Seit dem 16. April 2026 zählt die Verwendung und Weitergabe der Brailleschrift nun auch zum kulturellen Erbe Österreichs und ist im Österreichischen Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Unesco verzeichnet.
Die vor 200 Jahren vom damals 16-jährigen blinden Franzosen Louis Braille entwickelte Punktschrift wurde schnell zur Schrift blinder und sehbehinderter Menschen weltweit. Doch sie ist weit mehr als nur ein Kommunikationsmittel. Von blinden Menschen selbst erfunden, weiterentwickelt und gelehrt, ist sie bis heute ein zentrales Kulturgut der Behindertenselbsthilfe und eines der prägendsten, verbindendsten Merkmale in der Gemeinschaft ihrer Nutzer:innen.
Die Unesco begründet ihre Entscheidung wie folgt: „Als weltweit verbreitete Schrift blinder und sehbeeinträchtigter Menschen ist die Brailleschrift in Österreich für rund 5.000 Personen ein aktiver Begleiter im alltäglichen Leben – sie macht gesprochene Sprache tastbar. Von blinden Menschen selbst entwickelt und organisiert, ermöglicht sie Zugang zu Information, Bildung sowie Kultur und schafft gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft.” Dem können wir nur zustimmen. „Die Brailleschrift ist für blinde und stark sehbehinderte Menschen weit mehr als ein Mittel zur Informationsaufnahme – sie ist Teil unserer Identität“, betont Dr. Markus Wolf, Präsident des BSVÖ. „Die Aufnahme in das Unesco-Verzeichnis ist ein starkes Zeichen für den Wert dieser Kulturtechnik und für die Selbstbestimmung blinder und sehbehinderter Menschen.“
Die Schrift ist aus dem Leben blinder und sehbehinderter Menschen weltweit nicht wegzudenken und genießt breite Anerkennung, die über die Selbsthilfe hinausgeht. Für den Antrag bei der Unesco konnten zahlreiche Unterstützungserklärungen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gewonnen werden.
Gleichzeitig steht die Nutzung der Brailleschrift zunehmend unter Druck. Technologische Entwicklungen sowie rückläufige Förderstrukturen führen dazu, dass immer weniger Menschen sie erlernen. Die Aufnahme in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes unterstreicht daher nicht nur ihren kulturellen Wert, sondern auch die Notwendigkeit, ihre Weitergabe und damit das Bestehen jener Verbände, die sie vermitteln, langfristig zu sichern.