25. Juni 2009 - 5:42 / Walter Gasperi / DVD Tipp
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Ein spät entdecktes Meisterwerk ist Allen Barons Film über einen Killer, der einen Auftrag erfüllen soll. – Kein Thriller, sondern eher schon eine Studie über die Einsamkeit und Sinnlosigkeit des menschlichen Lebens.

Aus dem Dunkel eines Zugtunnels taucht dieser Film auf und bevor man noch mehr als ein Scheinwerferlicht im Schwarz sieht, meldet sich die Stimme der Hauptfigur, deren innerer Monolog durch den Film führen wird. Nicht von einer glücklichen Kindheit, sondern von einer Geburt mit Hass und Wut ist hier die Rede und ansatzweise von einer tristen Jugend im Waisenhaus.

Nun fährt der Zug in einen Bahnhof von Manhattan ein und im vorweihnachtlichen New York soll Frank Bono einen Gangster-Boss beseitigen. So knapp die Exposition ist, so knapp ist die Erzählweise. Ganz fokussiert auf den vom Regisseur Allen Baron selbst gespielten Killer ist der Film und Dialoge werden weitgehend durch seinen inneren Monolog ersetzt. Das ist nicht nur ein Kunstgriff, sondern bringt auch eindringlich seine existentielle Einsamkeit zum Ausdruck.

Eiskalt erledigte Frank bislang seine Jobs, wie ein Ingenieur oder Architekt – der Hinweis hebt den Film auch über das Killer-Milieu hinaus und macht ihn zur Anfrage an die Sinnhaftigkeit auch des bürgerlichen Lebens –, wird sich jetzt aber in der Begegnung mit einer einstigen Bekannten seiner Einsamkeit und der Sinnlosigkeit seines Daseins bewusst. Gefühle mischen sich so in sein Handeln, der Auftrag hat darunter zu leiden und "Ein Mörder, der nicht mehr mordet, wird ermordet" wie nicht nur das DVD-Cover, sondern auch Frank Bono selbst erklärt.

In bestechendem Schwarzweiß fotografiert, dokumentarisch die Straßen und Hinterhöfe von New York einfangend und ein Spiel von Licht und Schatten, von Hell und Dunkel entfaltend entwickelt Barons 1961 gedrehter Film unterstützt von melancholischem Jazz eine Stimmung der Vergeblichkeit und Verlorenheit, die unmittelbar an Jean-Pierre Melvilles sechs Jahre später entstandenes Meisterwerk "Le samourai" denken lässt.

Ein mit 75 Minuten äußerst knapper, allein schon durch die Erzählweise harter und emotionsloser Film – Genrekino, das gerade in seiner Schnörkellosigkeit weit über das Genre hinausreicht und konsequent und unerbittlich eine Weltsicht zum Ausdruck bringt – sei die auch noch so verzweifelt und hoffnungslos.

So spartanisch wie der Film ist freilich die DVD-Edition von Alamode, die neben dem Film in englischer und deutscher Fassung sowie deutschen Untertiteln nur einen Audiokommentar des Regisseurs und den Kinotrailer bietet.



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Blast of Silence - Explosion des Schweigens (Allen Baron; USA, 1961)
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