25. März 2017 - 3:49 / Ausstellung / Malerei 
25. März 2017 19. Juni 2017

Rund 130 Jahre nach seinem Tod präsentiert das Leopold Museum die erste umfassende Ausstellung des deutschen Malers Carl Spitzweg (1808–1885) in Österreich, dessen Werk gemeinhin in engem Konnex mit den mit der Epoche des Biedermeier verbundenen Definitionen von Beschaulichkeit, kleinbürgerliche Idylle und Spießbürgertum gesehen wird.

Um dieses Bild zurechtzurücken und die Rezeptionsweise zu erweitern, fokussiert die Ausstellung – nicht zuletzt unter Einbezug historischer, sozialer und politischer Implikationen – explizit auf das gesellschafts- und zeitkritische Werk Carl Spitzwegs. Sie stellt seine mit sanfter Ironie vorgetragene, aber unzweifelhafte Kritik am oftmals scheinheiligen Klerus, der korrupten Legislative wie der gelangweilten Exekutive oder dem saturierten Bürger- und Beamtentum in den Mittelpunkt.

Zwar war Spitzweg kein Vertreter einer aktiven Partizipation in Bezug auf politische Auseinandersetzungen, aber ein distanzierter, manchmal bissiger Kommentator, der – wie die rund 100 präsentierten Exponate deutliche machen –, die Brüche und Konflikte seiner Zeit als aufmerksamer Beobachter künstlerisch dokumentierte. Insofern serviert uns Spitzweg mit heiterer Gelassenheit mittels seiner kritisch-analytischen Bildwerke einen anderen "Geist" dieser Epoche.

Gleichzeitig erschließt die Auseinandersetzung mit Carl Spitzwegs Werk die Aktualität seiner Themen, die sich in der "Generation Biedermeier" des 21. Jahrhunderts wiederfinden und durch präzise gesetzte Interventionen von Erwin Wurm verdeutlicht werden. Ähnlich der Spitzwegschen Manier weist auch Wurms Werk vielfältige Facetten der Poesie und Idylle, des Humors und der (Selbst-)Ironie auf und ist gespickt mit politischen und kulturanalytischen Anspielungen. Beide OEuvres verbindet – so zeigt die Ausstellung auf – ein kritisch-reflektierter Humor, der als Waffe eingesetzt, den Alltag aus anderer Perspektive zeigt und damit vielschichtige Dimensionen evoziert.


Carl Spitzweg – Erwin Wurm. Köstlich! Köstlich?
25. März bis 19. Juni 2017

Leopold Museum
Museumsplatz 1, MQ
A - 1070 Wien

T: 0043 1 525 70-1523
F: 0043 1 525 70-1500
E: office@leopoldmuseum.org
W: http://www.leopoldmuseum.org/

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Carl Spitzweg: Der abgefangene Liebesbrief, um 1855. Öl auf Leinwand, 54,2 × 32,3 cm; Museum Georg Schäfer, Schweinfurt
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Erwin Wurm: Take your most loved philosophers, 2002. Gezeichnete Anleitung, Bücher, Maße variabel; Courtesy Erwin Wurm. Foto: Studio Erwin Wurm, Kiasma ? Museum of Contemporary Art, Helsinki; © Bildrecht, Wien, 2016
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Carl Spitzweg: Der Bücherwurm, 1850. Öl auf Leinwand, 49,4 × 26,9 cm; Museum Georg Schäfer, Schweinfurt
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Erwin Wurm: Landed Gentry (Hermés), 2008. C-Print, 80 × 69 cm; Privatsammlung. Foto: Studio Erwin Wurm; © Bildrecht, Wien, 2016