Die Grafische Sammlung der Tiroler Landesmuseen besitzt den weltweit größten Bestand an Tiroler Barockzeichnungen, die zum größten Teil aus Künstlernachlässen stammen. Im Rahmen der Ausstellung „Ferdinandeum unterwegs“ werden ausgewählte barocke Preziosen, darunter Werke von Paul Troger und Simon Benedikt Faistenberger, im Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck präsentiert.
Kurator Ralf Bormann, Leiter der Grafischen Sammlung der Tiroler Landesmuseen, hat die kostbaren Barockzeichnungen in der Ausstellung „Weltentfaltung“ auf tiefblauem Hintergrund in Szene gesetzt. Von den über 3.000 Tiroler Barockzeichnungen der Sammlung werden in dieser Ausstellung 130 Zeichnungen überwiegend erstmals einem größeren Publikum präsentiert. Sie waren meist zweckgebundene Arbeitsskizzen zur Vorbereitung komplexer Projekte wie Deckenfresken, Altar- oder Bühnenbildern. Heute werden sie als hochkarätige Meisterwerke angesehen. Herausragende Beispiele sind der Präsentationsentwurf eines Bühnenbildes, vermutlich zur Oper „Radamisto“, von Alessandro Galli da Bibiena um 1716 sowie die Skizze „Judith mit dem Haupt des Holofernes“ von Cosmas Damian Asam um 1734, die ein Fresko im Sitzungssaal des Tiroler Landtags im Alten Landhaus in Innsbruck ziert.
Der Titel der Ausstellung, „Weltentfaltung“, verweist auf die Falte als zentrales Stilelement des Barock. Die Ausstellung widmet sich diesen faltensatten Kunstwerken und wagt auch den Blick auf die Bergwelt, in deren Falten sich das barocke Kräftespiel von Verbergen und Enthüllen fortsetzt. Viele eindrucksvolle Bauwerke aus der Barockzeit prägen bis heute das kulturelle Erbe Tirols. Besonders im 17. und 18. Jahrhundert entstanden zahlreiche Kirchen, Klöster und Profanbauten mit üppigen Stuckarbeiten, Bühnenbildern, farbenprächtigen Fresken und kunstvoll gestalteten Altären.
Im Zuge der Gegenreformation, die den Protestantismus zurückdrängen sollte, gewann die katholische Kirche in Tirol zunehmend an Einfluss. Ordensgemeinschaften wie die Jesuiten und Kapuziner trugen maßgeblich dazu bei, den Glauben tief in der Bevölkerung zu verankern. Dies führte besonders im alpenländischen Raum zu einem Aufschwung des Kirchen- und Klosterbaus, der Künstlern eine Fülle an Aufträgen bescherte. Die Pestepidemien des späten 16. und 17. Jahrhunderts, die in der Bevölkerung schwere Erschütterungen hervorriefen, vertieften den religiösen Glauben. Dabei wurde die barocke Formensprache gezielt eingesetzt, um Glaubensinhalte eindrucksvoll zu inszenieren und emotional erfahrbar zu machen.
Prägend für den Tiroler Barock war zudem ein intensiver Kulturtransfer aus den deutschen Ländern, insbesondere aus Schwaben und Bayern, sowie aus Italien. Die kulturelle Blüte in Städten wie München, Augsburg, Rom und Venedig sowie an den oberitalienischen Fürstenhöfen – etwa in Mantua, Ferrara und Parma – wirkte dabei als wichtiges Vorbild. Nicht zuletzt förderten die dynastischen Verbindungen der Tiroler Habsburger mit einflussreichen Familien, wie den Gonzaga in Mantua und den Medici in Florenz, diesen künstlerischen Austausch. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts prägten drei Tiroler Künstlerfamilien das kulturelle Geschehen: die Familien Schor, Gumpp und Waldmann. Im 18. Jahrhundert dominierten Persönlichkeiten wie Paul Troger, Johann Evangelist Holzer, Josef Ignaz Mildorfer und Martin Knoller, und dies weit über Tirol hinaus.
Weltentfaltung. Zeichnungen des Tiroler Barock
Bis zum 26.10.2026
Genauere Informationen und das Rahmenprogramm finden Sie unter: https://www.tiroler-landesmuseen.at/ausstellung/weltentfaltung/