4. September 2019 - 4:11 / Ausstellung / Sonstige 
20. September 2019 12. Januar 2020

Das Bauhaus, gegründet 1919 in Weimar nach Ende des Ersten Weltkrieges, war aus dem Aufbruch der deutschen Novemberrevolution als eine Schule für Gestaltung neuer Art hervorgegangen. Am Bauhaus versammelte sich mit seinen Lehrenden und Studierenden eine Generation, die mit der nationalistischen, militaristischen und obrigkeitsstaatlichen Vergangenheit abschliessen wollte. Die künstlerischen und gestalterischen Avantgarden und ihre radikalen pädagogischen Ideen prägten die Weimarer Republik als erste demokratische Gesellschaft Deutschlands. Mit der Umgestaltung der Umwelt in der Verbindung von Kunst, Handwerk, Gestaltung und Architektur sollten auch bestehende gesellschaftliche Verhältnisse reformiert werden. Neue gestalterische Praktiken, Arbeitsweisen und Lebensformen zielten dabei auf die Befreiung von allem Nutzlosen.

Das Bauhaus war seit seiner Gründung ein kosmopolitisches Projekt. Bauhäusler*innen unterhielten Verbindungen in die ganze Welt. bauhaus imaginista schlägt eine neue Lesart des Bauhauses als globaler Resonanzraum vor: Das Forschungs- und Ausstellungsprojekt versteht das Bauhaus als Teil einer Moderne, die aus der Begegnung und dem Austausch verschiedener Kulturen ihre Impulse bezog. Hier ist der Transfer von Ideen keine Geschichte von Einfluss und Wirkung, sondern der internationalen Verflechtung. Dabei geht die Ausstellung den länderübergreifenden Beziehungen, Korrespondenzen und Migrationsgeschichten nach, die auch nach der Schliessung der Schule durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 andauerten.

Wir verorten das Bauhaus im internationalen Kontext ähnlich gesinnter Vorhaben und diskutieren avantgardistische Kunstschulen in Indien und Japan als Parallelgeschichten moderner Bildungsreformen. Gleichzeitig thematisiert die Ausstellung das Studium vormodernen Handwerks am Bauhaus und von Bauhäusler*innen im nord- und mittelamerikanischen Exil sowie die Politisierung der Bauhaus-Ideen im postrevolutionären Mexiko und im postkolonialen, unabhängigen Marokko und Brasilien. Die Schau weist auf Übersetzungen von Gestaltungsansätzen des Bauhauses in China, Nigeria und in der Sowjetunion. Sie zeigt ebenso wie der innovative Gebrauch von Medien am Bauhaus Gegenwartskunst und Popkultur bis heute prägt.

Vier Kapitel, die in den vergangenen zwei Jahren in unterschiedlichen Formaten wie Ausstellungen, Workshops und Konferenzen in Hangzhou, Kyoto und Tokio, São Paulo, Lagos, Delhi, New York, Moskau sowie Berlin erarbeitet wurden, gehen jeweils von einem konkreten Bauhaus-Objekt aus: dem Bauhaus-Manifest von 1919, einer Werbeanzeige von Marcel Breuer, einer Zeichnung von Paul Klee und dem reflektorischen Lichtspiel von Kurt Schwerdtfeger. Diese Objekte sind Ausgangspunkte für spezifische Fragestellungen von bauhaus imaginista, über die transnationale Bezüge, Kontexte und Querverweise zu zeitgenössischen Debatten geschaffen werden.

bauhaus imaginista ist eine Zusammenarbeit zwischen der Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar, dem Goethe-Institut und dem Haus der Kulturen der Welt, Berlin. Das Forschungsprojekt mit verschiedenen Ausstellungsstationen findet anlässlich des 100-jährigen Gründungsjubiläums des Bauhauses statt. bauhaus imaginista wurde ermöglicht durch Mittel der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die Kulturstiftung des Bundes unterstützt die Ausstellung in Berlin, das Auswärtige Amt die Auslandsstationen. Die Ausstellung wird für das Zentrum Paul Klee erweitert.

bauhaus imaginista
20. September 2019 bis 12. Januar 2020

Zentrum Paul Klee
Monument im Fruchtland 3
CH - 3000 Bern

T: 0041 (0)31 35901-01
F: 0041 (0)31 35901-02
E: kontakt@zpk.org
W: http://www.zpk.org/

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  •  20. September 2019 12. Januar 2020 /
Takehiko Mizutani: Studie zum Simultankontrast aus dem Unterricht von Josef Albers, 1927. Deckfarbe auf Karton, 76.5 x 55.5 cm;© Bauhaus-Archiv Berlin. Foto: Markus Hawlik
Takehiko Mizutani: Studie zum Simultankontrast aus dem Unterricht von Josef Albers, 1927. Deckfarbe auf Karton, 76.5 x 55.5 cm;© Bauhaus-Archiv Berlin. Foto: Markus Hawlik
University of Ife in Ile-Ife, Nigeria, von den Architekten Arieh Sharon und Eldar Sharon; © Arieh Sharon Digital Archive
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Kurt Schwerdtfeger: Reflektorische Farblichtspiele, 1922. Lichtperformance, Detailfoto des rekonstruierten Apparats von 2016; Courtesy of Microscope Gallery and Kurt Schwerdtfeger Estate\r\n, © 2016 Microscope Gallery
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Robyn Beeche, Vidal Sassoon: Bauhaus; Make-up by Phyllis Cohen, 1986. Fotografie (Reproduktion); Robyn Beeche Foundation, Australia
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Hélio Oiticica: Metaesquema, 1957. Gouache auf Karton, 45.2 x 54 cm; Daros Latinamerica Collection, Zürich, © Peter Schälchli, Zürich
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