 x 104 cm © Cecily Brown, Foto: Genevieve Hanson
Cecily Brown, The Lady and the Swan 6, 2022, Öl auf Leinwand, 78,7 x 104 cm © Cecily Brown, Foto: Genevieve Hanson
Cecily Brown The Englischer Garten, 2018–2021 Öl auf Leinwand 58,42 x 73,66 cm © Cecily Brown, Foto: Genevieve Hanson
Cecily Brown The Englischer Garten, 2018–2021 Öl auf Leinwand 58,42 x 73,66 cm © Cecily Brown, Foto: Genevieve Hanson