Auch in dieser Spielzeit widmet sich das Vorarlberger Landestheater mit einem Stück, dessen Erzählstruktur drei Leben im Gestern und Heute auf schicksalhafte Weise miteinander verknüpft, wieder einer herausragenden Persönlichkeit der jüngeren Vorarlberger Geschichte.
Zwei jugendliche Straftäterinnen werden inhaftiert. Um ihre Angst und Verzweiflung zu bekämpfen, hören sie ein Hörbuch über den seligen Priester Carl Lampert – und entdecken dabei ein Schicksal, das sie veranlasst, ihr eigenes Leben und Handeln neu zu betrachten. Der 1894 in Göfis geborene Carl Lampert entschied sich früh für das Priestertum. Als kluger Denker, Mann des Volkes und treuer Diener Gottes geschätzt, stieg er in der klerikalen Hierarchie schnell auf und wurde schließlich Provikar der Diözese Innsbruck. Doch mit der NS-Herrschaft und dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich begann eine Zeit zunehmender Bedrohung.
Mit Sorge nahm Lampert wahr, was um ihn herum geschah: die Unterdrückung der Kirche und die Verfolgung von Andersdenkenden. Und er schwieg nicht, sondern bezog Stellung gegen das Regime. Die Gestapo nahm ihn ins Visier und verhaftete ihn mehrfach. Man machte ihm Angebote: Er sollte seinem Gott entsagen, ein bürgerliches Leben aufnehmen und Kinder fürs Vaterland zeugen, dann würde man ihn in Frieden lassen. Lampert blieb unbeugsam. Er wurde nach Dachau und schließlich nach Sachsenhausen deportiert und war dem Willkür des nationalsozialistischen Regimes ausgeliefert. Das Urteil seines Schauprozesses stand von Anfang an fest: Tod durch das Fallbeil. Am 13. November 1944 wurde Carl Lampert in Halle hingerichtet.
Das ist die Geschichte von Carl Lampert. Es ist die Geschichte eines Menschen, der sich selbst in höchster Lebensgefahr weigerte, seine Überzeugungen zu verraten. Seine Geschichte zeigt die innere Zerrissenheit und die Momente des Zweifels, aber auch die Entschlossenheit eines Mannes, der sich weigerte, Unrecht hinzunehmen. Eine intensive Reflexion über Zivilcourage, Widerstand und die Frage nach moralischer Verantwortung.
Carl Lampert – Das erste Gebet
Peter Mair, Kirsten Ossoinig | Uraufführung
Vorstellungen: Di., 20. Januar sowie Do., 5., Fr., 6. und Sa., 28. Februar, jeweils um 19:30 Uhr sowie So., 1. März, um 17:00 Uhr im Großen Haus.