17. Januar 2020 - 0:45 / Ausstellung / Gegenwartskunst  / Reminder
18. Januar 2020 13. April 2020

Die Architektur und der schmucklose Beton des Zumthor-Baus kommen der US-amerikanischen Künstlerin Bunny Rogers entgegen, nicht selten lädt sie in verdunkelte Bühnen. Die Stimmung ihrer Arbeiten ist düster und schwermütig. Ihre Installationen, die meist Musik und Poesie einbeziehen, sind von Figuren aus dem Internet, von Fernsehserien und Videospielen inspiriert.

Die Welt der Waren und der Vergnügungsindustrie — sonst als heil und gewinnorientiert dargeboten — verkehrt ihre Vorzeichen, sie wird fragwürdig, tiefgründig und bedrückend. Erinnerung und Empfindsamkeit, Freundschaft und Erfindung sind ihre Themen. Rogers spielt mit Identitäten, indem sie Porträtserien von sich anfertigt, die letztlich 3D-Modelle von Fernsehcharakteren sind. Sie zeigt sich darin nicht als Gewinnerin, sondern verletzlich, leidensfähig und verlassen.

Für das Kunsthaus Bregenz zeigt Rogers raumgreifende Installationen über alle vier Geschosse. Die von ihr verwendeten Versatzstücke sind von amerikanischen Trauerfeiern inspiriert. Im Erdgeschoss bestimmen schwere Vorhänge, Blumenkränze und Trauerflor die Atmosphäre. An anderer Stelle sind Rosen zu sehen, die in Beton gegossen sind. Sperrgitter kommen zum Einsatz. Auf zwei Geschossen ist echter Rasen verlegt. Erde, Abfall und vertrocknete Blumen versinnbildlichen Poesie und Schmerz, Schönheit und Vergänglichkeit — eine Kunst, die den Schauer nicht scheut, um an die eigene Verantwortung zu erinnern. Es ist ein Memorial, "objektive Kunst", so Bunny Rogers, sei unmöglich.

Tod und Trauer mögen aus dem modernen Alltag verdrängt werden, in der Kunst sind sie seit jeher zentrale Themen. Stillleben, die an die Sterblichkeit erinnern, gehören zur Kunstgeschichte wie die Symbole des Memento mori. Heute ersetzen digitale Kulte und Phänomene hysterischer Fassungslosigkeit herkömmliche Erinnerungstechniken. Die Medien bemächtigen sich des Trauerns, ebenso die Kunst, man denke an Andy Warhols Bilder von Jackie Kennedy am Grab ihres ermordeten Mannes.

Im obersten Stockwerk rieselt das Wasser aus einem Duschkopf. Das ganze Geschoss ist mit schlammgrauen, sepiafarbenen Fliesen ausgelegt. Die Anlage, die Bunny Rogers inszeniert, erinnert an Nasszellen, wie sie sich in Schulen oder Sporthallen finden.

Diese eigentümlich leere, verlassen wirkende Raumgestaltung wird mit ihren teilweise verschlissenen Fliesenelementen zu einer unbehaglichen Stimmungsbühne, die das KUB in einen einzigartigen Ort verwandelt – nicht nur theatralisch, sondern auch kritisch, politisch und die Gegenwart prüfend.

Biografie

Bunny Rogers (geb. 1990 in Houston, Texas, USA) schloss 2012 ihr Studium der bildenden Kunst an der Parsons School of Design in New York mit dem Bachelor of Arts ab. 2017 beendete sie ein weiteres Studium am Royal Institute of Art in Stockholm mit dem Master of Fine Arts. Bunny Rogers entwickelt Skulpturen, Installationen, Videos und Fotografien. Zudem wurde sie für ihre Poesie bekannt, die sie online und in Lesungen präsentiert. Sie stellte u. a. im Hamburger Bahnhof, der Fondation Louis Vuitton, dem Whitney Museum of American Art und dem Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk aus, darüber hinaus war sie Teil von Hans Ulrich Obrists Projekt 89plus.

Bunny Rogers - Kind Kingdom
18. Jänner bis 13. April 2020

Kunsthaus Bregenz
Karl-Tizian-Platz
A - 6900 Bregenz

T: 0043 (0)5574 48594-0
F: 0043 (0)5574 48594-408
E: kub@kunsthaus-bregenz.at
W: http://www.kunsthaus-bregenz.at/

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  •  18. Januar 2020 13. April 2020 /
Bunny Rogers: Memorial (Foto: Karlheinz Pichler)
Bunny Rogers: Memorial (Foto: Karlheinz Pichler)
Bunny Rogers: Trash Mound (Ausschnitt) (Foto: Karlheinz Pichler)
Bunny Rogers: Trash Mound (Ausschnitt) (Foto: Karlheinz Pichler)
Bunny Rogers: Cement Garden (Ausschnitt) (Foto: Karlheinz Pichler)
Bunny Rogers: Cement Garden (Ausschnitt) (Foto: Karlheinz Pichler)
Bunny Rogers: Locker Room (Ausschnitt) (Foto: Karlheinz Pichler)
Bunny Rogers: Locker Room (Ausschnitt) (Foto: Karlheinz Pichler)
Künstlerin Bunny Rogers (Foto: Karlheinz Pichler)
Künstlerin Bunny Rogers (Foto: Karlheinz Pichler)