15. Mai 2020 - 7:36 / Ausstellung / Geschichte / Malerei 
16. Februar 2020 6. September 2020

Das Kunsthaus Zug ist wieder offen! Die aktuellen Ausstellungen sind bis 6. September verlängert.

Im Jubiläumsjahr zeigt das Kunsthaus Zug, was in den letzten dreissig Jahren an der Dorfstrasse möglich geworden ist. 1990 begann mit dem Bezug der Liegenschaft "Hof im Dorf" eine lebendige Museumstätigkeit, die auch dreissig Jahre später immer wieder neue Wege geht.

Als Auftakt des Jubiläumsprogramms richtet das Kunsthaus Zug seinen Blick auf einen Sammlungsschwerpunkt der ersten Stunde: Schweizer Surrealismus und Fantastik. Mit Werken von Paul Klee, Kurt Seligmann, Meret Oppenheim, Adolf Wölfli, Eva Wipf, Jean-Frédéric Schnyder, Miriam Cahn, Martin Disler u.v.a. Zudem wird als Ausstellung in der Ausstellung anhand von insgesamt rund hundert Originalentwürfen und Fotografien die 1947 vom österreichischen Architekten, Theaterreformer und Künstler Friedrich Kiesler inszenierte Surrealisten-Ausstellung in Paris zu sehen sein.

Surrealismus in der Schweiz? Diese Kunstbewegung verortet man eher im mondänen Paris als in der kleinräumigen Schweiz. Gerade deshalb ist dieses wenig bekannte Spektrum des Schweizer Kunstschaffens ein Sammlungsschwerpunkt im Kunsthaus Zug. Dieses machte sich Ende der 1970er-Jahre Gedanken zu einer eigenen Sammlung: Wie könnte man sich als junge Institution ohne historisch gewachsene Sammlung von etablierten Kunstinstitutionen unterscheiden? Man wollte ein unverwechselbares Profil aufbauen und setzte auf das Einzelgängerische und Eigenwillige der surrealen und fantastischen Strömungen, die bis heute den Reiz dieses Sammlungsschwerpunkts ausmachen.

Die Ausstellung "Fantastisch Surreal" zeigt die verschiedenen Aspekte dieses Teils der Sammlung, der in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich auf- und ausgebaut werden konnte: symbolistisch gefärbte Werke aus dem späten neunzehnten Jahrhundert, Schweizer und internationaler Surrealismus, Art Brut sowie zeitgenössische Arbeiten. Sie schlägt den Bogen zwischen den Einzelpositionen, schafft Bezüge und verbindet. Künstler wie James Ensor, Adolf Wölfli und Paul Klee kommen mit jüngeren Positionen wie Ilse Weber und Friedrich Kuhn zusammen. Meret Oppenheim und Kurt Seligmann vertreten die wenigen Kunstschaffenden der Schweiz, die aktiv am Pariser Surrealismus teilnahmen. Miriam Cahn und Jean-Frédéric Schnyder, deren Schaffen in den 1970er-Jahren einsetzte, sind auch heute wichtige Exponenten der Gegenwartskunst. Teils noch nie ausgestellte Werke und unerwartete Beziehungen zwischen scheinbar Bekanntem eröffnen neue Sichtweisen auf die Sammlung, die stetig weiterwächst. Zu den neueren Zugängen der Sammlung gehört auch ein surrealistisches Architektur-Modell von Friedrich Kiesler.

Blick in ein geheimnisvolles Labyrinth

Einen weithin noch unbekannten Blick auf den Surrealismus gewährt eine Ausstellung innerhalb der Ausstellung: "Breton Duchamp Kiesler – Surrealistische Räume 1947" zeichnet die bemerkenswerte Ausstellung nach, die André Breton, Marcel Duchamp und Friedrich Kiesler 1947 in Paris organisierten. Eine surrealistische Ausstellung, die alle bisherigen übertrifft, lautete damals das Ziel. Die architektonische Inszenierung übernahm der Architekt, Theaterreformer und Künstler Kiesler. Er war einer der ersten, der die Inszenierung als künstlerischen Anteil an einer Ausstellung auffasste. So waren denn auch die Räume der Surrealismus-Ausstellung 1947 Teil des künstlerischen Konzepts – Architektur und Kunst als Einheit und Erfahrungsraum für die Betrachter. Anhand von insgesamt rund hundert Originalentwürfen und Fotografien wird die bemerkenswerte Ausstellung in Zug zu sehen sein – zum ersten Mal ausserhalb Wiens. Als ob sie 1947 dabei gewesen wären, durchschreiten die Besuchenden das geheimnisvolle Labyrinth. Sie werden zu den wenigen Menschen gehören, welche die Ausstellung nacherleben. Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung, Wien realisiert. Es ist die erste Ausstellung des österreichisch-US-amerikanischen Universalkünstlers Kiesler in der Schweiz, der beispielsweise auch von Olafur Eliasson und Frank Gehry hochgeschätzt wird. In der Ausstellung in Zug zu sehen ist zudem eine Rekonstruktion der Krag-Arme zur Präsentation von Gemälden, die Kiesler 1942 für Peggy Guggenheims Surrealisten-Sammlung in der Galerie "Art of this Century" in New York entwickelte.

Breton Duchamp Kiesler – Surrealistische Räume 1947
16. Februar bis 6. September 2020

Kunsthaus Zug
Dorfstrasse 27
CH - 6301 Zug

T: 0041 (0)41 725 33 44
F: 0041 (0)41 725 33 45
E: info@kunsthauszug.ch
W: http://www.kunsthauszug.ch/

weitere Beiträge zu dieser Adresse



  •  16. Februar 2020 6. September 2020 /
Meret Oppenheim, Nuages, 1953, Kunsthaus Zug, © 2020 ProLitteris, Zurich
Meret Oppenheim, Nuages, 1953, Kunsthaus Zug, © 2020 ProLitteris, Zurich
Martin Disler, O.T., 1978 © Kunsthaus Zug
Martin Disler, O.T., 1978 © Kunsthaus Zug
Friedrich Kiesler, Studie zur Salle de Superstition, Exposition Internatinale du Surralisme, 1947 © Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler Privatstiftung, Wien
Friedrich Kiesler, Studie zur Salle de Superstition, Exposition Internatinale du Surralisme, 1947 © Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler Privatstiftung, Wien