6. Dezember 2011 - 2:19 / Ausstellung 
23. März 2011 31. Dezember 2011

Das Kunstmuseum Winterthur hat in den letzten Jahrzehnten eine Sammlung neuerer amerikanischer Kunst aufgebaut, in der einige der bedeutendsten seit 1960 tätigen Künstlerinnen und Künstler vertreten sind. An der konzentrierten, hier gezeigten Werkauswahl wird das Neuartige sichtbar, das die amerikanische Kunst von der europäischen Abstraktion absetzt, nämlich die Verselbständigung der einzelnen Teile des Werks, etwa von Farbe und Bildträger, das Insistieren auf der Bedeutung jeder einzelnen materiellen Setzung und zugleich eine Tendenz zur formalen Vereinheitlichung und Objektivierung der Bildelemente.

Exemplarisch zeigt sich dies am Werk von Robert Ryman: ein unbegrenztes Spektrum von malerischen Möglichkeiten eröffnet sich dem Künstler, der sich zum Ziel setzt, jeden Schritt beim Malen eines Bildes, von der Bestimmung des Malgrundes mit seinen Begrenzungen über den Farbauftrag bis zur Aufhängung, in seiner eigenwertigen visuellen Qualität in die Arbeit einzubeziehen. Bei John Chamberlain, bei Michael Venezia und im Frühwerk von Lawrence Weiner werden Farbauftrag und Bildträger als separate Einheiten innerhalb des zeitlich definierten Malprozesses thematisiert. Der Ablauf des Malvorgangs korrespondiert mit der Erfahrung des Betrachters, der einem Bild gegenübersteht und sich mit seiner Wahrnehmung an denselben Abläufen zu messen hat.

Robert Mangold ging in seinen frühen Bildern von einer Beobachtung aus, die ihn in New York faszinierte, nämlich von den Negativformen, die von den Zwischenräumen zwischen den Gebäuden gebildet wurden. Aus diesen architektonischen Leerformen konzipierte er flächige Bilder, die er als Teil der Wand verstand. Eine zeitnahe Arbeit von Sylvia Plimack Mangold zeigt eine weitere Interpretation des Bildes als gefundener Form.

Bei Eva Hesse oder Neil Jenney wurde das Bild zum Relief, indem die Formen aus der Fläche in den Raum traten und sich verselbständigten. Der Bildkörper kann Farbe und Zeichnung vereinen – bei Richard Tuttle –, und umgekehrt kann ein skulpturales Element trügerisch bildhafte Züge erhalten – bei Richard Artschwager. In den 1990er Jahren realisierte der Bildhauer Fred Sandback eine Werkgruppe, für die er Linien in Kartonflächen schnitt. Diese Linien erzeugen weder Bilder noch suggerieren sie solche, sie sind reale Fakten wie die von Sandback im Raum gespannten Fäden, sie sind wie Spuren oder Schatten davon.

KünstlerInnen: Richard Artschwager, John Chamberlain, Eva Hesse, Neil Jenney, Robert Mangold, Sylvia Plimack Mangold, Robert Ryman, Fred Sandback, Richard Tuttle, Michael Venezia, Lawrence Weiner

Bild/Objekt
Neuere amerikanische Werke aus der Sammlung
23. März bis 31. Dezember 2011

Kunstmuseum Winterthur
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Robert Mangold; Sketch for Pink Area, 1965. Ölfarben auf Holzfiberplatte, Kunstmuseum Winterthur
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Robert Mangold; 1/2 Manila Curved Area, 1967. Ölfarbe auf Faserplatte, Kunstmuseum Winterthur
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Eva Hesse; Pink, 1965. Silber- und Lackfarbe, Holz, Kunststoffmasse, bemalte Gummibänder mit Stoffverkleidung und Metallbolzen auf Hartfaserplatte. Kunstmuseum Winterthur, Geschenk der Volkart Stiftung, 2009