3. September 2019 - 11:00 / Ausstellung / Malerei 
6. September 2019 1. Dezember 2019

Das Herzstück der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien ist das Triptychon mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts von Hieronymus Bosch (um 1450/55 – 1516). Das dreiteilige Altarwerk zählt zu den weltweit bedeutendsten Kunstwerken der Zeit um 1500. Das Retabel gibt bis heute Rätsel auf und ist der unbestrittene Publikumsmagnet der Sammlung.

Die Ausstellungsreihe Korrespondenzen

Die Ausstellungsreihe zeigt Korrespondenzen zwischen dem Werk des niederländischen Malers und dem anderer Künstler_innen auf und setzt in regelmäßiger Folge Kunstwerke zu Boschs Weltgerichts-Triptychon in Beziehung. Es werden überraschende Verbindungen zwischen unterschiedlichen Medien und Künstler_innen sichtbar, die Perspektive auf Bosch wechselt. In der Gegenüberstellung mit Arbeiten anderer Künstler_innen – seien es Gemälde, Graphiken, Skulpturen, Videoarbeiten oder Photographien – können die Betrachter_innen immer wieder neue Facetten von Boschs Meisterwerk entdecken.

Ali Banisadr: We Work in Shadows

Ali Banisadr (geb. 1976 in Teheran / Iran) übersiedelte als Kind mit seiner Familie in die USA. Im Jahr 2000 begann er sein Studium an der School of Visual Arts in New York, in der Stadt, in der er bis heute lebt und arbeitet. Seine komplexen und großformatigen Gemälde bewegen sich zwischen Figuration und abstraktem Expressionismus. Der Künstler lässt sich von Alten Meistern wie Bosch und Bruegel ebenso inspirieren wie von Max Beckmann oder Wassily Kandinsky. Im Vergleich mit früheren Arbeiten sind nun die direkten Bezüge zur Kunstgeschichte nicht mehr fassbar und Banisadr hat zu einem ganz eigenen künstlerischen Ausdruck gefunden. Sein dynamischer Pinselstrich und die Vielfalt von Formen und Figuren schaffen Kompositionen, die oft das Chaos der Welt widerspiegeln. Die Gemälde lassen an Explosionen denken, es ist nicht klar, ob die Bewegungen im Bild von oben nach unten oder umgekehrt gerichtet sind.

Klang und Musik sind ein integraler Teil seiner Arbeit, sie beeinflussen die Art und Weise seiner Arbeit. Banisadr hat ein ausgeprägtes synästhetisches Vermögen (ein Sinn beeinflusst den anderen, das Sehen den Klang und umgekehrt). Während seiner Arbeit hört er einen inneren Klang, der ihn durch die Komposition seiner Bilder führt.

Seine Werke wurden oft mit denen von Bosch verglichen, und es ist seine Erschaffung von Welten innerhalb von Welten, die sich von einer Mikro- zu einer Makroperspektive erstreckt. Banisadrs Gemälde wirken wie die Werke Boschs sowohl aus der Nähe als auch aus der Ferne. Banisadr sieht das Erschaffen von imaginären künstlerischen Welten als Verbindungslinie zwischen seinen Arbeiten und denen Boschs: »Hieronymus Bosch erschafft diese Welten alle aus seiner Imagination, er beschäftigt sich mit unbekannten Orten der Psyche, das ist etwas, das mich ebenfalls in meiner Arbeit interessiert.« Die Ausstellung präsentiert sechs teils großformatige Gemälde von Banisadr aus den Jahren 2015, 2017, 2018 und 2019. Einige der Werke kommen direkt aus der ersten Museumsausstellung des Künstlers in Europa, die das Het Noordbrabants Museum in Boschs Geburtsstadt, ’s-Hertogenbosch, ausgerichtet hat, nach Wien. Bosch & Banisadr ist die erste museale Präsentation von Arbeiten des Künstlers in Österreich.

Text: Julia M. Nauhaus

Biographie Ali Banisadr

Ali Banisadr wurde 1976 in Teheran, Iran, geboren und lebt und arbeitet in New York. Er hat seinen Masterabschluss an der New Yorker Academy of Art erhalten und seinen Bachelor of Art an der School of Visual Arts New York.

