Bratislava und Wien starten das gemeinsame Projekt „Turning Points“ zur Stärkung demokratischer Werte

Das Museum der Stadt Bratislava (MMB) und das Volkskundemuseum Wien (VKM) beginnen mit dem groß angelegten Projekt „Turning Points – Museums for a Democratic Future“. Es wird von Interreg Slowakei–Österreich kofinanziert und verfügt über ein Gesamtbudget von 2,84 Millionen Euro. Im Rahmen des Projekts entsteht eine neue Außenstelle des Museums der Stadt Bratislava. In Wien wird der historische Bunker im Schönbornpark vom Volkskundemuseum für eine öffentliche Nutzung adaptiert. Das Projekt stärkt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Museen, ermöglicht gemeinsame Forschung zur Zeitgeschichte und schafft neue Bildungsprogramme für die jüngere Generation.

Eines der wichtigsten Ergebnisse von „Turning Points” in der Slowakei wird die Eröffnung einer neuen Außenstelle des Museums der Stadt Bratislava sein, die der Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts gewidmet ist. Hierzu wird das seit Langem für die Öffentlichkeit geschlossene Stadthaus Beblavého 1 umfassend renoviert. Gleichzeitig errichtet das Museum ein modernes Digitalisierungszentrum, entwickelt seine Digitalisierungsstrategie weiter und macht seine Sammlungen über eine neue Online-Plattform zugänglich.

„Turning Points ist ein außerordentlich wichtiges Projekt für Bratislava. Es wird uns helfen, die jüngste Vergangenheit besser zu verstehen – eine Vergangenheit, die unsere Gegenwart geprägt hat und weiterhin prägt“, so Matúš Vallo, Bürgermeister von Bratislava.

Durch Forschung und Digitalisierung des kulturellen Erbes möchte das MMB zur Entwicklung der Zivilgesellschaft beitragen und ein kritisches Bewusstsein für die Gefahren totalitärer Regime fördern. „Umfragen zeigen, dass junge Menschen grundlegende Kenntnisse über zentrale Ereignisse der letzten Jahrzehnte oft nicht besitzen – etwas, das wir mit ‚Turning Points‘ und dem neuen ‚Museum der Zeitgeschichte‘ gezielt ansprechen wollen. Durch persönliche Geschichten, aktuelle künstlerische Interventionen und interaktive Lernformen schaffen wir einen Raum für kritisches Denken und ein besseres Verständnis historischer Zusammenhänge. Wir glauben, dass das neue Museum als lebendiges Labor dienen wird, das Dialog, Verständnis und die Resilienz der Demokratie stärkt“, so Zuzana Palicová, Direktorin des Museums der Stadt Bratislava.

Im Rahmen des Projekts bereitet das Volkskundemuseum Wien die Teilrenovierung eines zivilen Zivilschutzbunkers aus dem Zweiten Weltkrieg vor. Dieser soll zu einem öffentlichen Raum umgestaltet werden. Das MMB und das VKM haben das gemeinsame Projekt ins Leben gerufen, um die Wendepunkte der jüngeren Geschichte Bratislavas und Wiens im 20. und 21. Jahrhundert zu erforschen – jene Ereignisse, die beide Städte in besonderer Weise geprägt haben.

„Dass sich zwei Kultur- und Gesellschaftsmuseen in Bratislava und Wien zusammenschließen, um gemeinsam über Wendepunkte der jüngeren Zeitgeschichte zu forschen und zu sprechen, hat einen klaren Grund: Der Fall des Eisernen Vorhangs liegt 36 Jahre zurück und ist für eine ganze Generation bereits ferne Vergangenheit. Gleichzeitig gerät die Idee eines geeinten Europas durch neue Nationalismen und autoritäre Tendenzen zunehmend unter Druck. Mit ‚Turning Points‘ betrachten wir diese historischen und aktuellen Zusammenhänge aus mehreren Perspektiven und wollen zu demokratischen, offenen und vielschichtigen Prozessen beitragen. Im Zentrum steht die Frage: Warum orientieren sich Gesellschaften erneut an autoritären Modellen?“, so Mathias Beitl, Direktor des Volkskundemuseums Wien.

Turning Points: Museums for a Democratic Future
Hauptpartner: Museum der Stadt Bratislava, Volkskundemuseum Wien
Laufzeit: 1. Dezember 2025 – 31. Juli 2028