6. September 2008 - 4:17 / Ausstellung / Archiv 
6. September 2008 9. November 2008

Istanbul war nicht immer Istanbul. Die Stadt am Bosporus hieß auch schon Byzantion, Konstantinopel, in der Mitte der byzantinischen Periode nannte man sie schlicht Polis und in ottomanischer Zeit hieß sie Kostantiniyye, Islambol, Dersaadet. Jede fortwährende toponymische Veränderung ging dabei stets mit einem radikalen Verwandlungsprozess des urbanen Raumes und seiner sozialen Bedeutung einher.

Das Deutsche Architekturmuseum DAM, Frankfurt am Main, zeigt vom 6. September bis 9. November 2008 in Zusammenarbeit mit der Garanti Galeri (GG, Istanbul) die Ausstellung "Becoming Istanbul". Im Mittelpunkt der Schau steht eine interaktive Datenbank, die von den Besuchern eigenhändig gesteuert wird. Gespeist wird die projizierte Präsentation durch einen Fundus von Beiträgen zahlreicher Fotografen, Künstler, Architekten, Autoren, Illustratoren und Forscher, die über Istanbul nachgedacht haben, dort arbeiten und Werke geschaffen haben, die sich der Stadt aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln annähern.

Seit dem Ende des 19 . Jahrhunderts entwickelt sich aus der topografisch klar hierarchisierten und geordneten Stadt ein dynamisches, urbanes Gebilde, das sich aus zahllosen Parametern von Individualitäten, Präferenzen, Ausdrucksformen, Interessen, Gruppierungen und Abspaltungen formte. Die Stadt machte sich den Pluralismus der Metropole zu Eigen. Sie wurde zu einer Umgebung der spontanen Freiheit, in der die Unterdrückung der wiederkehrenden totalitären Ordnungen auf den typischen Pluralismus der Metropole stieß. Dieses Charakteristikum der Stadt tritt über die Zeit immer stärker zutage – aus heutiger Sicht verwundert es, dass sie sich dabei einem einzelnen Namen unterwarf, obwohl sie sich pluralistischen Äußerungsformen öffnete.

Unter den im Umlauf befindlichen Namen war die allgemeine Bezeichnung Istanbul am wenigsten politisch, religiös oder ethnisch. Sie entwickelte sich zu einer Kategorie, in der sich zahllose Existenzen und Bedeutungen herausbildeten und unter einem einzigen Namen nebeneinander bestehen konnten. Vor allem während der Phase der Homogenisierung, die in den 1920er Jahren begann, aber auch den 1980er Jahren, in der die Stadt pluralistisch und kosmopolitisch wurde, hat sie ihre vielen alten Namen vergessen.

Die Ausstellung, die im Rahmen der Frankfurter Buchmesse und ihrem diesjährigen Gastland Türkei stattfindet, wird von Pelin Dervis (Direktorin Garanti Galeri, Istanbul) sowie den Architekten und Architekturhistorikern Bülent Tanju und Ugur Tanyeli kuratiert. Zur Ausstellung erscheint ein enzyklopädisch angelegtes Katalogbuch, das die urbane Verwandlung Istanbuls über die letzten anderthalb Jahrhunderte aus ganz unterschiedlich Perspektive thematisiert.


Becoming Istanbul
6. September bis 9. November 2008

Deutsches Architekturmuseum
Schaumainkai 43
D - 60596 Frankfurt am Main

T: 0049 (0)69 212-38844
F: 0049 (0)69 212-37721
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City walls, 2008. Photograph: Oguz Meriç
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Maslak, 2007. Photograph: Oguz Meriç
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Maslak, 2007. Photograph: Oguz Meriç
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Maslak, 2007. Photograph: Oguz Meriç