Bild und Macht – Zeppelin-Fotografie im Fokus

Die Ausstellung „Bild und Macht. Zeppelin-Fotografie im Fokus“ im Zeppelin-Museum in Friedrichshafen untersucht erstmals umfassend den Zeppelin als Motiv in der Fotografie.

Damit setzt sie einen neuen Ausgangspunkt in der Auseinandersetzung mit der visuellen Geschichte des Luftschiffs. Sie zeigt, wie das Bild des Zeppelins im Kaiserreich, in der Weimarer Republik und in der NS-Diktatur als Werkzeug politischer Propaganda eingesetzt wurde. Als Sinnbild für die Eroberung des Himmels, technologische Überlegenheit, militärische Macht und globale Vernetzung wurde der Zeppelin zum Träger eines imperialen Machtanspruchs.

Anhand dieser gezielten medialen Inszenierung stellt das Zeppelin Museum in der Ausstellung die hochaktuelle Frage nach der Macht der Bilder. Zeitgenössische künstlerische Positionen greifen das historische Bildmaterial auf und arbeiten mit dem Bildarchiv des Museums. Die Künstler:innen Aziza Kadyri, Christelle Oyiri und das Kollektiv Ebb.global & Neïl Beloufa dekonstruieren tradierte Narrative, stellen deren visuelle Sprache infrage und drehen das Archiv im übertragenen Sinne auf links. So fordern sie den kritischen Umgang mit der Bildgeschichte des Zeppelins und eröffnen neue Perspektiven.

Darüber hinaus wird der Blick auf Bilder als Informationsträger geschärft. Thematisiert werden deren Wahrheitsgehalt sowie die Methoden und Strategien der Bildmanipulation. Ziel der Vermittlungsarbeit des Museums ist es, die Medienkompetenz der Besucherinnen und Besucher zu fördern und einen reflektierten Umgang mit Bildern zu stärken.

Die Ausstellung präsentiert den einzigartigen Bestand historischer Fotografien aus dem Archiv des Zeppelin Museums. Sie untersucht, wie Bilder des Zeppelins im Laufe des 20. Jahrhunderts dazu verwendet wurden, ideologische Botschaften zu transportieren und die öffentliche Wahrnehmung zu beeinflussen. Denn zwischen 1900 und 1940 wurde der Zeppelin zum Symbol für die Eroberung des Himmels, militärische Überlegenheit, technische Innovation und globale Vernetzung stilisiert. In allen drei politischen Systemen seiner Zeit – dem Kaiserreich, der Weimarer Republik und der NS-Diktatur – diente das Bild des Luftschiffs als machtvolles Propagandamittel, das die politischen Ziele der jeweiligen Regierungen unterstützte und die Bevölkerung für die Vision einer aufstrebenden, machtorientierten Nation zu gewinnen versuchte. Bild und Macht. Zeppelin-Fotografie im Fokus legt in Zeiten von Deepfakes und Desinformation die Parallelen dieser systematischen Instrumentalisierung von Bildern offen und zeigt die Kontinuität strategischer Machtvisualisierungen.

Ergänzt wird die Ausstellung durch neue Werke der international tätigen zeitgenössischen Künstlerinnen Aziza Kadyri, Christelle Oyiri und des Kollektivs Ebb.global & Neïl Beloufa. Diese Arbeiten sind in Auseinandersetzung mit der einzigartigen Fotosammlung des Zeppelin Museums entstanden und eröffnen neue Perspektiven. Aziza Kadyri deutet den Zeppelin als mythisches Wesen um. Durch den Einsatz von KI löst sie sich von westlichen Blickregimen und entzieht den Zeppelin der Deutung als Sinnbild für Macht, Maskulinität und Fortschritt. Das Kollektiv Ebb.global & Neïl Beloufa widmet sich der Untersuchung propagandistischer Logiken, indem es den Zeppelin als Propaganda-Maschine entlarvt. Ihre Arbeit nutzt KI als Werkzeug, um die Mechanismen der Macht visuell zu übersteigern und satirisch zu hinterfragen. In einer interaktiven Installation wird das Publikum direkt in diese kritische Auseinandersetzung eingebunden. Christelle Oyiri fokussiert sich auf die Inszenierung von Bild- und Medienmacht und untersucht die Reizüberflutung der Rezipient:innen durch visuelle Strategien aus der Popkultur. Anhand des Hindenburg-Unglücks thematisiert sie auch die dramatische Wirkung von Bildern, die in ihrer Ästhetik und suggestiven Macht gleichzeitig überfordernd wirken. Damit stellt sie die Frage nach der Verantwortung der Medien und ihrer Bildproduktion.

Im Dialog mit den historischen Exponaten dekonstruieren die künstlerischen Positionen visuelle Herrschaftsstrategien, hinterfragen die Bedeutung nationaler Symbole und öffnen das Bildarchiv für marginalisierte Perspektiven. Jede der Arbeiten trägt dazu bei, ein differenziertes Verständnis von Bildproduktion und traditionellen Bildregimen zu entwickeln, und regt dazu an, die Bedeutung und Instrumentalisierung von Bildern kritisch zu hinterfragen.

Die Ausstellung bietet einen tiefgehenden Einblick in die Geschichte der Zeppelinfotografie und fordert eine Reflexion über die heutige Bildkultur und die Macht visueller Medien. Sie zeigt, wie Bilder seit jeher als Werkzeuge der Machtausübung dienten und auch heute noch unsere Wahrnehmung und Interpretation der Welt prägen.

Bild und Macht. Zeppelin-Fotografie im Fokus
Erweitert durch zeitgenössische künstlerische Positionen von Aziza Kadyri, Christelle Oyiri und dem Kollektiv Ebb.global & Neïl Beloufa.
Bis zum 12. April 2026.