Das Kunstmuseum Basel zeigt in der Ausstellung „Besides the Point” neue Werke von Cassidy Toner. Sie wurde mit dem Manor Kunstpreis 2025 ausgezeichnet. Für die Ausstellung schuf sie zwei Dutzend Keramikskulpturen, eine großformatige Wandzeichnung, ein Video und eine Installation mit Gussobjekten aus Kunstharz und Zinn.
Witzig, schlitzohrig und voller Überraschungen – in ihren Arbeiten wirft Cassidy Toner (* 1992 in Baltimore, USA; lebt und arbeitet in Basel) einen ironisch-kritischen Blick auf die Mechanismen des Kunstbetriebs, die darin vorherrschenden Erwartungshaltungen und Wertvorstellungen. Eine große Portion Humor und viel Selbstironie dienen ihr dabei als Strategie, um die vermeintliche Logik der Kunstwelt zu konterkarieren. Der Titel „Besides the Point” ist eine Kombination des englischen Idioms „beside the point” (am Thema vorbei) und dem Wort „besides” (außerdem). Toner richtet den Blick gezielt auf das vermeintlich Nebensächliche, das Beiläufige – und entwickelt daraus das übergreifende Thema ihrer Präsentation.
Mit den Keramiken im ersten Ausstellungsraum setzt sie sich mit überlieferten Regelwerken für figurative Skulpturen auseinander. Ihre Formen nehmen augenzwinkernd Bezug auf Ideale der Bildhauerei. So macht Toner in einer der Gruppen antike Statuenstützen zum Hauptwerk – Elemente, die sonst lediglich als Beiwerk an die Hauptfigur angeheftet sind und eine rein statische Funktion erfüllen. Das Video „En Garde” (2025) entstand im Kunstmuseum Basel und richtet den Fokus auf den Alltag des Aufsichtspersonals. Die Künstlerin interessiert sich für den Balanceakt zwischen dem Schutz der Kunstwerke und dem Erlebnis der Besuchenden. Toner montiert repetitive Abläufe und einstudierte Rollenbilder zu einer eigenwilligen Hommage an die Hüter:innen des Museums. Die komödiantische Darstellung wurde durch den Avantgarde-Kurzfilm I, an Actress (1977) von George Kuchar inspiriert, in dem eine Schauspielerin bei den Proben zu einer Szene immer wieder neu ansetzt. Im letzten Ausstellungsraum versammelt Toner kleinformatige Gussobjekte zu einer Installation, die das Unvollendete nach dem künstlerischen Prinzip des Non-Finito aufgreift. Ihre Inszenierung von Scheitern und Unfertigkeit spiegelt einmal mehr, wie Kunst rezipiert und bewertet wird.
Manor Kunstpreis
Der 1982 von Philippe Nordmann ins Leben gerufene Manor Kunstpreis ist einer der wichtigsten Förderpreise des zeitgenössischen Kunstschaffens in der Schweiz und feierte 2022 sein 40-jähriges Bestehen. Er wurde 1982 von Philippe Nordmann ins Leben gerufen, um jungen Schweizer Kunstschaffenden eine Plattform zu bieten. Er wird jährlich und alternierend in den Städten Aarau, Basel, Biel, Chur, Genf, Lausanne, Luzern (für die Zentralschweiz), Lugano, Schaffhausen, Sitten, St. Gallen und Winterthur von einer Fachjury vergeben. Die Fachjury für den Manor Kunstpreis Basel 2025 bestand aus der Künstlerin Onomé Ekeh, der Kuratorin Eva Maria Knüsel und dem Künstler Markus Müller.
Cassidy Toner. Besides the Point
Manor Kunstpreis 2025
22. August 2025 bis 11. Jänner 2026