21. Januar 2022 - 15:29 / Aktuell 

Zum Gedenken an den am 9. Juni 2000 verstorbenen Autor und Dichter Ernst Jandl wurde 2001 der Ernst-Jandl-Preis für Lyrik gestiftet, der im Zwei-Jahres-Rhythmus an deutschsprachige Dichterinnen und Dichter vergeben wird. Heuer wird die 1959 in Wien geborene Brigitta Falkner mit diesem Preis ausgezeichnet.

Falkner debütierte 1992 mit dem Buch "ABC – Anagramme Bildtexte Comics" (Edition Das fröhliche Wohnzimmer), gefolgt von "TobrevierSCHreiverbot – Palindrome" (Ritter Verlag 1996,) "Fabula rasa oder Die methodische Schraube" (Ritter Verlag 2001), "Bunte Tuben – Anagramm" (Urs Engeler Editor 2004) und "Populäre Panoramen I" (Klever Verlag 2010). Ihr Buch "Strategien der Wirtsfindung" (Matthes & Seitz 2017) stand auf der Shortlist zum Österreichischen Buchpreis 2017 und erhielt den Preis der Hotlist 2017 für das beste deutschsprachige Buch, das in einem unabhängigen Verlag aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz erschienen ist. Brigitta Falkner lebt und arbeitet in Wien.

Die Begründung der Jury, der Dr.in Hanna Engelmeier; Mag. Paul Jandl, Dr. Thomas Poiss, Mag.a Monika Rinck und Dr. Ferdinand Schmatz angehörten: Der Ernst-Jandl-Preis 2021 geht an die österreichische Autorin Brigitta Falkner. Mit der Dichterin, Zeichnerin und Fotografin Brigitta Falkner prämiert die Jury eine unermüdliche Forscherin, deren Sprache ihr (und uns) als wendiger Lotse vorauseilt. Ja, wir kommen kaum nach. Trittsicher verbindet sie die abgründige Logik der analytischen Philosophie, mit der knappen und wortkargen Komik eines schnaufend erwanderten Gesprächs in dünner Luft. Falkners Sprache führt uns in die vertrackte Welt des Anagramms und errichtet Panoramen, die sowohl innerlich wie äußerlich sind und spitzbübisch das Kleinste mit dem Größten verkuppeln. "Wurstsemmel blockiert Eisenbahntunnel", fasste Daniela Strigl vor mehr als 20 Jahren das Geschehen in Falkners "Populären Panoramen I" zusammen. Die Deutung überlässt Brigitta Falkner ganz ihren Leserinnen und Lesern, wie es ja eigentlich auch seine Richtigkeit hat. Eine Richtigkeit eben, die in der Freiheit der Interpretation besteht, mit der Falkner ihr Publikum großzügig und freimütig beschenkt. Fragen der Repräsentation verhandelt Falkner nicht nur im Zusammenhang mit dem Zeichensystem der Sprache, sondern auch im Rahmen eines metabolistischen Modells, an dem die Ökonomie von Erbärmlichkeit und Überfluss, von Fressen und Gefressenwerden, sichtbar wird. Hier kommt der Parasit in den Blick, dem Falkner mit ihrem Opus Magnum "Strategien der Wirtsfindung" eine ganz eigene poetische Enzyklopädie vermacht hat. Mit Ernst Jandl teilt Falkner einen unsentimentalen, aber gar nicht herzlosen Blick auf die Transformationen, die den Menschen Zeit seines Lebens beschäftigt halten. Es gibt kein Haus ohne Parasiten, und all die kleinsten Wesen – könnten auch Gedanken sein. Es bleibt nichts, als herzlich zu gratulieren und ein Falknersches Doppel-Palindrom zu zitieren: "Sei fies, tu erfreut."

Preisträgerinnen und Preisträger des Ernst-Jandl-Preises für Lyrik

2001: Thomas Kling; 2003: Felix Philipp Ingold; 2005: Michael Donhauser; 2007: Paul Wühr; 2009: Ferdinand Schmatz; 2011: Peter Waterhouse; 2013: Elke Erb; 2015: Franz Josef Czernin; 2017: Monika Rinck; 2019: Oswald Egger; 2021: Brigitta Falkner