23. Oktober 2019 - 9:35 / Architektur / Ausstellung 
25. Oktober 2019 15. Februar 2020

Mit ihrem Studio Basehabitat geht die Kunstuniversität Linz seit vielen Jahren einen besonderen Weg in der Architekturausbildung. Mit starkem Fokus auf die soziale Verantwortung von Architektur widmet sie sich nachhaltigem Planen, Bauen und räumlicher Entwicklung insgesamt, bisher vorwiegend im globalen Süden.

Am Anfang stand die Überlegung, dass das kostengünstige Erfüllen der notwendigsten Bedürfnisse nicht im Widerspruch zu einer anspruchsvollen Architekturqualität und einem ressourcenschonenden Bauen stehen muss. In Ländern wie Bangladesch, Südafrika und Indien entstanden so zahlreiche und weltweit beachtete Bauprojekte. Alle eint ein Ziel, das sich in vier programmatischen Prinzipienpaaren ausdrückt: „Teilhabe und Kooperation“ für die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen der Orte, wie Empathie für Nutzer|innen und deren Einbindung in die Entscheidungs- und Realisierungsprozesse. „Baukultur und Klima“ verlangt nach Lösungen, die Komfort und die ressourcenbedingte Einfachheit gleichermaßen berücksichtigen. „Material und Handwerk“ nimmt Bezug auf die vorhandene Bautradition und schafft lokale Wertschöpfung. „Schönheit und Würde“ dient als Arbeitshaltung für eine sorgfältige und achtsame Auseinandersetzung mit Planen und Bauen. Inzwischen hat sich aus dem Werkstudio ein umfangreicher Studienbereich entwickelt, der neben dem Master „Architektur|Basehabitat“ ein vielfältiges Angebot an Lehre und Workshops ebenso beinhaltet wie eine biennale, zweiwöchige und international höchst erfolgreiche Summer School.

Basehabitat feiert in diesem Jahr sein 15-jähriges Bestehen. Die Ausstellung zeigt verschiedene Projekte, die die Auseinandersetzung mit dem jeweilig unterschiedlichen historischen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Kontext der Region beispielhaft demonstrieren.

Die Eröffnung ist zugleich ein Fest für Basehabitat Gründer Roland Gnaiger, der am 1. Oktober 2019 emeritiert hat.

Die vier Prinzipien von Basehabitat

Teilhabe und Kooperation
Für Planungs-, Forschungs- und Bauprojekte von Basehabitat ist das Eingehen auf den jeweils unterschiedlichen historischen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Kontext zentral. Als Voraussetzungen gelten Offenheit gegenüber diesen Bedingungen, Empathie gegenüber den Projektpartner|innen, deren Einbindung in Entscheidungsund Realisierungsprozesse und die Angemessenheit der planerischen Entscheidungen und baulichen Maßnahmen. Als Arbeits- und Entscheidungsgrundlage dient eine Recherche vor Ort und ein intensiver Austausch mit den Beteiligten. Durch diese Kooperation und das gemeinsame Bauen werden schließlich neue Kompetenzen aufgebaut.

Baukultur und Klima
Bauen ist für Basehabitat eine Kulturtechnik und beinhaltet eine elementare Gestaltungsaufgabe mit präzise definierbaren Zielen und eine Verantwortung für Umwelt und Klima. Klimagerechtes Bauen bedeutet, es wird auf gutes Raumklima, komfortable Raumtemperaturen, hohe Aufenthaltsqualität und einen möglichst geringen Energieaufwand beim Bau und in der Nutzung Wert gelegt. Materialentscheidungen, Gebäudeorientierung und Konstruktionsweisen nehmen Bezug auf örtliche Gegebenheiten und bestimmen die Qualität der Gebäude. Anregungen für adäquate Entwurfslösungen finden sich sowohl in traditionellen ortsspezifischen Ansätzen als auch in der aktuellen Forschung und in Fachexpertisen.

Material und Handwerk
Bei der Auswahl der Baumaterialien geht es Basehabitat um die ökologischen Konsequenzen. Verwendet werden vorwiegend vor Ort verfügbare, möglichst nachwachsende, leicht und kostengünstig erwerbbare und mit geringem Aufwand manipulierbare Baustoffe. Dieses Ziel erfüllt eine sozioökonomische- (Leistbarkeit|Erreichbarkeit|Stärkung lokaler Wirtschaftskreisläufe) und eine ökologische Komponente (kleiner Fußabdruck|unproblematische Entsorgung). Daraus resultiert der bevorzugte Einsatz von Lehm, keramischen Materialien, Bambus- und Holzkonstruktionen, verschiedene Faserstoffe, Naturtextilien sowie Naturfarben und die Eigenfarben der eingesetzten Baustoffe. Um den Eigenschaften und Qualitäten des jeweiligen Materials Rechnung zu tragen, ist sowohl handwerkliche Tradition als auch Innovation von Bedeutung.

Schönheit und Würde
Das Bekenntnis zu architektonisch-künstlerischer Qualität ist eine Grundhaltung von Basehabitat. Damit sind die spürbaren Dimensionen der Architektur, wie Materialien, Oberflächen, Temperatur, Farben, Raumwirkung und Atmosphäre, angesprochen. Es ist damit mehr eine Arbeitshaltung als ein Ziel beschrieben: eine sorgfältige, empathische Herangehensweise, die die künstlerische Dimension sozialen, wirtschaftlichen und politischen Zielen gleichstellt. Für Basehabitat sind architektonischkünstlerische Qualität und ein angenehmer Lebensraum ein menschliches Grundbedürfnis und kein Luxusgut.

Basehabitat. Architektur für Entwicklung
25. Oktober 2019 bis 15. Februar 2020
Eröffnung: 24. Oktober 2019, 19 Uhr
Kurator|innen: Elisabeth Judmaier | Kunstuniversität Linz
Clemens Quirin | vai Vorarlberger Architektur Institut

vai Vorarlberger Architektur Institut
Marktstrasse 33
A - 6850 Dornbirn

T: 0043 (0)5572 51169
F: 0043 (0)5572 51169-9548
E: info@v-a-i.at
W: http://www.v-a-i.at/

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BaseEhabitat Summer School – © Foto: Stefamie Hueber
BaseEhabitat Summer School – © Foto: Stefamie Hueber
Sunderpur Housing – © Foto: Kurt Hörbst
Sunderpur Housing – © Foto: Kurt Hörbst
Sunderpur Housing – © Foto: Kurt Hörbst
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