Ali Banisadrs Werk wurde international ausgestellt, der Künstler nahm an zahlreichen Gruppenausstellungen teil, darunter Centre Pompidou, Paris (2018); The British Museum, London (2016); Museum of Contemporary Art, Los Angeles (2013); Lehmbruck Museum, Duisburg (2013); The Metropolitan Museum of Art, New York (2012) und Stedelijk Museum voor Actuele Kunst, Gent (2010).

Seine Werke befinden sich in öffentlichen und privaten internationalen Sammlungen, so unter anderem im Metropolitan Museum of Art, New York, im Museum of Contemporary Art, Los Angeles, in der Albright-Knox Art Gallery, Buffalo, im British Museum, London, im Centre Pompidou, Paris, im Museum der Moderne, Salzburg, in der Sammlung Essl, Klosterneuburg und der Sammlung Würth in Künzelsau.

2018/19 zeigte das Het Noordbrabants Museum in ’s-Hertogenbosch unter dem Titel Foreign Lands die erste Museumsausstellung des Künstlers in Europa.

Bosch & Banisadr. Ali Banisadr: We Work in Shadows
Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste Wien zu Gast im Theatermuseum
6. September bis 1. Dezember 2019

Theatermuseum
Lobkowitzplatz 2
A - 1010 Wien

W: https://www.theatermuseum.at

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  •  6. September 2019 1. Dezember 2019 /
Ali Banisadr (geb. 1976): We Work in Shadows, 2017, Öl auf Leinwand, Privatsammlung/Sperone Westwater Gallery, New York © Ali Banisadr und Sperone Westwater Gallery, New York Foto von Jeffrey Sturges
Ali Banisadr (geb. 1976): We Work in Shadows, 2017, Öl auf Leinwand, Privatsammlung/Sperone Westwater Gallery, New York © Ali Banisadr und Sperone Westwater Gallery, New York Foto von Jeffrey Sturges
Ali Banisadr: Bandit, 2015, Öl auf Leinwand, 25,4 x 20,3 cm, Privatsammlung / Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, London, Paris, Salzburg © Ali Banisadr, Foto: Jeffrey Sturges
Ali Banisadr: Bandit, 2015, Öl auf Leinwand, 25,4 x 20,3 cm, Privatsammlung / Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, London, Paris, Salzburg © Ali Banisadr, Foto: Jeffrey Sturges
Ali Banisadr: Homo Deus, Öl auf Leinwand, 2018, Courtesy Künstler und Blain | Southern © Ali Banisadr, Foto: Jeffrey Sturges
Ali Banisadr: Homo Deus, Öl auf Leinwand, 2018, Courtesy Künstler und Blain | Southern © Ali Banisadr, Foto: Jeffrey Sturges
Hieronymus Bosch, Weltgerichts-Triptychon, um 1490 - um 1505, Öltempera auf Eiche © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
Hieronymus Bosch, Weltgerichts-Triptychon, um 1490 - um 1505, Öltempera auf Eiche © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
Detail von Hieronymus Bosch: Weltgerichts- Triptychon, Detail, um 1490 – um 1505, Öltempera auf Eiche © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
Detail von Hieronymus Bosch: Weltgerichts- Triptychon, Detail, um 1490 – um 1505, Öltempera auf Eiche © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
Detail von Hieronymus Bosch: Weltgerichts- Triptychon, Detail, um 1490 – um 1505, Öltempera auf Eiche © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
Detail von Hieronymus Bosch: Weltgerichts- Triptychon, Detail, um 1490 – um 1505, Öltempera auf Eiche © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
Hieronymus Bosch, Weltgerichts-Triptychon, Detail, um 1490 - um 1505, Öltempera auf Eiche © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
Hieronymus Bosch, Weltgerichts-Triptychon, Detail, um 1490 - um 1505, Öltempera auf Eiche © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
Ali Banisadr, Photo: Julia Niebuhr
Ali Banisadr, Photo: Julia Niebuhr
Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien zu Gast im Theatermuseum, Einblick in Raum 1: Altniederländische und altdeutsche Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts, Foto © Lisa Rastl
Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien zu Gast im Theatermuseum, Einblick in Raum 1: Altniederländische und altdeutsche Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts, Foto © Lisa Rastl