15. September 2022 - 6:53 / Ausstellung / Plastik 
16. September 2022 29. Oktober 2022

Der 1966 im steirischen Bruck an der Mur geborene ehemalige Bruno-Gironcolo-Schüler und ausgebildete Soziologe Kurt Spitaler ist mit surrealen Arrangements bekannt geworden, in denen er natürliche Materialien und synthetische Gegenstände miteinander verspannt und/oder verschnürt. Diesem international tätigen Bildhauer widmet die Bludenzer Galerie allerArt den Auftakt ihres Herbstprogramms. Gezeigt werden Werke, die hauptsächlich in den letzten zehn Jahren entstanden sind. Inhaltlich kreisen die von Spitaler geschaffenen Objekte stets um dasselbe Thema: Gemeinsamkeit versus Individualismus.

Bei der Umsetzung seiner skulpturalen Installationen folgt Spitaler dem Prinzip des additiven Zusammenfügens von Alltagsgegenständen und selbstverständlich Vorgefundenem zu einem größeren Gefüge, welches den Spielraum für Interpretationen bewusst offen gestaltet. Somit wird Alltägliches in seinem Selbstverständnis hinterfragt und der Fantasie für Neues Tür und Tor geöffnet.

Unverkennbare äußere formale Merkmale des künstlerischen Vorgehens von Spitaler sind Nähte oder Verschnürungen, die an das Binden von Schuhen und Stiefeln erinnern. Auch Umwicklungen mit Garn oder Anschließungen mit Kabelbindern treten immer wieder in Erscheinung. Solche Verbindungen, die zum Beispiel mehrere Plastikkanister oder Thonetsessel zu einer multiplen Symbiose zusammenführen, erzählen in dieser komplexen Erscheinungsform weit mehr, als es die jeweiligen Ausgangsmaterialien einzeln für sich bewerkstelligen könnten. Der Bildhauer untersucht Gegenstände, entnimmt ihnen einzelne Stücke oder zerlegt sie und fügt sie mit Hilfe seiner Verbindungstechniken zu einer Gesamtheit zusammen. Er spielt dabei mit Wiedererkennungswerten genauso wie mit Verunsicherung. Die Zerbrechlichkeit des Einzelstückes, des „Individuums“ wird genauso offenkundig, wie der Halt und aber auch die Fragilität der Gemeinschaft.

Durch den Rückgriff auf simple Materialien und Formen, die jeder kennt, verleiht der Künstler seinen Gefügen auch eine gewisse Leichtigkeit. Und über die grafische Visibilität hinaus hat die Naht aufgrund ihrer Zweckdienlichkeit nicht nur eine ästhetische, sondern eben auch eine konstruktive Funktion, indem sie einzelne Elemente der Alltagswelt zu einem neuen Ganzen verbindet und „komponiert“.

Für die ganz neue Arbeit „United“ besorgte sich Spitaler einzelne, gebrauchte Hölzer aus dem Baumarkt und machte sie mit Hilfe von Gelenken, die aus dem Stück herausgearbeitet wurden, beweglich. Diese Gelenke könnte man auch als Symbol für die unterschiedlichen, zusammenhängenden Aspekte des Individuums deuten. Diese einzelnen, bewegten Hölzer werden wiederum zu einem "Haufen" gestapelt. Was als Symbol für das Miteinander in der Gesellschaft stehen könnte. Viele Individuen sind somit die Bausteine für das Zusammenleben. Wie dieses Zusammenleben aussehen kann, liegt an jedem Einzelnen, also an uns allen.

Kurt Spitaler (Plastik)
16. September bis 29. Oktober 2022
Vernissage: 15. September, 20-22 Uhr
Mi-So u. Fe 15-18

Galerie Allerart
Verein zur Förderung von Kunst und Kultur
Am Raiffeisenplatz 1
A - 6700 Bludenz

W: http://www.allerart-bludenz.at

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  •  16. September 2022 29. Oktober 2022 /
Spitaler Kurt, "Individuen", Installation © Spitaler Kurt
Spitaler Kurt, "Individuen", Installation © Spitaler Kurt
Spitaler Kurt, "instabil"  © Spitaler Kurt
Spitaler Kurt, "instabil" © Spitaler Kurt
Spitaler Kurt, "united", 2022 © Spitaler Kurt
Spitaler Kurt, "united", 2022 © Spitaler Kurt
Spitaler Kurt, "Hooked", 2022 © Spitaler Kurt
Spitaler Kurt, "Hooked", 2022 © Spitaler Kurt