Britischer Jahrhundertkünstler David Hockney †

Der britische Jahrhundertkünstler David Hockney ist am 11. Juni im Alter von 88 Jahren in London gestorben. Er galt als einer der einflussreichsten und populärsten Maler der Gegenwart. Seine farbgewaltigen Meisterwerke wie "A Bigger Splash" schrieben Kunstgeschichte. 

David Hockney wurde 1937 in der nordenglischen Industriestadt Bradford geboren. Seine künstlerische Reise führte ihn in den 1960er-Jahren nach Kalifornien. Dort fand er das gleißende Licht und die Motive, die ihn weltberühmt machten: sonnendurchflutete Vorstadtszenen, Palmen und vor allem das chlorblaue Wasser der Swimmingpools. Sein Gemälde "Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)" erzielte 2018 bei einer Auktion von Christie's die damalige Rekordsumme von 90,3 Millionen Dollar für das Werk eines lebenden Künstlers.

Hockney war ein mutiger Pionier – auch abseits der Leinwand. Bereits um 1960 bekannte er sich offen zu seiner Homosexualität. Zu einer Zeit, in der gleichgeschlechtliche Liebe in Großbritannien noch unter Strafe stand, machte er queeres Begehren und Beziehungsleben selbstbewusst zum Thema seiner Kunst. Seine Bildsprache war dabei stets unkonventionell, von klassischen Doppelporträts bis hin zu bühnenartigen Räumen. Er erfand sich in jedem Jahrzehnt neu.

Sein Lebensmotto lautete: "Love Life". Trotz schwerer persönlicher Krisen, dem Verlust enger Freunde durch die AIDS-Welle und einer fortschreitenden Schwerhörigkeit bewahrte er sich eine kindliche Neugier. Anstatt an alten Traditionen festzuhalten, experimentierte er leidenschaftlich mit neuen Technologien wie etwa Polaroid-Fotografie für vielschichtige Fotocollagen, mit Faxgeräten und Kopierer als künstlerische Werkzeuge, mit iPad-Zeichnungen für leuchtende Landschaften aus Yorkshire und der Normandie sowie immersiven Großprojektionen, die seine digitale Kunst begehbar machten.

Zuletzt lebte und arbeitete der passionierte Kettenraucher in einem alten Landhaus in Frankreich, bevor er in seiner Londoner Wohnung friedlich einschlief. Mit seinem Tod verliert die Welt einen Freigeist, der gelehrt hat, genauer und farbenfroher hinzusehen.