Bosch vs. Bösch: digital vs. analog

In der Lustenauer Galerie Villa Marxx ist derzeit anhand von Werken des Hörbranzer Malers Richard Bösch sowie des Lustenauer Künstlers Werner Marxx Bosch eine Gegenüberstellung von digitaler und analog-klassischer Malerei zu sehen. Im Rahmen der Finissage findet am 4. Jänner um 11.00 Uhr eine Autorenlesung mit Werner Marxx Bosch und Karlheinz Pichler statt. Bosch liest dabei eigene Gedichte, Aphorismen und Texte mit sehr speziellen Ansichten zur Kunst, der Publizist und Autor Karlheinz Pichler wiederum wartet mit skurillen und schrägen Geschichten aus der Kunstszene auf. Ein spannender und unterhaltsamer Sonntagvormittag ist vorprogrammiert. Es ist auch die letzte Möglichkeit, die repräsentativen aktuellen Werkquerschnitte von Bosch und Bösch zu besichtigen.

Bei Bosch vs. Bösch ist als Ausgangspunkt festzuhalten, dass beide Künstler ähnliche Wurzeln haben. So studierte Werner Marxx Bosch, Jahrgang 1958, an der Universität für Angewandte Kunst in Wien bei Wilhelm Cermak, Oswald Oberhuber und Peter Weibel zunächst Malerei und Bildhauerei und wurde ursprünglich vor allem mit grossformatigen Gemälden bekannt.  Vor fast einem Vierteljahrhundert wandte sich Bosch dann der digitalen Kunst zu und entwickelte mit Hilfe von Fraktal-Software-Programmen computergenerierte Bilder.     

Die Frage, ob ein computergeneriertes Fraktal Kunst ist, wird nicht nur im Internet immer wieder aufs Neue kontrovers diskutiert. Generell sollte man aber grundsätzlich zwischen den tatsächlich rechnerisch erzeugten Fraktalen unterscheiden, die ausschliesslich dazu bestimmt sind, die Lösungsmenge eines konkreten mathematischen Problems darzustellen, und jenen Fraktalen, deren Gestaltung individuell bestimmt wird und deren Ergebnisse isoliert von mathematischen Fragestellungen zu betrachten sind. Werner Marxx Bosch wählt seine abstrakten Fraktale mit leidenschaftlicher Sorgfalt aus und entwickelt diese künstlerisch weiter. Aber nicht nur Fraktal-Programme, sondern auch Spezialsoftware und Grafiktablets sind ihm wichtige Hilfsmittel, um seine Expeditionen ins Reich der Farben und Formen in immer neuen Variationen und Gestaltungsprinzipien austesten zu können. 

Sein ehemaliger und mittlerweile verstorbene Professor Peter Weibel, der über Jahrzehnte hinweg vielleicht der wichtigste Theoretiker in der Medienkunst war, schrieb dereinst zur Art, wie Marxx Bosch Bilder herstellt: "Das Material der Malerei sieht sich einer neuen Bedrohung gegenüber: der Immaterialität der elektronischen Medien. Die Differenz zwischen Malerei und Medien ist also ein gegenwärtiges malerisches Problem, das nach einer Lösung ruft. Marxx Bosch ist ein zeitgenössischer Künstler, der diesen Ruf vernimmt." Und weiter: "Er (also Bosch) versucht allerdings nicht, die Malerei auf eine historisierende Weise und durch Rückgriffe auf traditionelle Formen reinzuwaschen, sondern ausgehend von dem Wissen, dass wir aus dem Paradies der reinen Farben und Formen im Zeitalter der industriellen Produktion längst vertrieben sind, beschäftigt er sich mit der Befleckung der Malerei, welche diese durch die Medien erfahren hat. Umgekehrt verlieren die Medien an Bedrohung, wenn die Malerei deren Immaterialität (und deren Folgen) auf sich nimmt.“

Dieser Immaterialität der Malerei skeptisch gegenüber steht Richard Bösch. In den über sechs Jahrzehnten, in denen er sein Werk vorangetrieben hat, ist er sich stets treu geblieben. So wie auch seinen Materialien: Acryl, Öl und Gouache seitens der Farbe, Leinwand und Papier seitens der Bildträger. 


Der in Hörbranz lebende und arbeitende Maler, Jahrgang 1942, hat sich nie um Trends geschert. Als etwa an der Akademie der Bildenden Künste Wien, an der er zu den besten Aktzeichnern zählte, unter den Professoren Robin Christian Andersen, Herbert Boeckl oder Walter Eckert in den 1960er Jahren Figuration angesagt war, malte Bösch weisse Quadrate. Von damals bis heute ähnelt seine künstlerische Entwicklung einer Wellenbewegung, die zwischen Abstraktion, Figuration und auch Ornamentik changiert. Wobei sich die Grenzlinien immer mehr aufweichten. Abstraktion und Gegenständlichkeit „verbündeten“ sich bei ihm immer mehr und führten letztlich zu dieser rein kontemplativen, puren Malerei, der der Künstler heute verhaftet ist.

