Bauernkrieg 1626 – Zwischen Geschichte und Fiktion

Die Ausstellung im Schlossmuseum Linz thematisiert den Bauernkrieg von 1626 aus der Perspektive des 21. Jahrhunderts. Dabei werden Geschichte und Erinnerung nicht als unveränderliche, starre Konstanten betrachtet, sondern als veränderbare Erzählungen sichtbar gemacht.

Die von Konstantin Ferihumer kuratierte Ausstellung zeigt die Vor- und Kontextbedingungen, die zum bewaffneten Aufstand im „Land ob der Enns“ (dem heutigen Oberösterreich) führten. Sie bietet Einblick in die von multiplen Krisen geprägten Lebenswelten der Bevölkerung und folgt den anfänglichen Erfolgen der Aufständischen im Mai 1626 bis hin zu ihren verheerenden Niederlagen im November desselben Jahres.

Den sechs Monaten des bewaffneten Aufstandes folgten 400 Jahre der Geschichtsschreibung und -deutung. In dieser Zeit wurden die Ereignisse des Aufstandes vor dem Hintergrund wechselnder Interessen stets neu gedeutet und zum Gegenstand politischer Instrumentalisierung. Die Ausstellung thematisiert diesen Prozess des Erinnerns und Gedenkens und fragt danach, wie dieser die Erzählung des oberösterreichischen Bauernkriegs bis heute prägt.

Unter dem Kapitel „Vorbedingungen” widmet sich die Ausstellung den multiplen Krisen, mit denen die Menschen zu Beginn des 17. Jahrhunderts konfrontiert waren und die letztlich den Nährboden für den Bauernkrieg 1626 bildeten. So sah sich die überwiegend evangelische Bevölkerung des von Kaiser Ferdinand II. an den bayerischen Herzog Maximilian I. verpfändeten „Landes ob der Enns” von massiven Rekatholisierungsmaßnahmen betroffen. Hinzu kam die europäische Dimension des Bauernkrieges, der in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Schrecken des Dreißigjährigen Krieges stand, der zu dieser Zeit in Europa wütete. Neben Erfahrungen mit Krankheiten, Seuchen und Geldentwertung prägte auch das klimatische Phänomen der Kleinen Eiszeit die Lebensrealitäten der Bevölkerung. Wetterextreme und Missernten waren die Folge. Der existenzielle Kampf ums Überleben war somit ein gewichtiger Grund, der die Menschen zu den Waffen greifen ließ.

Der Bauernkrieg von 1626 war kein Einzelphänomen. Zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert gab es in der Region zahlreiche Aufstände. Der oberösterreichische Bauernkrieg von 1626 markierte mit geschätzten 12.000 Toten den traurigen Höhepunkt dieser Auseinandersetzungen und steht daher im Zentrum der Ausstellung. Ein erstes blutiges Vorspiel im Kampf um religiöse Wahlfreiheit und bessere Lebensbedingungen war das „Frankenburger Würfelspiel” am 15. Mai 1625, dem eine Rauferei in Lembach im Mai 1626 folgte. Letztere sollte schließlich die Initialzündung für die kriegerischen Auseinandersetzungen dieses Jahres sein. Unter den Anführern Stefan Fadinger und Christoph Zeller erzielten die Aufständischen zunächst Erfolge. Sie scheiterten jedoch bei der Belagerung von Linz im Sommer 1626, bei der sowohl Fadinger als auch Zeller ums Leben kamen.

Verheerende Niederlagen, die den Bauern durch kaiserliche und bayerische Truppen zugefügt wurden, führten schließlich im November 1626 zur blutigen Niederschlagung des Aufstands.

Anhand des Mythos, der sich in den Jahrhunderten nach den historischen Ereignissen um den Bauernhauptmann Stefan Fadinger bildete, zeigt die Ausstellung, dass Geschichte immer auch Fiktion ist. Was wir heute über den oberösterreichischen Bauernkrieg zu wissen glauben, ist nicht nur das Ergebnis historischer Fakten. Es ist auch das Resultat von Erzählungen, die im Lauf der Jahrhunderte geformt, ausgeschmückt und weitergegeben wurden.

Diese stets neu gedeutete Geschichte des Bauernkriegs vor dem Hintergrund wechselnder Interessen gipfelte schließlich in der politischen Instrumentalisierung des Themas im 20. Jahrhundert. Anfänglich noch vonseiten des sozialdemokratischen Lagers herausgefordert, war es schließlich die völkisch-nationale Erzählung, die sich in den 1920er-Jahren die Deutungshoheit über die Darstellung der Ereignisse des oberösterreichischen Bauernkriegs sicherte.

Dabei handelte es sich um eine Geschichtsdeutung, die sich nahtlos in die propagandistisch aufgeladene Erzählung des „Bauernstandes“ während der Zeit des Nationalsozialismus einfügte. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich im Jahr 1938 erlebte das Gedenken an den Bauernkrieg von 1626 eine neue Blüte und erreichte ein neues Ausmaß der politischen Vereinnahmung. Aus der Perspektive einer liberalen, demokratischen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts wirft die Ausstellung die Frage auf, inwiefern diese politisch vereinnahmten Deutungen der Geschichte noch immer Teil unserer Erzählungen vom oberösterreichischen Bauernkrieg sind und diese prägen. Zugleich verweist sie mit einem KI-generierten Blick auf das Linz um 1600 auf die Potenziale, aber auch Gefahren, die die Künstliche Intelligenz bei der Nachbildung scheinbarer historischer Realitäten bietet.

Bauernkrieg 1626.
Zwischen Geschichte und Fiktion
bis 07.01.27