21. Juni 2010 - 2:39 / Bühne / Schauspiel 

Am Mittwoch, den 31. März 2010, feierte mit "Volpone", dem 1606 geschriebenen, bekanntesten Stück des englischen Dramatikers Ben Jonson, eine Inszenierung von Werner Düggelin im Pfauen Premiere. Die Rolle des Volpone spielt André Jung, der in dieser Spielzeit bereits als Krapp in "Das letzte Band" auf der Pfauenbühne zu sehen war. Ben Jonson, der sich als realistischer Antipode zu seinem Zeitgenossen und Landsmann William Shakespeare verstand, blickt in "Volpone" illusionslos auf eine Gesellschaft, die sich allein über Macht, Geld und Besitz definiert.

Der Anfang ist ein Liebesgedicht – an das Geld: "Ich grüsse dich, mein Reichtum", hebt der venezianische Privatier Volpone, genannt "der Fuchs", beim Anblick seiner Schätze an und fährt mit religiöser Inbrunst fort: "Ich verneige mich vor deiner Macht. Für dich verkaufen die Menschen ihre Seelen, für dich verkaufen sie den Himmel, für dich gehen sie in die Hölle."

Durch den Himmel der Verheissungen und die Hölle der Enttäuschungen schicken Volpone und sein Diener, der "Parasit" Mosca, bald die Besucher ihres Hauses. Volpone gibt sich sterbenskrank und lockt damit Erbschleicher an, die mit Geschenken um seine Gunst buhlen. Ein Rentner, ein Anwalt und ein Kaufmann – sie tragen die sprechenden Spitznamen Rabe, Geier und Aaskrähe – fallen dabei ihrer blinden Gier zum Opfer; der Kaufmann ist sogar bereit, die Unschuld seiner schönen jungen Frau zu opfern... Und Volpone? Er sagt: "Mich reizt der Erwerb, nicht der Besitz". Er hat nur gespielt und am Ende verspielt er sich gar selbst.

In seiner menschlichen Tierfabel "Volpone oder Der Fuchs" spiesste der elisabethanische Autor Ben Jonson (1572 – 1637), populärer als der zeitgleich wirkende Shakespeare, die menschlichen Abgründe seiner Landsleute mit spitzer Feder auf. Seine Moral kennt keine Helden. Volpone und Mosca, die aus Betrügern Betrogene machen, sind selbst alles andere als moralische Instanzen. So ist "Volpone" ein Spiel mit Wünschen, aber ohne Illusionen.

Mit Werner Düggelin inszeniert eine Legende des Schweizer Theaters den "Volpone". Er wurde 1929 in Siebnen im Kanton Schwyz geboren und arbeitete bereits während seines Germanistikstudiums an der Universität Zürich als Beleuchter am Schauspielhaus. In den 1950er Jahren erlernte er in Paris die Theaterregie. Er war einer der ersten deutschsprachigen Regisseure, die Stücke von Samuel Beckett, Eugene Ionesco, Georges Schehadé, Albert Camus, Jean Genet und Paul Claudel in deutscher Sprache inszenierten. Von 1968 bis 1975 war Werner Düggelin Künstlerischer Direktor des Theater Basel. Seitdem arbeitet er als freier Regisseur an den grossen deutschsprachigen Theatern. In den letzten Jahren inszenierte er regelmässig am Theater Basel ("Lieblingsmenschen", "Der Fremde" und in der Saison 2009/10 "Die kahle Sängerin") sowie am Schauspielhaus Zürich. Hier waren zuletzt seine Inszenierungen von Molières "Don Juan" und Camus’ "Die Gerechten" zu sehen.

André Jung wurde 1953 in Luxemburg geboren. Nach der Schauspielausbildung in Stuttgart war Jung an diversen Theatern engagiert, darunter am Theater Basel (1988-1993), am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg (1993-2000) und am Schauspielhaus Zürich (2000-2004). Seit 2004 ist er Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. André Jung wirkte in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen mit und wurde von der Fachzeitschrift "Theater heute" 1981 und 2002 zum Schauspieler des Jahres gewählt. Im Jahr 2000 erhielt er den Schauspielpreis der Hamburgischen Kulturstiftung und 2009 den Nestroy-Preis als bester Schauspieler. Am Schauspielhaus Zürich spielte André Jung zuletzt in "Das letzte Band/Bis dass der Tag euch scheidet", "Die Möwe", "Onkel Wanja" und "Elementarteilchen".

Volpone
von Ben Jonson
Regie: Werner Düggelin

Mit:
Volpone André Jung
Mosca Johannes Zirner
Voltore Ludwig Boettger
Corbaccio Siggi Schwientek
Corvino Markus Scheumann
Bonario Franz Beil
Celia Carolin Schär

Weitere Vorstellungen:

3./ 5./ 13./ 18./ 22./ 28. April 2010
6./ 8./ 18./ 26./ 27. Mai 2010
3./ 13./ 16./ 17./ 26./ 27. Juni 2010

Schauspielhaus Pfauen
Rämistrasse 34
CH - 8001 Zürich

W: http://www.schauspielhaus.ch/

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  •  31. März 2010 27. Juni 2010 /
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André Jung, Markus Scheumann
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André Jung, Johannes Zirner
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André Jung