Nur im Neoexpressionismus respektive bei den Jungen Wilden sah Bösch einige Berührungspunkte. Vor allem die „Malwut“, die sie entfesselten, kam seinen Intentionen und seinem Temperament damals sehr entgegen. „Endlich konnte man wieder thematisch malen,“ sagt der Künstler. 

In den vergangenen 15 bis 20 Jahren kam Richard Bösch aber völlig von der Inhaltlichkeit ab. Heute geht es ihm nur noch um die Malerei selber, um Malerei pur, deren Sinn vor allem im Erleben liegt, und zwar sowohl für den Künstler als auch den Betrachter. Bis in die Jahre 2010 oder 2011 folgte Richard Bösch hier einem elementaren Prinzip, innerhalb dessen er dem Material und der Haptik einen grossen Stellenwert einräumte. Diese Gemälde sind von betont pastosem Auftrag geprägt. Bei den ganz neuen Arbeiten hingegen steht das Moment des Lyrischen im Vordergrund. 

Für den Farbauftrag verwendet er Spachteln, Pinseln und alles mögliche, was ihm gerade in die Hände fällt. Geht es jedoch um einen Schicht-für-Schicht-Auftrag, ist ihm der Pinsel wichtig, bei materialintensiven Arbeiten die Spachtel. In beiden Fällen ist es entscheidend, gesamthafte Farbkörper auf der Leinwand zu erzeugen. Es finden keine ausholenden, barocken Bewegungen mehr statt, sondern die Farbe überzieht den Bildträger wie ein geschichtetes Netzwerk. Das Bild soll den Eindruck eines schwingenden, elastischen Aggregatzustands vermitteln. Vergleichbar einem Netz, bei dem sich alles mitbewegt, wenn man an einem Ende zieht. Eigentlich repräsentieren Böschs Liniengeflechte eine in den Farbraum übertragene strukturelle Poesie. 
 

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Digital versus analog: Beide Richtungen haben ihre eigenen Merkmale, Vorteile und Herausforderungen. Hier kurz zusammengefasst noch ein paar Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser konträren Disziplinen

Bei der analogen Malerei trägt der Künstler Farbe und Stifte manuell auf die Leinwand auf, was eine einzigartige Verbindung zum Kunstwerk schafft und als bereichernd empfunden wird. Es kann auch zu unvorhergesehenen Effekten durch die Materialien kommen, die ein Teil des kreativen Prozesses und der Entstehung des Werkes sind.

Viele verbinden digitale Kunst fälschlicherweise mit computergenerierten Designs oder KI-generierter Kunst. Doch professionelle digitale Künstler setzen auf hochwertige Werkzeuge wie Grafiktablets und spezialisierte Software, um ihre Werke zu erschaffen.

Das Berühren der Leinwand, der Pinselstriche, die Beschaffenheit der Materialien, der Geruch der Farben können bei der klassischen Malerei intensive haptische und sinnliche Empfindungen bewirken. Allerdings können auch hochwertige Leinwanddrucke digitaler Werke eine fast haptische Qualität erreichen. 

Jedes traditionelle Gemälde ist ein Original und ein physisches Produkt, das nicht einfach kopiert oder in Massen produziert werden kann. 

Durch limitierte, hochwertige Leinwanddrucke können aber auch digitale Artefakte ein hohes Mass an Exklusivität erlangen. Und kleine Änderungen, z.B. eine andere Farbgebung oder zusätzliche Details, sind ohne grossen Aufwand umsetzbar. 

Sowohl traditionelle als auch digitale Kunst ermöglichen einen breiten Ausdruck und Stil. Schließlich können sich traditionelle und digitale Kunst auch gegenseitig ergänzen und das Spektrum dessen erweitern, was in der Kunst möglich ist. Während einige Künstler eine Methode gegenüber der anderen bevorzugen, experimentieren viele mit beiden, um ihre kreativen Grenzen zu erweitern.    
 

Werner Marxx Bosch vs. Richard Bösch: 
Digital vs. analog        
Galerie Villa Marxx, Schillerstr. 11, 6890 Lustenau
Anlässlich der Finissage am 4.1., 11.00 Uhr:      
Autorenlesung mit Werner Marxx Bosch und Karlheinz Pichler        
www.k12galerie.at         
Weitere Infos: Werner Marxx Bosch: +43 664 1233212