28. Januar 2020 - 5:58 / Ausstellung / Gegenwartskunst 
30. Januar 2020 13. April 2020

Noch nie war es um die Artenvielfalt und unser globales Ökosystem so schlecht bestellt wie heute. Intensive landwirtschaftliche Nutzung, Großflächige Bodenversiegelung, Erderwärmung, Ausbeutung von Flora und Fauna, führen zu einem rasanten Verlust an Lebensraum.

Laut dem aktuellsten Bericht des Weltbiodiversitätsrats ist eine Million Tier- und Pflanzenarten weltweit vom Aussterben bedroht. In Österreich findet sich fast jede dritte heimische Pflanzen- und Tierart auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Währen sich das dramatische Artensterben weiter beschleunigt und damit das natürliche ökologische Gleichgewicht der Erde für immer zu verschwinden droht, entwickelt der Mensch eine neue "Spezies": intelligente Maschinen.

Für das Kunst Haus Wien kreiert Claudius Schulze eine raumspezifische Installation, die diese beiden epocheprägenden Entwicklungen zusammenführt: den Verlust an Biodiversitat einerseits und die Erschaffung neuer Lebensformen durch Künstliche Intelligenz und Bionik andererseits. Die Natur wird zunehmend in Bits und Bytes übersetzt. Miniatur-Drohnen könnten bald zum Bestäuben von Nutzpflanzen eingesetzt werden. Parallel dazu geht aber die Lebensgrundlage für hunderttausende Lebewesen verloren. Können Künstliche Intelligenz und Bionik dazu beitragen, Umweltprobleme zu lösen? Oder werden die Vorbilder aus der Natur verschwunden sein, bevor IngenieurInnen und ProgrammiererInnen von ihnen lernen konnten? Werden intelligente Maschinen zu einer neuen Spezies?

Der Ausstellungstitel nimmt Bezug auf zwei berühmte Experimente wie das sowjetische "BIOS-3" in Sibirien (1972-84) und "Biosphere 2" in Arizona (1991-94), die versuchten, ein künstliches und von der Außenwelt unabhängiges, geschlossenes Ökosystem zu schaffen - beide scheiterten. "Biosphäre X" beschreibt einen Lebensraum, in dem autonome, bionische Maschinen mit der Natur koexistieren. Mittels großformatiger Fotografien, 3D-Scans, Animationen und einer eigenen Künstlichen Intelligenz thematisiert Claudus Schulze die Zukunft unserer Biosphäre.

Die biologische Vielfalt und ein ausgewogenes globales Ökosystem sind für das Überleben der Menschheit essenziell. Zwei Drittel der Erdoberfläche werden durch den Menschen genutzt, das heißt, dass den Tieren und Pflanzen immer weniger Platz bleibt. Heute kämpfen 24% aller Säugetiere um ihr Überleben. 41% der Amphibien, 29 % der Reptilien und 23 % der Fische sind bedroht - und diese Abwärtsspirale geht unaufhaltsam weiter. In Österreich werden bereits 40% der Säugetiere und Vögel auf der Roten Liste geführt. Das dramatische Artensterben ist heute um ein Hundertfaches höher als im Durchschnitt der letzten zehn Millionen Jahre. Die wesentlichen Gefährdungen für die Biodiversität sind die Erderwärmung, die Ausbreitung gebietsfremder invasiver Arten, der überbordende Einsatz von Düngermittel- und Pestiziden sowie die großflächige Bodenversiegelung durch Siedlungs- und Infrastrukturbaumaßnahmen.

Die Werke von Claudius Schulze (geb. 1984) haben Natur, Technologie und die Auswirkungen des Globalen Wandels zum Thema. Für Schulze ist der Prozess der Recherche und des Erforschens ein zentraler Bestandteil seines künstlerischen Schaffens.

Biosphäre X
30. Jänner bis 13. April 2020
Kuratorin: Sophie Haslinger

Kunst Haus Wien
Untere Weißgerberstraße 13
A - 1030 Wien

W: http://www.kunsthauswien.com/

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  •  30. Januar 2020 13. April 2020 /
Claudius Schulze, TQ1066-RP5013.18, Historische Hummelsammlung. Entomologischer Verein Krefeld, 2018 © Claudius Schulze
Claudius Schulze, TQ1066-RP5013.18, Historische Hummelsammlung. Entomologischer Verein Krefeld, 2018 © Claudius Schulze
Claudius Schulze, TQ1066-RP5013.18, Zeitgenössische Hummelsammlung. Entomologischer Verein Krefeld, 2018 © Claudius Schulze
Claudius Schulze, TQ1066-RP5013.18, Zeitgenössische Hummelsammlung. Entomologischer Verein Krefeld, 2018 © Claudius Schulze
Claudius Schulze, RB10844-RP50069.18, Weitspektrum Aufnahme urbaner Wildnis, Amsterdam, 2018 © Claudius Schulze
Claudius Schulze, RB10844-RP50069.18, Weitspektrum Aufnahme urbaner Wildnis, Amsterdam, 2018 © Claudius Schulze
Claudius Schulze, WD2350-RP0469.18, Dr.ir. Matěj Karásek mit autonomer bionischer Drohne, 2018 © Claudius Schulze
Claudius Schulze, WD2350-RP0469.18, Dr.ir. Matěj Karásek mit autonomer bionischer Drohne, 2018 © Claudius Schulze