Die Einzelausstellung im Künstlerhaus Bregenz präsentiert bis zum 14. Juni 2026 die Werkschau "Zufälle, Einfälle, Fügungen" des in Vorarlberg geborenen Künstlers Bernhard Kathan.
In der Ausstellung werden 57 Projekte dokumentiert, die meist in Zusammenarbeit mit anderen Künstlerinnen und Künstlern entstanden sind – so zum Beispiel Martin Breindl, Günter Gstrein, Jeannot Schwartz, Saba Skabernè, Andrea Sodomka und Günther Zechberger.
Anstelle von Gemälden, Fotografien oder Installationen im herkömmlichen Sinn werden Artefakte von Projekten gezeigt, die mit künstlerischen Mitteln realisiert wurden, ohne dabei stets als Kunst erkennbar gewesen zu sein. Ohne klare Urheberschaft oder Erklärungen angelegt, sollten sie Wahrnehmungen irritieren und Deutungen hinterfragen. Im Ausstellungskontext werden nun ergänzende Hinweise gegeben, um die Arbeiten zugänglich zu machen. Kathans Ansatz verbindet Kunst und Wissenschaft, ist prozesshaft angelegt und lädt dazu ein, über die Rolle von Kunst in einer sich wandelnden Welt nachzudenken.
„Denkt man an eine Ausstellung, dann an Kunst, also an Gemälde, Fotografien, Objekte, Installationen und dergleichen. Kunstwerke im eigentlichen Sinn sind hier nicht zu sehen, nur Artefakte von Projekten, die mit Mitteln der Kunst auf diese oder jene Weise durchgeführt wurden. Die meisten der hier erwähnten Projekte waren nicht als Kunst kenntlich. Sie wurden auch nie erklärt, mag ich auch mit Textsorten gearbeitet haben. Oft genug fehlte jeder Hinweis auf den oder die Urheber. Die Projekte sollten sich selbst behaupten, im besten Fall manche Sichtweisen brechen, Deutungen des jeweiligen Publikums unterlaufen. In einem musealen Kontext funktioniert das nicht, sind doch die ursprünglichen Orte wie die sozialen Felder abhanden gekommen. Zwangsläufig muss ich mir gesetzten Regeln zuwiderhandeln und einige Hinweise geben, etwa Angaben zur jeweiligen Projektgeschichte machen. Aber ich hoffe doch, dass sich die eine oder andere Frage aufdrängen wird, etwa zu den Möglichkeiten von Kunst in unserer sich dramatisch verändernden Welt.“ Bernhard Kathan
Bernhard Kathan wurde 1953 in Fraxern geboren und lebt heute in Innsbruck. Er studierte Philosophie, Erziehungswissenschaft und Psychologie in Innsbruck. In seinen wissenschaftlichen Projekten beschäftigte er sich vor allem mit kulturanthropologischen Fragen, beispielsweise mit dem sich wandelnden Scherz- und Todesverständnis, mit Mensch-Maschinen-Koppelungen, mit räumlichen Anordnungen, die der Verhaltenssteuerung dienen, mit der Organisation sinnlicher Wahrnehmung usw. In seinen Projekten durchdringen sich wissenschaftliche und künstlerische Zugangsweisen, wobei Mitakteuren wie Rezipienten eine gestaltende Funktion zukommt und die Betonung mehr auf dem Prozesshaften als auf dem Endergebnis liegt. Er betrieb dreißig Jahre lang in Fraxern das „Hidden Museum”, einen Raum, der dazu diente, drängende Fragen modellhaft durchzuspielen. Bernhard Kathan lebt und arbeitet in Innsbruck.
Einige seiner Buchpublikationen:
- Das Elend der ärztlichen Kunst. Eine andere Geschichte der Medizin, Kadmos Kulturverlag, Berlin 2002;
- Zum Fressen gern. Zwischen Haustier und Schlachthof, Kadmos Kulturverlag, Berlin 2003;
- Strick, Badeanzug, Besamungsset. Ein Nachruf auf die kleinbäuerliche Kultur, Studienverlag, Innsbruck 2006;
- Nichts geht verloren, Libelle Verlag, Lengwil 2006;
- Das indiskrete Organ. Organverpflanzungen in der Literatur, Studienverlag, Innsbruck 2008;
- Schöne neue Kuhstallwelt, Martin Schmitz Verlag, Berlin 2009;
- Hungerkünstler, Limbus Verlag, Innsbruck 2010;
- Stille, Limbus Verlag, Innsbruck 2012;
- Wir sehen Tiere an, Limbus Verlag, Innsbruck 2014;
- „… alles eine Fortsetzung von Dachau und Mauthausen?“ Die Briefe des österreichischen Publizisten Nikolaus Hovorka, newacademicpress Wien 2018.
Martin Sexl hielt dazu folgende Laudatio: „Bernhard Kathan ist kein Schriftsteller, aber er kann schreiben; er ist kein Künstler, aber er kann malen; er ist kein an der Universität verankerter Wissenschaftler, aber er schafft erfolgreich wissenschaftliches Wissen; er ist kein Verleger, führte aber erfolgreich einen Verlag; er ist kein Kurator, aber er kann kuratieren; er ist kein Museumspädagoge, aber er betreibt erfolgreich ein Museum. Vor 200 Jahren hätte man vielleicht gesagt: Bernhard Kathan ist ein Gelehrter, aber er lehrt und belehrt nicht, sondern verfolgt mit Hartnäckigkeit, Präzision und Ruhe seine Projekte. Er hat nicht den Anspruch, jemanden zu überzeugen, und dadurch gewinnen seine Arbeiten eine überzeugende Intensität. Die Tiefe und die Breite seines Schaffens verlangen Respekt, ja Bewunderung, aber da Bernhard Kathan völlig frei von Narzissmus ist, kann er – ohne Publikumserwartungen zu berücksichtigen – Bewunderung ignorieren und Perspektiven einnehmen, die weit ab vom Mainstream liegen.“
Bernhard Kathan
Zufälle. Einfälle. Fügungen
bis 14.06.2026