10. Januar 2013 - 3:30 / Walter Gasperi / DVD Tipp
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In Martin Gabels atmosphärisch dichter Verfilmung von Henry James´ Novelle "The Aspern Papers" reist ein amerikanischer Verleger nach Venedig in der Hoffnung, dort die verschollenen Liebesbriefe eines vor Jahrzehnten verschwundenen Schriftstellers zu finden. Koch Media hat den wenig bekannten Film aus dem Jahr 1947 in der Film Noir Collection auf DVD herausgebracht.

Ausgehend von einer leeren Stelle in einem Bücherregal holt der Verleger Lewis Venable (Robert Cummings) zu einer den Film umspannenden Rückblende aus. Vor Jahren brach er nach Venedig auf, um dort nach den Liebesbriefen des im 19. Jahrhundert spurlos verschwundenen Autors Jeffrey Ashton zu suchen. Unter dem Vorwand, er sei ein Schriftsteller, quartiert sich Lewis im Palazzo ein, in dem Juliana, die inzwischen über 100-jährige einstige Geliebte Ashtons, mit ihrer Nichte Tina lebt.

Schon durch das Ambiente der Lagunenstadt und die Konzentration auf den Palazzo entwickelt der Schauspieler Martin Gabel in seiner einzigen Regiearbeit eine dichte, beunruhigende Atmosphäre. Hal Mohrs Kamera gleitet wie schwebend durch die dunklen Räume, verwinkelt ist der Bau und die Figuren werfen immer wieder Schatten auf die Wände.

Dazu kommen die Bewohnerinnen des Hauses. Während die Tochter der Haushälterin Lewis freundlich empfängt, reagiert deren Mutter ebenso abweisend wie die das Haus führende Tina Bordereau (Susan Hayward), die Lewis streng und gefühlskalt gegenübertritt. Lange nur die runzlige Hand sieht man von der greisen, in einem Lehnstuhl sitzenden Juliana (unkenntlich durch das Make-up: Agnes Moorehead).

Während Lewis versucht Juliana und Tina über den Verbleib der Briefe auszuhören, entdeckt er, dass Tina offensichtlich eine gespaltene Persönlichkeit ist, durch das Leben in dem Haus selbst nachts immer wieder in die Vergangenheit gleitet und die Rolle der jungen Juliana übernimmt.

Ganz auf diese Geschichte konzentriert sich der Film, dass ein Schriftsteller versucht Lewis zu erpressen, wird ebenso nur am Rande gestreift und nicht weiter entwickelt, wie die Aufklärung des Verschwindens von Jeffrey Ashton. Auf einen dramatischen Höhepunkt treibt dagegen die Geschichte von Tina und ihrer greisen Tante Juliana zu.

Die Geschichte mag an den Haaren herbeigezogen sein, und die Inszenierung ist zwar ohne Schnörkel und geradlinig, aber doch etwas schleppend, doch die dichte Atmosphäre lassen solche Schwächen weitgehend vergessen.

In die Rubrik "Film noir" kann man "Briefe aus dem Jenseits" freilich kaum einordnen, vielmehr handelt es sich dabei um einen romantischen Mysterythriller. Lobenswert ist es aber allemal, dass Koch Media diese nicht zuletzt aufgrund der literarischen Vorlage durchaus bemerkens- und sehenswerte Rarität ausgegraben hat. Spärlich sind aber die Extras, die nur aus einer Bildergalerie bestehen, an Sprachversionen werden die deutsche und die englische Fassung angeboten.

Trailer zu "Briefe aus dem Jenseits"



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